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„Sehnsucht nach Aufbruch“Kölner Kardinal Woelki wird 70 Jahre alt

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Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, während eines Gottesdienstes  im Kölner Dom. (Archivbild)

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, während eines Gottesdienstes  im Kölner Dom. (Archivbild) 

Am Dienstag (18. August) wird der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki 70 Jahre alt. Zuletzt zeigte er nur noch wenig öffentliche Präsenz. 

An seinem Geburtstag beginnen für Kardinal Rainer Maria Woelki die voraussichtlich letzten fünf Jahre als Erzbischof von Köln. Am Dienstag (18. August) wird er 70 Jahre alt. Üblicherweise bieten Bischöfe zum 75. Geburtstag dem Papst ihren Rücktritt an.

Für Woelki wird es das zweite Rücktrittsgesuch sein. Das erste hatte er im Zuge der Debatten um die Missbrauchsaufarbeitung in seiner Erzdiözese eingereicht. Papst Franziskus entschied nie darüber; die Sache versandete. Auch die Aufregung um Woelkis Missbrauchsaufarbeitung hat sich weitgehend gelegt; die juristischen Auseinandersetzungen im Nachgang sind beinahe erledigt.

Kardinal Woelki: Wenig öffentliche Präsenz

Aber auch wegen anderer Themen geriet er in die Kritik, darunter der Umbau der Bistumsverwaltung, die Neuaufstellung des kirchlichen Multimediasenders domradio.de und die Vorgänge an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT). Anders als seine Vorgänger ist Woelki ein in der Stadtgesellschaft nur noch wenig sichtbarer Kardinal.

Zur Prinzenproklamation zu Beginn des Jahres hat er mehrfach keine Einladung erhalten. Im Januar war dafür der Berliner Bischof da, Stadtdechant Robert Kleine hielt eine launige Laudatio auf das Ehrenamt. Auch beim vornehmen Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer ist er in den vergangenen drei Jahren nicht zu sehen gewesen. Andersherum hat Woelki selbst auf den früher üblichen jährlichen Medienempfang verzichtet.

Kardinal setzt auf Verbreitung christlicher Botschaft

Der Kardinal selbst setzt auf die Verbreitung der christlichen Botschaft – vor allem unter jungen Menschen. Inspiration hierfür holt er sich im angelsächsischen Raum.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki spricht bei einem Interview. (Archivbild)

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki spricht bei einem Interview. (Archivbild)

Ein Beispiel ist das Glaubensfest „Kommt und seht“, das das Erzbistum in diesem Jahr zum zweiten Mal ausrichtete. In der Kölner Eventhalle X-Post ging es zwei Tage lang in Workshops und Vorträgen um die „Eucharistie als Quelle unserer Einheit“. Unter anderen sprach der US-amerikanische Priester Peter Wojcik, der auf Instagram mehr als 120.000 Follower hat.

„Bleib bei Jesus“

Auch Kardinal Woelki steht in einem Video auf der Bühne. „Bleib bei Jesus“, sagt er an das Publikum gerichtet. Die Optik erinnert an amerikanische Konferenzformate. Auf Werbe-Clips zu „Kommt und seht“ sind viele jüngere Menschen zu sehen, die beten, singen, lachen. Laut Erzbistum waren in diesem Jahr 2500 Teilnehmende vor Ort.

Inspiration für das Format holte sich Woelki aus der anglikanischen Kirche. Im Frühjahr 2024 reiste er mit weiteren Bistumsverantwortlichen nach London. Laut Erzbistum bestehen seitdem Beziehungen zum anglikanischen Bischof Ric Thorpe, der heute Erzbischof im australischen Melbourne ist, und dem Gregory Centre for Church Multiplication, einer Ausbildungsstätte für Gemeindegründungen.

Dem Kardinal geht es um Evangelisierung

Aus diesen Kontakten entstand zudem das Projekt „Church planting“ (etwa: „Eine Kirche pflanzen“) im Erzbistum Köln. Hier geht es um die Gründung neuer Gemeinden und laut Erzbistum um ein missionarisches Kirchenverständnis. Multiprofessionelle Teams werden ausgesendet, um „neue Erfahrungsorte des Glaubens zu schaffen, an denen alles darauf ausgerichtet ist, dass Menschen Christus neu kennenlernen können“.

Zumindest an einem Standort hat das nicht geklappt. „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ berichten, dass das Projekt in der Gemeinde Sankt Pius in Köln-Zollstock vorzeitig ende. Im Gemeindebrief war von „Konflikten und Verletzungen“ die Rede. Dem Kardinal geht es um Evangelisierung. Seine Gemeinden sollen die christliche Botschaft verbreiten, für die Kirche werben.

Kirchenaustrittszahlen klettern auf nie gekannte Höhen

Gleichzeitig kletterten in den vergangenen Jahren die Kirchenaustrittszahlen zeitweise auf nie gekannte Höhen. 2021, also auf dem Höhepunkt der Vertrauenskrise im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung, erhöhte das Amtsgericht Köln wegen der hohen Nachfrage wiederholt die Zahl der Termine für Kirchenaustritte.

Der Mitgliederschwund macht sich auch finanziell bemerkbar. Dem Erzbistum droht laut eigener Berechnung ein Defizit von bis zu 100 Millionen Euro bis 2030. Ausgaben werden daher in Zukunft anhand von vier strategischen Zielen bewertet, dazu gehören „Nachfolge leben“ und „missionarisch Kirche sein“.

Konservative Ausrichtung

Glaubensfest, „Church Planting“ und die umstrittene bistumseigene Hochschule KHKT stehen für eine konservative theologische Ausrichtung des Erzbistums. Kritiker sehen darin eine Verengung des Profils.

Woelki selbst formuliert seine Strategie für die Zukunft des Erzbistums in einer Pressemitteilung so: „Wir haben Sehnsucht nach einer Kirche im Aufbruch und Wachstum. Sehnsucht nach einer Kirche, in der wir aus der Eucharistie und der Heiligen Schrift gemeinsam leben und glauben. In der wir als missionarische Jüngerinnen und Jünger Menschen mit Jesus Christus in Kontakt bringen. Sehnsucht nach einer dienenden Kirche für die Menschen am Rande.“ In den kommenden fünf Jahren dürfte sich der Kardinal dafür einsetzen. (kna/red)