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Telefonseelsorge in KölnDie Selbstmordgefahr im Corona-Jahr nimmt deutlich zu

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Zum Hörer greifen auch junge Menschen. Gerade für nach Köln gezogene Erstsemester sei der Lockdown schwer, so die Helfer.

Köln – Die Auswirkungen des Covid 19-Virus auf die Organe sind nur zu oft verheerend. Nicht minder schwerwiegend sind wohl aber auch die Folgen für die Seele. Weil die Pandemie ihnen das Leben schwer macht, greifen immer mehr Menschen in ihrer Not zum Hörer. Die Kölner Telefonseelsorge verzeichnete in 2020 mehr Anrufe als in den Vorjahren. Besonders erschreckend dabei: Selbstmordgedanken nehmen zu. Vor Corona kam in sieben Prozent aller Anrufe zur Sprache, dass bereits überlegt werde, sich das Leben zu nehmen. Seit vergangenem Frühjahr hat die Zahl der Telefonate mit suizidalem Hintergrund um fast 100 Prozent zugenommen.

Ökumenisches Kirchenprojekt

Die Kölner Telefonseelsorge ist ein ökumenisches Projekt der evangelische und katholischen Kirche. Dorit Felsch von der evangelischen Kirche sagt: „Insgesamt hat die Zahl der Hilfesuchenden zugenommen. Und wo bereits vorher Probleme bestanden, wurden sie zumeist durch Corona verschärft.“ Das Team aus 139 Ehrenamtlern nahm im Durchschnitt 70 Mal am Tag den Höhrer ab. In rund 20 Prozent der Fälle ging es um Einsamkeit. „Gerade für Menschen, deren einzige sozialen Kontakte bei eine Tasse Kaffee beim Bäcker und einem Spaziergang im Park zustande kamen, ist es im Lockdown noch schwerer geworden“, sagt Felsch. In weiteren 20 Prozent der Gespräche ging es um Angst.

Mehr Infos: www.telefonseelsorge-koeln.de

Werde ich krank? Was wird aus meinen Arbeitsplatz? 19 Prozent der Anrufer ringen mit einer Depression. In 18 Prozent der Gespräche ging es um die familiäre Beziehung. „Die Heimarbeit und der Unterricht von zuhause aus , schaffen eine andauernde Nähe, die Konflikte befördert“, berichtet Annelie Bracke von der katholischen Kirche. Und dann die Anrufer, denen das Leben unter diesen Umständen unerträglich erscheint.

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Das ist im doppelten Sinne eine Herausforderung für die Helfer, die Seelsorger am Hörer. Die Fälle werden drastischer und die Kompensationsmöglichkeiten weniger. Denn auch die Seelsorger leben unter den Umständen der Pandemie, auch ihnen fehlen Kontakte.

„Uns sagen aber viele von ihnen, dass ihnen das Helfen hilft“, so Bracke. Sinnvolles tun in bedrückender Zeit.

Für die im Sommer startenden einjährigen Ausbildungskurse der Telefonseelsorge werden noch Teilnehmer gesucht.