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Weniger ReserveplätzeStadt Köln wandelt Flüchtlingsunterkunft am Südstadion in Parkplatz für Fans um

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Die Stadt Köln will die Flüchtlingsunterkunft am Südstadion schließen.

Die Stadt Köln will die Flüchtlingsunterkunft am Südstadion schließen.

Die Zahl der neu unterzubringenden Menschen ist zuletzt gesunken. Dennoch warnt Kölns Sozialdezernent Harald Rau vor einem Engpass.

Köln verliert bis Ende November 400 Plätze für Geflüchtete: Die Stadt will die Unterkunft an der Vorgebirgstraße schließen. Nachdem bereits ein ehemaliges Autohaus in Rodenkirchen als Unterkunft wegfällt, schrumpft damit die Reserve weiter. Der Wegfall der beiden großen Notunterkünfte könnte die Stadt in Zukunft in die Bredouille bringen: Sollte es zu einer weiteren internationalen Krise wie dem Angriffskrieg auf die Ukraine kommen, könnte Köln nach Einschätzung von Sozialdezernent Harald Rau zu wenig Reserveplätze haben.

Rau hatte bereits Anfang dieses Jahres davor gewarnt, dass die Stadt in diesem Fall auch wieder Turnhallen nutzen müsste. Das lehnen sowohl der Stadtsportbund Köln als auch der Kölner Flüchtlingsrat mit Verweis auf die menschenunwürdigen Zustände ab, die in solchen Provisorien in der Vergangenheit zu beobachten waren. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. 

Wann fällt die Unterkunft an der Vorgebirgstraße weg?

Die Stadt Köln hat angekündigt, die Einrichtung am Südstadion mit 400 Plätzen bis Ende November dieses Jahres aufzugeben. Die Fläche soll ab Anfang 2027 zunächst als Parkplatz für die Fans des Fußballvereins Fortuna Köln dienen. Später wird die Fläche ein Teil des neuen Stadtquartiers Parkstadt Süd sein.

Wie viele geflüchtete Menschen bringt die Stadt Köln unter?

Im Jahr 2025 waren in Köln zwischen 9100 und 9300 geflüchtete Menschen städtisch untergebracht – in Unterkünften, Hotels, mobilen Wohncontainern und Wohnungen. Seit September 2024 ist diese Zahl laut des Sozialdezernats im Vergleich zu den Vorjahren relativ stabil geblieben. Nach Darstellung der Stadt blieb die Zahl der neu unterzubringenden Menschen auch wegen verschärfter Grenzkontrollen und einer rigideren Migrationspolitik vergleichsweise niedrig.

Zugleich werden vergleichsweise wenige Plätze frei. Viele Menschen finden keine eigene Wohnung und bleiben deshalb länger in städtischen Unterkünften. „So finden Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerberinnen  und -bewerbern immer noch aufgrund des rechtlichen und organisatorischen Aufwandes nur im begrenzten Umfang statt“, heißt es im aktuellen städtischen Jahresbericht zur Unterbringung Geflüchteter. Unter den mehr als 9000 untergebrachten Geflüchteten befinden sich 3500, die zwar ein dauerhaftes Bleiberecht in Form eines Aufenthaltstitels haben, aber keine eigene Mietwohnung bekommen. Weil sie keine eigene Wohnung finden, bleiben sie in städtischen Unterkünften. So will die Stadt verhindern, dass ihnen Obdachlosigkeit droht.

Warum sind die Zugangszahlen derzeit niedriger?

2025 registrierte die städtische Beratungsstelle 837 unerlaubt eingereiste Menschen, deutlich weniger als 2023 mit 5096 Fällen. Die meisten von ihnen – 571 Menschen – kamen aus Ländern des Westbalkans. Als Gründe für die Einreise nannten viele wirtschaftliche Not oder medizinische Probleme.

Fast jede zweite Einreise wurde 2025 zwischen September und Dezember registriert. Dass die Gesamtzahl vergleichsweise niedrig ausfiel, führt die Stadt vor allem auf zeitweise Grenzkontrollen und veränderte Abläufe zurück. Diese sollen die Zeit verkürzen, die Betroffene in kommunalen Unterkünften und der städtischen Versorgung verbringen.

Woher kommen die Geflüchteten?

Menschen aus der Ukraine stellen mit 21,44 Prozent weiter die größte Gruppe in den städtischen Unterkünften. Ihr Anteil ist allerdings leicht gesunken. Zugenommen haben vor allem die Anteile von Menschen aus Syrien, Afghanistan und mehreren afrikanischen Staaten. Menschen aus den Westbalkanländern bilden mit 17,7 Prozent die zweitgrößte Gruppe; darunter sind auch Personen, die teilweise schon seit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre in Köln untergebracht sind.

Wie sind die Geflüchteten in Köln familiär aufgestellt?

Fast drei Viertel der städtisch untergebrachten Geflüchteten leben als Familie zusammen. Das ist für die Stadt bei der Unterbringung besonders relevant: Familien benötigen größere Wohneinheiten und lassen sich oft schwerer in kurzfristige Notlösungen verteilen als alleinreisende Personen.

Was kostet die Unterbringung der Geflüchteten?

Die Ausgaben der Stadt Köln für die Unterbringung und Versorgung Geflüchteter sind 2025 gegenüber den beiden Vorjahren leicht zurückgegangen. Nach Angaben der Stadt entfielen im vergangenen Haushaltsjahr rund 98,65 Millionen Euro auf die Unterbringung, weitere 17,32 Millionen Euro auf die Betreuung von Geflüchteten. Für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gab Köln zudem etwa 66,88 Millionen Euro aus. Die Kosten werden vor allem vom Amt für Soziales, Arbeit und Senioren sowie vom Amt für Wohnungswesen getragen.

Den Ausgaben standen Einnahmen von mindestens rund 51 Millionen Euro aus Gebühren und Landesmitteln gegenüber. Zwar lagen die Ausgaben 2025 nach Angaben der Stadt leicht unter denen der beiden Vorjahre. Aber: „Die Entwicklung in 2025 zeigt, dass der Bedarf an finanzieller Unterstützung für die Unterbringung und Betreuung von Geflüchteten für die Stadt Köln weiterhin hoch ist“, teilt das Sozialdezernat mit. Wie hoch die endgültige Netto-Belastung ausfällt, ist laut Stadt noch offen, weil der Jahresabschluss noch nicht vorliegt.

Wie belastbar das Kölner Unterbringungssystem nach dem Wegfall weiterer großer Standorte ist, wird sich vor allem dann zeigen, wenn die Zugangszahlen wieder steigen. „Das ist eine kurzsichtige Politik, wenn man auf solche Ereignisse wie den Angriffskrieg auf die Ukraine nicht mehr reagieren kann“, sagt Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats. Aus den Jahren 2015 und 2016 wisse man sehr genau, welche Folgen es hat, wenn man sich auf künftige Krisen nicht richtig vorbereitet. Auch damals habe die Stadt Köln zuvor Reserveplätze abgeschafft.