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Nord-Süd-Stadtbahn160 Millionen Euro für vier neue Haltestellen in Köln

4 min
Die Bonner Straße ist noch bis 2029 eine Baustelle.

Die Bonner Straße ist noch bis 2029 eine Baustelle.

Bombensuche, Bauverzögerungen und gestiegene Baupreise treiben die Kosten für das Projekt zwischen Markstraße und Verteilerkreis nach oben.

Der ohnehin schon düsteren Geschichte der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn ist seit Montag ein weiteres Kapitel hinzugefügt: Die Kosten für vier neue Haltestellen auf der Bonner Straße werden fast doppelt so hoch sein wie bislang gedacht. Aus einst 84 Millionen Euro sind laut der Stadt Köln jetzt 160 Millionen Euro geworden.

Für den ohnehin angeschlagenen städtischen Haushalt bedeutet das eine weitere Belastung. Ob es bei dieser Summe bleiben wird, steht bis jetzt nicht fest. Laut der Stadt könnten sich die Kosten möglicherweise noch ein weiteres Mal erhöhen.

In 16 Minuten vom Hauptbahnhof nach Rondorf

Seit dem Einsturz des Stadtarchivs am Waidmarkt vor 17 Jahren hat sich das Projekt bereits mehrfach verzögert und verteuert. Die Nord-Süd-Stadtbahn soll nach der Fertigstellung innerhalb von 16 Minuten durchgängig vom Kölner Hauptbahnhof bis nach Rondorf fahren.

„Wir gestalten hier die gesamte Straße von Hauskante zu Hauskante neu und stellen uns den Herausforderungen, mit denen wir es im Stadtgebiet Kölns zu tun haben und die zu den Mehrkosten geführt haben“, sagt Mobilitätsdezernent Ascan Egerer.

Die Kostenexplosion bei dem Bauabschnitt auf der Bonner Straße erklärt sich durch verschiedene Faktoren. Die Bauzeit hat sich um fünf Jahre verlängert, sodass die beteiligten externen Projektsteuerer mehr Geld haben wollen: 20,8 Millionen Euro. Ein maßgeblicher Grund für die Verzögerungen war laut der Stadt Köln die extrem aufwendige Suche nach Weltkriegsbomben – eine Empfehlung der Bezirksregierung Düsseldorf. Das kostete 31,7 Millionen Euro zusätzlich. 

Verlängerung der Nord-Süd-Stadtbahn über die Bonner Straße

Weitere 5,1 Millionen Euro entstanden aufgrund zunächst unbekannter Kabel- und Leitungsverläufe, eines umfangreichen Bodenaustauschs, eines aufwendigen Baum- und Wurzelschutzes sowie außerplanmäßiger Verkehrssicherungen.

Damit ist das scheinbar undurchdringliche Dickicht aus rot-weiß gestreiften Absperrzäunen gemeint, das die Bonner Straße säumt. 5000 Schutzelemente hat die Stadt Köln aufstellen lassen – das kostet pro Monat 80.000 Euro.

Hinzu kommt, dass die Kostenkalkulation aus dem Jahr 2015 stammt, die Vergabe an Bauunternehmen fand allerdings erst sechs Jahre danach statt. Aufgrund der in der Zwischenzeit gestiegenen Baukosten war die Kalkulation zu diesem Zeitpunkt laut der Stadt Köln bereits überholt.

Auch ein Schallschutz, den die Stadt nach Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss einplanen musste, war zunächst nicht einberechnet worden. Beides zusammen kostete weitere 18,4 Millionen Euro.

Zusätzliche Fördermittel beantragt

So stehen unter dem Strich 76 Millionen Euro an Mehrkosten. „Die Kostenentwicklung basiert auf dem aktuellen Sachstand und gilt als realistische Einschätzung der Gesamtkosten“, teilt die Stadt mit.

Eine abschließende Bewertung sei allerdings erst nach der Prüfung sämtlicher Nachträge und dem Abschluss der laufenden Verhandlungen möglich. Noch in diesem Jahr sollen zudem weitere Aufträge an Baufirmen  schrittweise ausgeschrieben werden. „Im Zuge der fortlaufenden Ausschreibungen und Bauarbeiten können sich Kostenänderungen ergeben, über die der Rat bei Bedarf unterrichtet wird“, so die Stadt. Mit anderen Worten: Das Projekt kann noch teurer werden.

Um die aus der Kostenexplosion folgende Belastung für den städtischen Haushalt zu verringern, hat sich die Stadt bei Bund und Land um zusätzliche Fördermittel bemüht. Bislang ist ein Zuschuss von 48 Millionen Euro bewilligt, weitere 45 Millionen Euro sind beantragt.

Die Nord-Süd-Stadtbahn gilt als das wichtigste Projekt des Schienenausbaus innerhalb von Köln. Die ersten beiden Baustufen bestanden aus einem U-Bahn-Tunnel, der vom Kölner Hauptbahnhof aus über den Heumarkt und die Severinstraße bis zur Markstraße führt. Dort beginnt oberirdisch die dritte Baustufe über die Bonner Straße bis zum Verteilerkreis. Bereits beschlossen ist zudem die vierte Baustufe, eine Verlängerung bis nach Rondorf.

Seit dem Einsturz des Stadtarchivs im März 2009 ist die Nord-Süd-Stadtbahn am Waidmarkt unterbrochen. Die Teilstücke zwischen Hauptbahnhof und Heumarkt (Linie 5) sowie zwischen Severinstraße und Bonner Wall (Linie 17) sind bereits in Betrieb. 2032 soll die Einsturzstelle beseitigt sein, sodass die Strecke durchgängig befahrbar sein wird.

Noch davor soll bereits die dritte Baustufe auf der Bonner Straße abgeschlossen sein. Dort entstehen vier neue Haltestellen: Cäsarstraße, Bonner Straße/Gürtel, Ahrweilerstraße, Arnoldshöhe. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) streben eine Inbetriebnahme für das Jahr 2029 an. „Nach der Aufarbeitung bin ich zuversichtlich, dass wir den vorgesehenen Zeitplan nun einhalten können und die Bonner Straße mit der neuen Stadtbahn nach Inbetriebnahme ein hervorragendes Bild – mit schneller Anbindung an die Innenstadt – abgeben wird“, sagt Dezernent Egerer. Die weitere Entwicklung werde die Stadt Köln „transparent kommunizieren“.