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Interview

Scooter kommen 2027
„Ich habe gute Erinnerungen an Köln“

4 min
Ein Mann steht mit einem Mikrofon auf einer Bühne.

Sänger H.P. Baxxter von der Band Scooter bei einem Konzert in der Kölner Lanxess-Arena im November 2024. (Archivfoto).

Die Band Scooter kommt 2027 ins Kölner Rhein-Energie-Stadion. Frontmann H.P. Baxxter spricht über gigantische Bühnen und treue Fans.

Redaktion: Köln und Scooter – das hat eine lange Geschichte. Was verbinden Sie persönlich mit der Stadt?

H.P. Baxxter: In der Anfangszeit mit Scooter waren wir fast mehr in Köln als in Hamburg. Jede Woche waren wir gefühlt bei Viva, und wir haben die Sendung „Top of the Pops“ in Köln gedreht. Irgendwann ist das leider alles Richtung Berlin abgewandert. Ich habe gute Erinnerungen an Köln. Es war immer sehr locker, hat immer Spaß gemacht, und es wurde viel gefeiert damals.

Im Juni 2027 kommt nach Köln ins Rhein-Energie-Stadion. Was macht den Unterschied zu einer Hallen-Show, etwa in der Lanxess-Arena?

Open Air erzeugt immer eine besondere Stimmung. Eine Halle liebe ich auch, wenn sie sich in einen Hexenkessel verwandelt. Aber Open Air ist noch ein ganz anderer Vibe. Im Stadion ist es gigantisch groß, da muss man sich wirklich Gedanken machen, wie man so etwas bespielt. Auch musikalisch: vielleicht zwei, drei Nummern, die man ewig nicht gespielt hat, oder Neubearbeitungen. Da werden wir uns einiges einfallen lassen. Aber eine tolle, stimmige Setlist ist mir immer wichtig. Wir haben einige Hits, die vernünftig untergebracht werden müssen, aber alles kann man gar nicht mehr spielen.

Wie planen Sie so eine Produktion? Erst die Setlist, dann die Show-Dramaturgie, dann die Technik?

Licht und Visuals macht eine sehr coole Firma aus Holland, die das seit ein paar Jahren für uns macht. Unsere Tour heißt „Rave from Outer Space“, und da kann man sich wirklich austoben: Aliens, Weltraum, Ufos. Das war sowieso immer mein Thema, ich war schon immer Science-Fiction-Fan. Das im Stadion in dieser Dimension umsetzen zu können, das ist fantastisch.

Parallel läuft die musikalische Vorbereitung im Studio. Licht und Pyrotechnik werden dann genau auf die Musik getaktet. Wenn man das mit den Anfangszeiten vergleicht, wo wir durch Diskotheken getingelt sind, dann ist das jetzt schon eine andere Nummer.

Damals in Diskotheken und heute im großen Stadion: Wofür haben Sie mehr geprobt?

Damals war das ja immer noch Learning by Doing. Da haben wir einfach zwei Tänzerinnen mitgenommen und sind losgefahren. Wir sind auch viel durch die neuen Bundesländer gefahren und haben, glaube ich, jede Disko in Deutschland kennengelernt. Dann wurde das über die Jahre immer größer, immer professioneller. Aber ich finde das auch schön, wenn man so eine Entwicklung hat. Besser als ein Hype am Anfang und dann geht es bergab.

Gibt es ein Konzert, das Ihnen bis heute nicht aus dem Kopf geht?

Wir spielen allein dieses Jahr fast 30 Festivals. Das ist schon eine Menge. Aber es gibt natürlich Highlights. Ich erinnere mich noch an den einen Auftritt in England, Mainstage, da hast du bis zum Horizont nur Menschen gesehen. Das war gigantisch. Rock am Ring war auch cool. Aber auch kleinere Sachen können super sein. Wir waren in Dänemark, 6.000 Leute, kleineres Festival, aber auch da war die Hölle los. Es geht nicht immer nur um die Anzahl an Menschen, sondern um die Stimmung.

Sehen Sie von der Bühne aus einzelne Gesichter im Publikum? Fällt Ihnen jemand auf, der richtig Spaß hat?

Das ist mehr auf die vorderen Reihen beschränkt. Gerade in der Bühnenmitte, erste Reihe, sieht man eigentlich immer dieselben Leute, egal in welchem Land wir sind. Das sind Hardcore-Fans, die überall mitreisen. Ich schaue in die Gesichter und denke: „Ach, hallo, auch wieder da.“

Sie spielen mit Ihrer Band seit mehr als 30 Jahren. Woran merken Sie, ob ein neuer Track noch nach Scooter klingt, oder ob er besser in der Schublade verschwindet?

Da sind wir immer sehr experimentierfreudig. Manchmal gibt es Versuche, die verschwinden dann heimlich wieder in der Versenkung. Bei Sachen, von denen wir denken, das könnte live etwas werden, schaue ich immer, ob es genug schiebt. „Rave from Outer Space“ funktioniert super live, „God Save the Rave“ sowieso.

Wir achten darauf, dass wir die Tracks mit wirklichem Live-Potenzial spielen, und alles, was live nicht so gut funktioniert, lassen wir dann. Aber die Mischung ist sehr wichtig. Nur Klassiker auf der Bühne wären langweilig. Alle zwei, drei Jahre gibt es ein neues Album, dazu immer Singles, und die besten spielen wir dann. Das macht es interessant.

„How much is the fish“ oder „Hyper Hyper“: Scooter lebt von Catchphrases. Woher kommen diese Zeilen?

Eigentlich immer, wenn ich irgendetwas aufschnappe, was ich witzig oder interessant finde, schreibe ich es mir auf. Ich habe einen ganzen Fundus mit Sprüchen und Zeilen. Erst kommt die Musik, dann die Rhythmik, dann die Texte. Ich bastle das wie ein Puzzle zusammen. Wenn man Glück hat, kommt man in einen Flow. Wenn man Pech hat, passiert gar nichts und du sitzt vor einem weißen Blatt wie ein Schriftsteller und denkst: Ich mache morgen weiter.

Und wo schnappen Sie die Zeilen auf?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich war in Irland in irgendeinem Pub, da stand auf einem Schild: „Don't take life too seriously. Nobody gets out alive anyway“. Das fand ich cool und auch sehr wahr. Die meisten Menschen nehmen sich zu ernst und denken, sie lebten ewig. In so einem Nonsens-Spruch kann viel tieferer Inhalt drinstecken. Nicht immer, manches ist auch einfach nur absurdes Theater. Aber nicht alles.