Köln – Erst lockten sie einen Freier in die Falle, dann raubten sie ihn eiskalt aus: Am Dienstag verurteilte das Landgericht eine 21-Jährige und einen 24-Jährigen dafür wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung zu Freiheitsstrafen. Während sie mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe mehr oder weniger mit einem blauen Auge davonkam, muss ihr 24-jähriger Ex-Freund und Vater des gemeinsamen Sohnes (1) für die Tat sechs Jahre lang ins Gefängnis. Ferner ordnete das Gericht die Unterbringung des drogenabhängigen Mannes in einer Entziehungsanstalt an.
Nach den Feststellungen des Gerichts hatte das Paar, das keinen festen Wohnsitz hatte, am 22. Januar 2019 über eine Sex-Date-Internetseite einen Termin mit dem 26-jährigen Barkeeper verabredet. Als der Mann nach der Arbeit in dem Apartment in Mülheim ankam, bat die 21-Jährige ihn, sich noch mal im Bad frisch zu machen. Doch dort wartete schon der 24-Jährige mit einem Totschläger in der Hand, bedrohte den Barkeeper und forderte dessen Geldbörse. Insgesamt machte das Paar 550 Euro Beute. 50 Euro fürs Taxi ließ der Angeklagte dem Geschädigten und sagte: „Hier, ich bin ja kein Hund.“
Hintergrund der Prostitution war die prekäre finanzielle Situation des Paares: Beide ohne Geld, er dafür aber mit einem Rocker-Club im Rücken, bei dem er mal Mitglied war und der für den Austritt des 24-Jährigen angeblich 10 000 Euro verlangte. Um die monatlichen Raten für die Rocker, den eigenen Lebensunterhalt sowie rund 50 Euro für den täglichen Drogenkonsum bestreiten zu können, hatte der 24-Jährige seine Freundin dazu gebracht sich zu prostituieren.
Noch kurz vor dem Urteil hatte das Paar eingeräumt mit der Masche noch mindestens acht weitere Freier „abgezogen“ zu haben. Von den Geschädigten habe sich bis jetzt aber noch niemand bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, so die Sitzungsvertreterin der Anklage.
Während der gesamten Verhandlung würdigte die 21-Jährige ihren Ex-Verlobten, mit dem sie während der Untersuchungshaft per Brief Schluss gemacht hatte, keines Blickes. In ihrem letzten Wort hatte sie die Tat nochmals bedauert. „Ich will ein geregeltes Leben mit meinem Sohn und nichts mehr mit der Strafjustiz zu tun haben“, sagte die Angeklagte.

