Köln – Mathematiker Dr. Wolfgang Schwarz ist „ein Schatz“, findet Marion Mosen, Personalleiterin beim Bank-Verlag, ein IT-Dienstleister. Das Unternehmen hätte ihn wohl nicht ohne die Unterstützung des Inklusionsprojekts „Mit Arbeit! In Köln.“ des Jobcenters entdeckt. Dass der 49-Jährige unter einer sozialen Phobie leidet und „nicht so gesprächig ist“, war dabei kein Problem: „Er muss ja in die Tasten hauen und keine Schwätzchen halten.“
Schwarz suchte „drei Jahre vergeblich, ich konnte bei Vorstellungsgesprächen nicht überzeugen“, sagt der Software-Entwickler und Kryptografie-Experte, jetzt fest angestellt. Ihm half individuelle Unterstützung, ein Betreuer begleitete ihn zu Unternehmen, dann hat’s funktioniert.
Gehörlose Haushälterin für Familie gesucht
„Es ist für uns ein großes Glück, ihn als hoch qualifizierten Mitarbeiter zu gewinnen“, lobt Mosen vom Verlag, in dem zehn der 200 Mitarbeiter schwerbehindert sind. Die Integration von deutlich mehr Menschen mit Handicap auf dem ersten Arbeitsmarkt gehört zu den besonderen Anliegen des Jobcenters, es baute im „Mit Arbeit!“-Netzwerk mit Projektpartnern seit 2015 Brücken zu Unternehmen.
Dr. Schwarz ist einer der 108 Menschen mit schwerer Behinderung in Köln, die durch passgenaue Beratung, Hilfe bei der Arbeitssuche und Coach-Begleitung eine sozialversicherungspflichtige Arbeit bekamen, eine Berufsausbildung oder berufliche Neuorientierung. 141 Menschen erhielten andere Angebote wie Kurzqualifikationen oder psychosoziale Beratung. Jobcenter-Geschäftsführer Olaf Wagner und Projektkoordinatorin Martina Griese zogen gestern eine Erfolgsbilanz zum Abschluss der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Initiative. Jürgen Becker moderierte den Festakt. Als Meilenstein in der beruflichen Integration von Menschen mit Schwerbehinderung betrachtet Wagner das Modell. „Sie bringen oft vergleichbare Kompetenzen und Stärken mit wie Menschen ohne Einschränkung. Davon können viele Arbeitgeber enorm profitieren.“ Es habe Erfolg, weil man individuell qualifizieren und beraten konnte. Es gelte weiter, Vorbehalte abzubauen.
3000 Menschen mit schwerer Behinderung beim Jobcenter gemeldet
Bei Dr. Pirkko Schuppan war das nicht nötig. „Man muss Integration leben.“ Die Chirurgin suchte gezielt nach einer gehörlosen Haushälterin für die Familie und wandte sich an den Integrationsfachdienst, der Bozena Brand vermittelte. „Mein Mann und ich sind berufstätig, unsere Kinder lernten in der Kita auch Gebärdensprache.“ Die vier und sechs Jahre alten Kinder fänden das „ganz normal“. Bozena Brand, gehörlos, arbeitete als Hilfskraft in Büros und bei der Post, ehe die gelernte Bauzeichnerin arbeitslos wurde. Die 56-Jährige fühlt sich nun rundum wohl, „ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit und mir“ – und die Kommunikation klappt.

Glückliche Teilnehmer am Erfolgsmodell: Die gehörlose Bozena Brand freut sich über ihre Arbeit als Hauswirtschafterin.
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Die Projektförderung endet, doch man will weiter versuchen, Drittmittel für integrative Netzwerke einzuwerben. In Köln sind rund 3000 Menschen mit schweren Behinderungen beim Jobcenter gemeldet, hinzu kommen viele mit gesundheitlichen Einschränkungen und Unterstützungsbedarf. Rund 30 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben gesundheitliche Probleme. Wagner: „Das ist eine Herausforderung für die Zukunft.“ Es gebe noch viele Ressourcen, die nicht genutzt werden. Mosen: „Es ist sehr schade, dass das Projekt zu Ende ist, weil jetzt Schätze nicht gehoben werden.“
