- Die Cronica van der hilliger stat van Coellen ist das Kölnbuch schlechthin.
- Chroniken wie diese kamen Ende des 15. Jahrhunderts in Mode.
- Was die Cronica beinhaltet und warum sie ein ganz besonderes Buch ist.
Köln – Die Cronica van der hilliger stat van Coellen ist das Kölnbuch schlechthin, der Klassiker der Stadtgeschichtsschreibung, so umfassend und reich illustriert wie keines zuvor. „Coellen, eyn Kroyn boven allen stedten schoyn.“ Köln – Eine Kron, über allen Städten schön, schwärmte der unbekannte Verfasser in der 520 Jahre alten Koehlhoffschen Chronik, am 23. August 1499 gedruckt. Zu einer Zeit, als die mittelalterliche Metropole auf dem Höhepunkt der Macht war.
Mit der Erschaffung von Adam und Eva beginnt das bedeutende Werk, danach kümmert sich Gott auf den 368 Blättern im Folioformat dann gleich um Köln. Die Geschichten, Fakten und Legenden in kölnisch-niederdeutscher Sprache gestalten sich mit Holzschnitten zu einem eindrucksvollen Bilderbogen. Auch die Abbildungen erschienen „schwarz auf weiß“, der stolze Besitzer ließ sie dann je nach Portemonnaie binden und engagierte einen Buchmaler für die Colorierung.
Kölner Legenden
„Es war aber kein Auftragswerk des Rates und insofern teilte er manche Aussagen darin auch nicht“, weiß Dr. Christiane Hoffrath, Dezernent für die Historischen Sammlungen der Universitäts- und Stadtbibliothek, über die Kölnische Chronik . Marsilius im Kampf gegen die Römer vor den Toren der Stadt, Trajans Ernennung zum Kaiser, St. Gereon und die Legende der Heiligen Helena oder auch die Schlacht bei Worringen 1288 nehmen darin kunstvoll Gestalt an.
Inkunabeln
Die Koehlhoffsche Chronik wurde im letzten Jahr der „Inkunabelzeit“ gedruckt, so genannte Wiegendrucke mit beweglichen Lettern, die dem Erscheinungsbild von Handschriften nachempfunden waren. Im Tresor hütet die USB einen Schatz mit 2400 Inkunabeln (ab anno 1452 bis Silvester 1500).
Setzen und Drucken zur damaligen Zeit bedeutete, erläutert USB-Dezernentin Dr. Christiane Hoffrath, „dass man erst dann wieder Seiten setzen und Lagen drucken konnte, wenn benutzte Lettern wieder frei waren.“ Viele Holzstöcke mit den Abbildungen entstanden erst während des Produktionsprozesses der Kölnischen chronik in der Werkstatt des Druckerverlegers Johann Koelhoff dem Jüngeren. An einem Tag wurden vier Seiten fertig.
Ein Großteil des Textes orientiert sich zum Beispiel an Hagens „Reimchronik“ von 1270 oder auch an der um 1470 entstandenen Handschrift „Agrippina“ von Heinrich von Beeck. Die bekannteste ist die 1493 von Anton Koberger in Nürnberg gedruckte Schedelsche Weltchronik.(MW)
www.inkunabeln.ub.uni-koeln.de
Das prunkvollste farbige Motiv auf dem Einband zeigt das Kölner Stadtwappen, drumherum heiliggesprochene Bischöfe und Petrus als Patron des Domes. Die Abbildungen des mittelalterlichen Köln gehören zu den ältesten überhaupt, dazu 80 quadratische, Spielkarten ähnliche Darstellungen etwa von König und Kaiser, Papst und Päpstin Johanna.
Rheinpanorama als Highlight
Ein besonderer Hingucker bis heute ist die damalige Skyline der Stadt, das Rheinpanorama mit dem unvollendeten Turmstumpf samt Holzkran am Dom. Gedruckte Vorläufer des Stadtprospekts finden sich in der 1474-77 erschienenen Weltchronik „Fasciculus temporum“ von Werner Rovelinck, so Hoffrath.
Chroniken wie diese kamen Ende des 15. Jahrhunderts in Mode. Gekauft, gern (vor)gelesen und gehütet – wurde die volkssprachige Kölnische Chronik von den Bürgern; sie war nicht nur für Gelehrte und Kleriker gedacht. Neben anschaulichen Szenen der Stadtgeschichte greift der Autor die Richmodis-Sage auf und vom Pesttod einer Frau berichtet, „wie eine vrawe tzo Coellen, die gestorben und begraben was und weder upgegraben, lebendig wart“.
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Entrüstet erzählt der Verfasser auch über „einen subtilen anslach“ , einen Reliquiendiebstahl aus der Pfarrkirche St. Laurenz 1462, wobei das Haupt des St. Vincenz entwendet wurde und ins Berner Münster gelangte. Der Rat der Stadt beschwerte sich – vergeblich. Am Ende berichtet die Chronik von einem Ereignis vom 5. Februar 1498, das wohl Schlagzeilen machte: Blinde erschlugen auf dem Alter Markt ein Schwein.
Die Chronik war ein beliebter Lese- und vor allem Vorlese- und Gesprächsstoff, wenn auch im Vergleich zu heutigen Auflagen kein Massenprodukt: Insgesamt gab es damals wohl 250 Exemplare, 150 sind erhalten geblieben. Die USB besitzt fünf Exemplare, eines davon stammt aus der Privatbibliothek des Kölner Industriellen Gustav von Mevissen. Die verschiedenen Bände wurden von der Uni-Bibliothek digitalisiert. Interessierte können sich in Kürze im Sammlungsportal „Inkunabeln und Blockbücher“ auf der USB-Homepage online selbst ein Bild davon machen.

