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Premiere des Circus RoncalliAm Kölner Neumarkt herrscht Fest-Stimmung – Lili Paul verrenkt sich

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1320 Menschen im ausverkauften Roncalli-Zelt waren am Freitagabend bei der Premiere dabei. Es gab Standing Ovations für Bernhard Paul.

Es liegt ein Duft von Zuckerwatte und Popcorn in der Luft, auf dem Neumarkt erklingt Live-Musik: Das Roncalli-Orchester begrüßt seine Gäste mit einigen Songs, es herrscht quirliges Treiben am Zelteingang. Premieren-Stimmung in Köln: Der Roncalli-Zirkus ist wieder in der Stadt, alle zwei Jahre kommt er zum Heimspiel her, obwohl der Begriff Heimat für Artisten und Zirkusmenschen eher fluiden Charakter hat.

Das Programm steht dieses Jahr im Zeichen des Jubiläums: Vor 50 Jahren feierte der Zirkus in Bonn auf der Hofgartenwiese Weltpremiere, im Juni 1980 riskierte der hoch verschuldete und ausgebrannte Bernhard Paul den Neustart in Köln mit neuer Kraft und neuen Ideen. Und er hat es nachweislich gemeistert.

Noch bevor Paul am Freitagabend zur Begrüßung das Wort ergreift, würdigen ihn die 1320 Menschen im ausverkauften, runden Zelt, darunter viele Gäste und Wegbegleiter, mit Standing Ovations. „Das Kölner Publikum ist mein Verbündeter“, sagt Paul und betont, dass er als Österreicher zeit seines Lebens schon länger mit Köln als mit Wien verbunden gewesen sei. In Köln befinden sich sein Winterquartier und der Unternehmenssitz. Paul blickt zurück auf die Anfänge von Roncalli auf dem Stollwerck-Gelände, als alles ein bisschen wild und chaotisch, aber gleichzeitig auch unheimlich kreativ war.

Kleider, die zu üppigen Blumen werden. Die Tänzer mit wechselnden Kostümen haben einiges drauf. Tochter Lili Paul tanzt hier mit.

Kleider, die zu üppigen Blumen werden. Die Tänzer mit wechselnden Kostümen haben einiges drauf. Zirkustochter Lili Paul tanzt hier mit.

Premiere in Köln: Circus Roncalli und der Blick in die Zukunft

Doch der 78-Jährige stellt sich längst der Zukunft – er hat vorgesorgt. Längst hat er seine Kinder in die Familiengeschäfte eingebunden: Vivian, Adrian und Lili Paul werden eines Tages die Geschicke des Zirkus' übernehmen.

10.04.2026, Köln:  Bernhard Paul begrüßt das Publikum bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Begrüßung vom Gründer Bernhard Paul, der seine besondere Verbindung zu Köln, den Kölnern und sein wechselhaftes Verhältnis zur Lokalpolitik betonte.

Der Zirkus sei dafür da, den Menschen Freude zu bereiten, und könne gleichermaßen Kinder wie Intellektuelle zum Lachen bringen, sagt Paul. Es sei eine glückliche Insel, auf der Menschen aus 28 Nationen zusammenarbeiten und leben, wie Paul stolz verrät. Sie trotzen einer von Wahnsinn und Krisen geschüttelten Welt.

Premiere in Köln: Programm bietet viele Highlights

Und dann beginnt das, wofür der Roncalli-Zirkus seit jeher steht: nostalgisch-poetische Darbietungen. Es ist eine gelungene Balance zwischen hochkarätiger Akrobatik sowie humoristischen und interaktiven Clownsnummern um Weißclown Gensi, eindrucksvollen Tanzchoreografien und einer reichen Kostümwelt – einmal mit floralem Motto, einmal im Rokoko-Stil. Kurzfristig erinnert die Manege sogar an einen Ballsaal der Netflix-Erfolgsserie „Bridgerton“. Zudem gibt es mitreißende Live-Musik vom Hausorchester, das Rock’n’Roll-Hits und Beatles-Klassiker spielt.

Pavel Valla Bertini mit seiner Einrad-Performance: Am Ende hat er 15 Räder unter sich. Das Publikum tobt.

Pavel Valla Bertini mit seiner Einrad-Performance: Am Ende hat er 15 Räder unter sich. Das Publikum tobt.

Das Publikum ist in bester Laune. Als Publikumsliebling stellt sich direkt die erste Artisten-Nummer heraus: Pavel Valla Bertini begeistert mit seiner Einrad-Nummer, die er innerhalb kürzester Zeit gefühlt ins Unermessliche steigert. Er hüpft, tänzelt und steigt Treppen auf dem Einrad, das bald drei Reifen hat. Doch was die Zuschauer am Ende zu sehen bekommen, können sie fast nicht glauben: Einradfahren mit 15 senkrecht aufeinander gebauten Rädern. Der Artist fährt einmal um die Manege und erntet tosenden Applaus.

10.04.2026, Köln: Venice Carnival – Trampolin bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Trampolin-Nummer mit venezianischen Kostümen: Die Saltos und waghalsigen Sprünge kommen gut an.

Die zwei Frauen des Duos Hair Suspension zeigen Luftakrobatik, wobei das Seil um ihren Zopf gebunden ist. Man fragt sich, wie viel Muskelkraft vonnöten ist, um keinen Kopfschmerz beim Abheben zu spüren. Auch Zirkustochter und „Let’s-Dance“-Gewinnerin Lili Paul präsentiert eine neue Kontorsion-Nummer. In schwarzem Kostüm, umringt von den Tänzern, verrenkt sie sich zu einem Medley des spanischen Superstars Rosalìa: Ihre Darbietung oszilliert zwischen Tanz und Artistik, Flamenco und Spagat.

10.04.2026, Köln: Joel Yaicate Saavedra und Pablo Nonato sind das Duo Vitalys bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Joel Yaicate Saavedra und Pablo Nonato sind das Duo Vitalys bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli

In allgemeines Staunen versetzen die muskelbepackten Peruaner Joel Yaicate Saavedra und Pablo Nonato Panduro, die mit ihrer Adagio-Akrobatik das Schwere und Leichte, Kraft und Geschmeidigkeit verbinden. Kopf auf Kopf steigen sie Treppen herab, laufen in der Manege herum. Mit diesem Kunststück schafften sie es 2018 sogar ins Guinnessbuch der Rekorde: 57 Sekunden brauchten sie für 97 Stufen der Kathedrale im spanischen Girona.

Roncalli in Köln: Artistik von Justin und Geraldine Philadelphia

Auch die Geschwister Justin und Geraldine Philadelphia, Kinder des Roncalli-Geschäftsführers Patrick Philadelphia, beweisen, dass ihnen der Zirkus quasi in die Wiege gelegt wurde. Wie vor zwei Jahren schon wirbelt der junge Justin in Anzug und barfuß um eine fliegende Stange herum und versprüht mit breitem Lächeln und einer gewinnenden Art positive Energie: Zum Schluss regnet es goldenes Konfetti. Und Schwester Geraldine jongliert mit mehreren Hula-Hoop-Reifen. Auf dem Höhepunkt ihrer Nummer drehen sich an jedem Arm und Bein jeweils neonleuchtende Reifen in der abgedunkelten Manege.

10.04.2026, Köln: Geraldine Philadelphia – Ringjonglage bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Geraldine Philadelphia mit ihrer Ringjonglage

Ohne Clowns kein Zirkus, und schon gar nicht der Zirkus Roncalli: Neu dabei und ein echter Gewinn in diesem Jahr ist der ukrainische Komiker Housch-ma-Housch. Er interagiert mit dem Publikum, neckt es und setzt vielfach Lichteffekte, selbst und vom Orchester produzierte Geräusche ein. Nachdem sich das Publikum von Nummer zu Nummer an ihn gewöhnt hat, feiert es seinen Abschlussakt am lautesten. Für den holt er einen Mann und eine Frau in die Manege. Gemeinsam mit dem Publikum stimmt er Michael-Jackson-Lieder an – begleitet von abwechselnden Applaus- und Geräuscheinsätzen sowie Beatboxing.

10.04.2026, Köln: Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Clown Housch-ma-Housch erstmals dabei

Roncalli-Circus: Premiere in Köln mit stimmigem Programm

Für Lacher sorgen auch Weißclown Gensi zusammen mit Canutito, Kevinski und Prof. Wacko. Gensi, im roten Jubiläumskostüm, möchte mit seiner Mini-Ziehharmonika für den Roncalli-Zirkus ein würdiges poetisches Geburtstagsständchen spielen. Doch seine Mitclowns treffen offensichtlich nicht den Ton: Mal ertönt ein Elvis-Klassiker, gesungen am Riesenmikrofon, mal rennt einer mit seiner Trompete in die Manege und trötet in die Menge.

10.04.2026, Köln: Gensi alias Fulgenci Mestres Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Gensi alias Fulgenci Mestres im schönen roten Jubiläumskostüm. Eigentlich ist sein Look im Roncalli-Blau.

10.04.2026, Köln: Kevinski, Clown Canutito Jr. und Clown Gensi (v.l.) bei der Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Kevinski, Clown Canutito Jr. und Clown Gensi beim Versuch ein Geburtstagsständchen für den Roncalli-Zirkus anzustimmen.

Die Dramaturgie an diesem Abend ist mehr als stimmig, das Jubiläumsprogramm verspricht viele Höhepunkte. Es gibt die heiteren und temporeichen Momente, die leisen und sanften, die verträumten und schwungvollen. Am Ende fügt sich alles zu einem bunten, sehenswerten Ganzen zusammen. Und auch das Publikum wirkt zufrieden.

Der Einladung zur Premiere sind zahlreiche Gäste aus der Stadtgesellschaft gefolgt: darunter die Musiker Wolfgang Niedecken, Björn Heuser, die Gründungsmitglieder der Bläck Fööss Erry Stokklosa, Bömmel Lückerath und Tommy Engel sowie Kasalla-Frontmann Basti Kampmann. Auch dabei: Moderator Matthias Opdenhövel, Vertreter der Kölner Politik und viele andere. 

10.04.2026, Köln: Opening – Rockin’ Roncalli: Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Starke Leistung der Tänzerinnen und Tänzer, die in verschiedenen farbenprächtigen Kostümen mehrere Choreografien zeigten.

10.04.2026, Köln: Premiere beim Gastspiel 2026 des Zirkus Roncalli („Circus-Theater“) auf dem Neumarkt. Foto: Arton Krasniqi

Lili Paul tanzte auch mit

Circus Roncalli, Neumarkt, bis 25. Mai. Tickets zwischen 36 und 90 Euro an allen Vorverkaufsstellen. An der Zirkuskasse sind die Tickets etwas günstiger. Sie ist dienstags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis samstags von 10 bis 20 Uhr und sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.