Was Kölns Müllproblem mit Papierkörben ohne Deckel und den Krähen zu tun hat. Der satirische Wochenrückblick.
WochenrückblickDie Krähen sind schuld am Müllproblem

Krähen bedienen sich an einem Mülleimer.
Copyright: Heribert Rösgen
Also Leute. Bevor wir am ersten langen Supersommer-Wochenende des Jahres mit allem, was Baumarkt, Büdchen und Supermarkt zum Grillen hergeben, in unsere Parks und Grünanlagen ziehen, denken wir dran, was unser Oberbürgermeister beim Hauptbahnhofsputz in dieser Woche gesagt hat. „Wir müssen unsere Stadt, unser Wohnzimmer gemeinsam sauber halten.“
Da ist er nicht der Erste. Ähnlich haben sich Henriette Reker, Jürgen Roters und Fritz Schramma in ihren Amtszeiten auch schon geäußert, aber irgendwie scheinen wir Kölner besonders kreativ zu werden, wenn es darum geht, sich vor der Verantwortung zu drücken.
Was auf der Abfall-Allee im Schatten der Platanen in meinen Veedel schon alles mit einem Schildchen „Zu verschenken“ an den Straßenrand gestellt wurde, ist schon erstaunlich. Da ist ein abgeranzter Katzenbaum noch harmlos.
Um die Papierkörbe sieht es aus, als habe sich ein Müllwagen erbrochen
Für den vermutlich defekten pinkfarbenen Akkurasierer für den Intimbereich hat sich über zwei Tage keine Abnehmerin gefunden. Zuletzt war es eine angetaute Tiefkühlpizza in Folie. Man hätte sie prima in einen der Pizzakartons stopfen können, die zu Dutzenden als Hinterlassenschaften der Streetfood-Community aus den umliegenden Mülleimern quellen.
Und wer ist schuld, wenn es um die Papierkörbe herum nach einem sonnigen Wochenende aussieht, als habe sich ein Müllwagen erbrochen? Die Kölner Krähen, wer sonst? Und die Mülleimer, weil sie keine Deckel haben. Da muss man als Chef der Abfallwirtschaftsbetriebe schon starke Nerven haben, um so einen Blödsinn klaglos hinzunehmen und auch noch zu versprechen, dass zumindest die neuen großen Papierkörbe eine Abdeckung haben werden, um den Vögeln den Zugang zum Abfall ein wenig zu erschweren. Wir schaffen das!
Einen taktischen Fehler im Kampf für mehr Sauberkeit hat unser Oberbürgermeister leider begangen, bevor er in dieser Woche mit der modernen Saugrüssel-Maschine den Dreckecken beim Großputztag der Deutschen Bahn rund um den Hauptbahnhof den Kampf ansagte. Neulich habe er sich mit seinem Hamburger Amtskollegen Peter Tschentscher morgens um neun Uhr vor dem City-Hotel getroffen, plauderte Burmester aus. Der soll wörtlich beim Blick auf die Straße ungefähr Folgendes gesagt haben: „Ich wusste gar nicht, dass es in Köln so sauber ist.“
Und was denkt der Kölner, der im täglichen Wettkampf mit den Metropolen Berlin, München und Hamburg immer nur aufs Maul kriegt, da sofort? Dann is et ja jot. Bei denen ist es noch dreckiger als bei uns. Und gibt den Hanseaten, freundlich wie er ist, noch einen Tipp, wie sie ihr Müllproblem mental in den Griff kriegen. Das sind die Möwen. Ihr habt einfach zu viele Möwen.