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Schimmel und DreckWohnungen am Kölnberg sind marode

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Letztlich unbewohnbar und benutzbar: In den Bädern fehlen oft die sanitären Einrichtungen.

Köln – Schon im Hausflur riecht es penetrant nach Urin. Auf den Treppen liegen gebrauchte Spritzen von Junkies. In den Ecken heben sich Sprenkel von getrocknetem Blut oder im Flur verrichteten Notdurften von der vormals weißen Wand ab. „Das ist eklig“, sagt ein Bewohner, der ungenannt bleiben möchte. Das Stigma, als Bewohner des Kölnbergs identifiziert zu werden, ist ihm zu groß. Auch der Vermieter könnte ja verärgert reagieren. Diese Konsequenzen scheut er.

Schimmelgeruch durchzieht die Räume

Doch für die Rundschau öffnet er seine Wohnung. Drei Zimmer, Küche, Diele Bad. Zu viert leben sie dort für 660 Euro warm auf engstem Raum. Das Schlafzimmer ist unbewohnbar. An den Wänden zieht sich eine fiese Schimmelspur entlang. Die Fenster sind geöffnet, damit der Geruch nicht die gesamte Wohnung durchdringt. Die Zimmertüren stehen neben den Zargen. Die Angeln sind längst kaputt. Viele Steckdosen sind offen, haben keine Verblendung, auch die im Badezimmer. „Zwei Monate lang, war unser Waschbecken im Bad nicht zu gebrauchen. Es ist aus der Wand gefallen“, sagt der Bewohner.

Nach langem Hin und Her mit der Hausverwaltung und dem Vermieter kam eine Fachfirma. „Gestern waren sie da. Wir haben sie gebeten, sich den Schimmelbefall anzuschauen. Sie sagten nur, dass ist schlimm“, so der Familienvater. Mit einem Gerät hätten sie den Feuchtigkeitsgrad gemessen.

Bewohner wissen sich nicht zu wehren

Diese Wohnung ist kein Einzelfall. Etwa 20 sind den Sozialarbeitern vor Ort wegen eklatanter Mängel bekannt. Die Dunkelziffer, so vermuten sie, ist wesentlich höher. Viele Bewohner trauen sich nicht, etwas zu sagen, oder sie wissen sich schlichtweg nicht zu wehren. So sehen es Vertreter der Sozialdemokraten in der Bezirksvertretung und brachten einen entsprechenden Antrag in die Sitzung ein. Darin heißt es, dass die Verwaltung die Möglichkeiten des neuen Wohnungsaufsichtsgesetz vom 10. April 2014 „vordringlich für den sozialen Brennpunkt der Wohnanlage nutzen soll, um dort um sich greifenden Missständen entgegenzuwirken“. Die Zeichen der Verwahrlosung seien sichtbar, auch sollte die starke Überbelegung einzelner Wohnräume systematisch überprüft werden.

Bürgeramtsleiter Hubertus Tempski gab zu, die Zustände zu kennen, merkte aber an, dass dem Wohnungsamt dies in dem Maße nicht bekannt sei. Es lägen wenige Hinweise vor. Seiner Meinung nach könnten durch das Gesetz lediglich Bußgelder verhängt werden. Dazu brauche es allerdings mehr Personal und dies stehe der Stadt derzeit nicht zur Verfügung. Die Stadt könne, sofern sie die Mietkosten übernimmt, die Miete mindern. Dies versucht der Familienvater schon längst, steht mit dem Job-Center, das bislang für die Mietkosten aufkam, in Verbindung. Doch nicht alle, die dort leben, können sich gegen die Missstände zur Wehr setzen. Er holt das Übergabeprotokoll aus der Schublade. Sechs Seiten ist es lang. Zahlreiche Mängel sind dort aufgeführt. Er zog trotzdem ein. Von Schimmel war in dem Protokoll nicht die Rede.

Seit Jahren wird an Konzepten gearbeitet

Das Ganze sei ein Politikum, so ein Sozialarbeiter. Doch niemand traue sich da richtig ran. Seit einem Jahr werde an Konzepten gearbeitet, aber es passiert nichts in den Wohnungen. Dabei habe die Stadt die Möglichkeit, den Vermietern mit ernsthaften Konsequenzen zu drohen oder die Wohnungen für unbewohnbar zu erklären. Aber wohin mit den Bewohnern? In Köln fehle günstiger Wohnraum. Die Stadt Duisburg hat das neue Gesetz unterdessen zur Anwendung gebracht. Doch die sozialen Brennpunkte sollen sich nur verlagert haben.

Eine andere Möglichkeit böte das sogenannte Dortmunder Modell. Dort hat man das Problem seit 2011 angepackt. Ämter, Polizei und soziale Träger arbeiten dort eng zusammen, zeigen Präsenz und schauen den Vermietern auf die Finger. Die, so heißt es, sollen merken, dass sie nicht machen können, was sie wollten. Meschenich mit seinem Kölnberg sei ein typischer Ankommensstadtteil für Menschen mit Migrationshintergrund, lautet das Fazit eines Sozialarbeiters. Dort müsse noch mehr Integrationsarbeit geleistet werden. Sozialarbeit könne aber nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Bezirksvertreter vertagte die Diskussion zunächst auf die nächste Sitzung nach der Sommerpause.