Extremer Stresstest für die lokale Wirtschaft: Eine Umfrage der IHK fördert die aktuellen Belastungen für Unternehmer zutage.
1000 Unternehmen befragtRheinbrücken werden zum Standortrisiko im Kölner Raum

Stau auf der A4 zwischen den Anschlussstellen Köln West und Eifeltor: Durch die neue Sperranlage fahren zwar kaum noch überladene Lkw über die Eifeltorbrücke. Staus gibt es aber weiterhin.
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Extrem und vielfältig belastend. Anders lässt sich die Lage auf den Autobahnen rund um Köln nach der Sperrung der Bonner Nordbrücke und den Einschränkungen an der mit einer Schrankenanlage für Lkw versehenden Eifeltorbrücke auf der A4 nicht beschreiben.
Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Köln (IHK), an der sich 1012 Unternehmen aus dem gesamten Bezirk beteiligten, geben 67 Prozent an, von der Sperrung der Bonner Nordbrücke direkt betroffen zu sein. Bei der Eifeltorbrücke sind es 57 Prozent.
„Für uns gilt das gleich in doppelter Hinsicht“, sagt ein Baustoffproduzent aus dem Rechtsrheinischen, der Betonsteine herstellt. „Unsere Rohstoffe wie Kiese, Sande und Splitte kommen überwiegend aus dem Linksrheinischen. Unsere Fertigprodukte gehen vor allem in den Norden und den Westen. Wir müssen also zweimal über den Rhein.“
Teilweise können die Spediteure nur noch zwei statt drei Touren fahren
Für den mittelständischen Betrieb mit 140 Mitarbeitenden, der seit 1938 existiert, ist die A4 die Lebensader, über die mehrere 100 Tonnen Rohstoffe täglich angeliefert werden. „Pro Tag schaffen wir nur noch zwei statt bisher drei Touren.“ Die Unsicherheiten auf der A4, wie lange man für den Transport braucht, bestünden seit Jahren, seien aber einigermaßen kalkulierbar gewesen.
Seit der Sperrung der Nordbrücke und der eingeschränkten Eifeltorbrücke hat sich die Lage nochmals verschärft. „Teilweise können die Spediteure nur noch zwei statt drei Touren fahren – eine davon noch in aller Herrgottsfrühe“, sagt der Unternehmer und beschreibt eine vielschichtige Problemlage: „Die Rohstoffe erreichen uns nur noch sehr verzögert. Unsere Kunden beginnen deshalb schon damit, sich auf der linken Rheinseite zu orientieren.“ Mittlerweile habe man Schwierigkeiten, Spediteure zu finden. „Wer überregional unterwegs ist und es sich leisten kann, das Rheinland zu meiden, bietet gar keinen konkreten Preis mehr an. Diejenigen, die noch fahren, weil sie nur regional orientiert sind, müssen das tun, um zu überleben. Die stellen deshalb keine großen Nachforderungen, trotz der hohen Dieselpreise.“ Das Fazit des Baustoffproduzenten: „Da sind zwei brutale Welten unterwegs. Im Frachtmarkt brodelt es gewaltig.“ Gehe die Entwicklung so weiter, der Frachtanteil im Verhältnis zum Warenwert des Betonsteins also unverhältnismäßig hoch ist, könne das die Bauwirtschaft weiter in die Krise treiben.
Ein Beispiel von vielen. „Die gesamte Lage ist schwierig. Wir haben die Sorge, dass die Rheinbrücken für die Wirtschaft zu einer kritischen Belastung werden“, sagt Alexander Felsch, Leiter des Geschäftsbereichs Interessenvertretung bei der IHK Köln.
Tourenplanung, Lieferzeiten und Warentransporte sind erheblich beeinträchtigt
Die Einschränkungen greifen laut IHK-Umfrage tief in die betrieblichen Abläufe ein. Jeweils knapp die Hälfte der Unternehmen berichtet von Beeinträchtigungen bei Dienstfahrten, im Außendienst oder bei Handwerkereinsätzen. Mehr als vier von zehn Unternehmen nennen eine schlechtere Erreichbarkeit von Kunden oder Baustellen. Auch Tourenplanung, Lieferzeiten und Warentransporte sind erheblich beeinträchtigt.
Sechs von zehn Unternehmen geben zudem an, dass viele ihrer Beschäftigten unter den Einschränkungen leiden. Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei den Fahrzeiten: 78 Prozent der Befragten melden, dass pro Fahrt Verzögerungen von mindestens 15 Minuten, in vielen Fällen aber auch deutlich mehr, auftreten.
Ebenso leidet die Verlässlichkeit, wenn Fahrzeiten stark schwanken und nicht mehr zuverlässig planbar sind. Mehr als ein Drittel der Unternehmen bewertet die Auswirkungen auf Kosten und Planungsaufwand als stark oder sehr stark, weitere rund 25 Prozent sprechen von einer mittleren Belastung. „Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal: Fehlende Verlässlichkeit im Verkehrsnetz kostet die Unternehmen jeden Tag Zeit, Geld und Planungssicherheit.“
Laut IHK sind die Unternehmen gezwungen, die Folgen mit erheblichem organisatorischem Aufwand abzufedern. Jeweils rund 51 Prozent nutzen andere Routen oder planen größere Zeitpuffer ein. 45 Prozent verlagern ihre Fahrten auf frühere oder spätere Uhrzeiten, knapp ein Viertel setzt verstärkt auf Homeoffice. Nur 16 Prozent haben bislang keine Maßnahmen ergriffen.
51 Prozent der Unternehmen müssen Routen ändern und Umwege fahren
Die Forderungen der Unternehmen sind aus Sicht der IHK eindeutig. 70 Prozent verlangen einen schnellen Neubau der Eifeltorbrücke. „Der Einbau der Schrankenanlage hat zwar schnell und reibungslos funktioniert, aber wir können mit dieser Situation nicht bis 2028 leben, nur weil dann die Bahnstrecke unter der Brücke gesperrt ist und gebaut werden kann“, sagt Felsch. „Das muss schneller gehen.“
Eine Rheinbrücke wie in Leverkusen lasse sich nicht in Modulbauweise errichten. „Beim Eifeltor geht das schon. Dazu braucht es einen klaren politischen Willen, schneller ans Ziel zu kommen. Dass so etwas gehen kann, sieht man ja in Bonn. Dort hat der Abbruch der Vorlandbrücke schon begonnen.“

Nichts fährt mehr: Die Bonner Nordbrücke ist seit dem 3. Juni gesperrt. Ein Drittel des Verkehrs auf der A565 verlagert sich seither auf die A4 und damit auf den Kölner Autobahnring.
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„Die Brückenprobleme sind längst zu einem erheblichen Risiko für den gesamten Wirtschaftsstandort geworden. Kurzfristig brauchen wir die enge Abstimmung aller Baustellen im Verkehrsnetz, belastbare Umleitungskonzepte und eine verlässliche Kommunikation“, sagt Felsch. Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeverfahren müssten konsequent beschleunigt und Planungs- und Bauprozesse parallel statt nacheinander durchgeführt werden.
Die IHK Köln fordert außerdem, die Sanierung der Kölner Rheinbrücken bis 2040 abzuschließen und die neue Rheinspange der A553 zügig zu realisieren. „Da hat sich zwei Jahre nichts bewegt. Der Bau einer neuen Brücke produziere keine Staus. Felsch: „Die Unternehmen können und müssen derzeit Umwege organisieren – ein leistungsfähiges und verlässliches Verkehrsnetz war und ist aber klar die Aufgabe des Staates.“
Vom Grundsatz her müsse sich die Verkehrspolitik in der Region vor allem auf die Sanierung der Rheinbrücken und deren Zuläufe konzentrieren. Dazu zähle auch die sogenannte Megastelze auf der A1 zwischen den Kreuzen Leverkusen und Leverkusen-West. „Sonst fahren wir bald nur noch in Düsseldorfer über die Fleher Brücke und in Bonn über die Südbrücke über den Rhein.“
