In Kölle waren die zwei unzertrennlich: das Röggelchen und der Halve Hahn. Jetzt fliegt das Brötchen aus vielen Brauhäusern. Und wird durch Brauhausbrot ersetzt.
Satirischer WochenrückblickDas Röggelchen fliegt aus dem Brauhaus

Das Röggelchen hat ausgedient. Der Halve Hahn muss sich jetzt mit vier Brauhausbrot-Scheiben begnügen.
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Was hat man dem Röggelchen, diesem Doppelbrötchen mit seiner dunklen Farbe und seinem herzhaften Biss, nicht schon alles angetan? Auf Brauhaus-Tellern ist es aus Kostengründen fast nur noch als Einzelgänger anzutreffen. Und dahergelaufenen Möchtegern-Bäckern fällt nichts Besseres ein, es als Anti-Katerfrühstück nach durchzechten Karnevalsnächten zu aspirinieren.
All das hat das Röggelchen tapfer ertragen. Man hat es auf Diät gesetzt, den Roggenanteil, der für die krosse Kruste und lockere Krume sorgt, derart reduziert, dass es um ein Haar aus Selbstbedienungsregalen geflogen wäre. Macht nichts. Wie alle Kölschen blieb es voller Zuversicht. Meinen besten Kumpel, den Halven Hahn, kann mir keiner nehmen. Wir sind unzertrennlich. Wir sind schon lange keine Tradition mehr. Wir sind Brauchtum. Wie Himmel und Ääd, wie der Speimanes und die Flönz.
Röggelchen und Halve Hahn sind getrennt worden
Von wegen. Das Röggelchen hätte spätestens aufhorchen müssen, als die Kölner sich entschlossen, für den Aufenthalt in ihrem weltweit einmaligen Kosmos zwischen Himmel und Ääd Geld zu nehmen. Seit der Dom Eintritt kostet, bangen die gebratenen Flönz-Scheiben mit ihren geschmälzten goldbraunen Zwiebelringen, die auf Brauhaus-Tellern eingebettet zwischen Kartoffelpüree und Apfelkompott liegen, wann der Tag kommt, an dem sie durch billige Patties ersetzt werden. Bislang galt das Tabu.
Der Hamburger hat die Brauhaus-Kultur längst unterwandert. Davon kann das Hämchen ein Liedchen singen. Kommt es mangels Nachfrage aus der Tiefkühltruhe und unzureichender Nachbehandlung in der Mikrowelle doch immer öfter als Eisbein auf den Tisch, bei dem das Fleisch am Knochen gefriert.
Und jetzt das! Der Halve Hahn und das Röggelchen haben sich getrennt. Um genau zu sein: Sie sind getrennt worden. In allen Brauhäusern und Betrieben einer großen Kölsch-Brauerei wird der Klassiker mit vier zwiebackgroßen Brotscheiben als „ein eigens entwickeltes Brauhausbrot“ serviert. Die Gäste sind schockiert. Da könne man auch Altbier ausschenken.
Das arme Röggelchen. Offenbar ist es beim Geschmacks- und Qualitätstest krachend durchgefallen. Hatte der Röggelchen-Bäcker einfach keine Lust mehr, in der Früh aufzustehen, und die Röggelchen einfach aus einem Fertigteig zusammengebraut?
Bei Früh ist es für das Röggelchen zu spät
Was jetzt? Wie soll die neue Kombination aus zwei dicken Scheiben mittelaltem Gouda, einer sauren Gurke, einem Zwiebelring, einem Stückchen Butter und vier Brotscheiben in der Speisekarte denn heißen? Viertel-Hahn? Und wo kommen bloß all die Röggelchen her, die weiter in den anderen Brauhäusern serviert werden?
Und was wird das Früh-Kölsch sagen, wenn es an den Brauhaustischen erkennt, mit wem es jetzt zu tun bekommt? Die Früh-Werbung hat da so einiges zu bieten. „Das könnte euch so schmecken?“ Oder: „Das nennt der Kölner Vollpension“, eine Werbung, in der sich eine Blutwurst oder Flönz, wie der Kölner sagt, an eine Kölsch-Stange schmiegt?
Nein. Die Nummer ist durch. Oder. Um beim Kölsch zu bleiben. Bei Früh ist es für das Röggelchen zu spät. Mein liebes Früh-Kölsch! Ab sofort sitzen wir beide im selben Brauhausbrot.
