Starkregenfolgen in KölnViel ging nicht mehr am Kölner Hauptbahnhof

Auf dem Hauptbahnhof drängten sich die Fahrgäste, der Züge ausgefallen waren.
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Köln – „Wie komme ich da jetzt hin?“ Die wohl am häufigsten gestellte Frage am Hauptbahnhof am Donnerstag. Wegen des Regens sind zahlreiche Bahnverbindungen ausgefallen. „Verlassen können wir uns heute leider auf gar nichts“, erklärt freundlich eine der vielen Bahnmitarbeiterinnen in der proppevollen Eingangshalle. Die Anzeigetafeln zeigen mehr Ausfälle als funktionierende Verbindungen. Vor dem regulären Info-Schalter und den improvisierten Info-Stehtischen drängen sich gestrandete Reisende.
„Wir kommen aus dem USA-Urlaub und sind schon 24 Stunden unterwegs“, erklärt müde ein älteres Ehepaar. Jetzt soll es nur noch nach Hause nach Leverkusen gehen. Das ist machbar. Schwieriger wird es für den jungen Franzosen, der nach Brüssel möchte und von dort aus weiter nach Paris. Die Verbindung zwischen Köln und der belgischen Hauptstadt ist unterbrochen. „Wir sammeln mehrere Fahrgäste für die weite Strecke und geben ihnen einen gemeinsamen Taxischein“, erklärt eine - ebenfalls freundliche - Bahnmitarbeiterin.
Für die „Härtefälle“, die nach Wuppertal und Hagen, wo der überflutete Bahnhof gesperrt ist, wollen, gibt es sofort Taxigutscheine. „Überhaupt keine Aufregung. In New York wären die Leute viel ungehaltener“, wundert sich eine US-amerikanische Familie auf Europareise. Ein 17-jähriger Gummersbacher dagegen ist nicht ganz so glücklich: „Ich war die ganze Nacht über in Köln. Gestern Abend hat man mir gesagt, ich sollte mich in einen Hotelzug setzen und warten. Das wollte ich nicht. Ich bin dann bei einem Freund untergekommen.“
Vor dem Bahnhof spricht ein junger Mann mit großem Rollkoffer aufgebracht in sein Handy: „Ich hab keinen Plan. Ich bin jetzt erst mal fertig mit der Welt.“ Wie seine ursprünglichen Pläne waren, will er nicht sagen.
Dafür ist ein beleibter Oberbayer aus Bad Reichenhall umso mitteilsamer: „Mit dem Taxigutschein komme ich rechtzeitig zur Hochzeit meiner Nichte nach Bocholt.“ Während er dankbar zehn Euro „Trinkgeld für die Kaffeekasse“ auf den Stehtisch legt, lobt er: „Sie sind sehr hilfsbereit.“ Der Mitarbeiter hat kaum Zeit, sich zu bedanken. Laut ruft ein aufgebrachter Holländer : „Wie komme ich jetzt nach Enschede?“
