Köln – Sesam, öffne dich - vom Wasserturm übers Loft bis zum Hausboot. Die Rundschau stellt ungewöhnliche Wohn(t)räume vor.
Eine lange Treppe führt hoch zur "Scheune". Die Eingangstür ist in dem gleichen Grün gehalten wie die schwere Flügeltür unten in der Hofanlage. Und wer sie hinter sich lässt, kann über eine zweite Treppe in die Abgeschiedenheit oben vordringen. Ein Traum von einem Heuboden. Nur ganz anders.
Julia Schmidt und Michael Trick leben in der "Scheune" des neu gestalteten Müllers-Hof in Sürth. Die geschlossene Anlage gehörte zu den wenigen freien landwirtschaftlichen Höfen in Köln und ist bis heute im Familienbesitz. Bis ins 18. Jahrhundert reichen die Spuren zurück. Zur Zeit der französischen Besatzung sollen hier die Jagdhunde Napoleons gehalten worden sein. Überliefert ist, dass im Torhaus an der Sürther Hauptstraße eine Schmiede untergebracht war. Heute leben die Eigentümer im Fachwerkhaus gegenüber der Scheune.
Klar und in hellen Tönen ist die Wohnung in der Scheune eingerichtet. Julia Schmidt und Michael Trick haben sorgfältig die Lichtquellen ausgewählt, um die Räume punktuell zu betonen. Und sie haben etwas über für Bauhaus-Möbel : den Long Chair Hirche oder die Corbousier-Liege LC4 - ergänzt übrigens mit dem Ikea-Regal "Expedit". "Weil es passt und super aussieht", sagt Trick.
Der 39-Jährige ist beruflich viel unterwegs, Ankommen ist ihm wichtig. Er kann es besonders gut an dem frei stehenden Küchenblock . Und er mag das gesellige Beisammenstehen, wenn Besuch da ist - Julia Schmidt kocht lieber allein.
Eine andere Spielwiese ist der große Bildschirm mit Playstation , auf dem aber nur Autorennen laufen. Der Mann aus dem Schwabenland fährt selbst gelegentlich Rennen und nutzt die Simulation zu Trainingszwecken. Im gleichen Raum findet sich übrigens auch eine Vitrine mit kleinen Pokalen . "Mein Zwergenschrein." (mft)
Als das junge Paar im vergangenen Jahr zum Besichtigungstermin vorfuhr, dachten beide: "Oje, ein alter Bauernhof." Von verkommenen, sanierungsbedürftigen Wohnungen hatten sie bis dahin schon einiges gesehen. Aber der Gang durch das Tor eröffnete dieses Mal eine ganz andere Welt. "Wie im Urlaub", das war ihr erster Eindruck, erzählt Julia Schmidt.
Dabei befand sich die Wohnung damals noch im Rohbau. Aber der Charme der Anlage, mit Kopfsteinpflaster und der Backsteinoptik, der hatte sie sofort gefangen genommen. "Ich habe neun von zehn Punkten gegeben", sagt Michael Trick.
Vor vier Jahren hat Architekt Michael K. Walther begonnen, der Anlage, die nur noch rudimentär vorhanden war, neues Leben einzuhauchen. Er entwarf acht Wohneinheiten in einer geschlossenen Anlage, die sich an den historischen Abmessungen orientierte. Am besten erhalten war die Scheune. "Die Grundelemente wollte ich nicht antasten", sagt Walther. "Man sollte merken, dass man ein altes Haus betritt."
Das hat funktioniert, und dahinter eröffnet sich auf 160 Quadratmetern eine hochmoderne Wohnlandschaft. Sehr klar, sehr strukturiert. Türen gibt es genau: zwei. Eine zum Bad und eine zum Schlafzimmer. "Wir wollten offen und schnörkellos wohnen", sagt Julia Schmidt. Die unterschiedlichen Ebenen erlauben dennoch Rückzug und Ruhe. Auf der Empore etwa, zu der eine Eichentreppe über den Kamin führt. Die Wand ist mit Originalsteinen der Remise gestaltet. Der Mörtel ist bei jedem Stein von Hand abgeschlagen worden.
Im Zentrum der Wohnung steht ein moderner Küchenblock und ein langer dunkelbraun gebeizter Esstisch. "Cum grano salis" steht als Sinnspruch an einer der Schrägen." Mit einem Körnchen Salz, heißt das, nicht alles so ernst nehmen, so ließe es sich interpretieren. Und so wollen es die Bewohner auch verstanden wissen. Ganz oben, unter dem Giebel der Scheunenwohnung blickt ein weißer Elch auf das Leben unten hinab. Er sieht sehr entspannt dabei aus.
Beide kommen aus ländlicher Umgebung nahe der Großstadt. Die 36-jährige Schmidt aus dem Raum Frankfurt, ihr Lebensgefährte aus der Region Stuttgart. Ihr Wunsch war es, nahe am Rhein zu wohnen, aber eben nicht im innerstädtischen Trubel. Das hatten sie lange genug gehabt. Sürth sei also auch ein bisschen eine Rückkehr. "Ich bin viel unterwegs, oft in Berlin", sagt Trick. "Da ist die Ruhe zuhause schön."
Hinter dem großen Scheunentor im Erdgeschoss sind sechs Autostellplätze, auf Paletten übereinander untergebracht. Daneben ist Raum für Fahrräder, und da, wo früher der Hühnerstall war, ist heute die Heiztechnik untergebracht. Einen Gewölbekeller gibt es auch, den wollen die Bewohner des Müllers-Hofs bald zur Weinlagerung nutzen. Das gesellige Miteinander schätzen die Bewohner der Anlage nämlich durchaus. So ist das Leben auf dem Hof.
