In NRW starben 2025 mehr als 100 Radfahrende im Straßenverkehr. Der ADFC nennt dies „alarmierend“ und fordert Maßnahmen.
„Alarmierende“ Zahl toter RadfahrerKonkrete Maßnahmen – ADFC Köln gegen „homöopathisch eingesetzte Aktionstage“

Radfahrende auf den Kölner Ringen (Archivbild). An vielen Stellen im Stadtgebiet gibt es allerdings keine eigene Radspur.
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Das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen hat seine Unfallbilanz für das Jahr 2025 vorgelegt. Demnach starben 106 Radfahrende bei Unfällen, dies ist die höchste Zahl im Zehnjahresvergleich – 2024 hatte die Zahl noch bei 80 gelegen.
Der ADFC NRW nennt diesen Anstieg um 33 Prozent „dramatisch“. „Statistisch gesehen werden zwei Radfahrende in NRW im Straßenverkehr wöchentlich getötet“, heißt es weiter. Autofahrende seien in zwei Dritteln der Unfälle mit Radfahrenden insgesamt Hauptverursacher, so der ADFC. Gründe seien Vorfahrtsverstöße, Fehler beim Abbiegen oder beim Einfahren in den fließenden Verkehr.
106 Radfahrende bei Unfällen in NRW ums Leben gekommen
Innenminister Herbert Reul (CDU) plädierte vergangene Woche in diesem Zusammenhang an Verkehrsteilnehmende, sich „vor der Weiterfahrt einen Moment Zeit zu nehmen, den Kopf zu drehen und sich einen Überblick über die Verkehrssituation zu verschaffen“.
Dem ADFC ist dies nicht genug. Marc Zietan, verkehrspolitischer Experte des ADFC NRW, fordert ein sofortiges Handeln. Die Arbeit von Politik und Polizei müsse am Schutz der ungeschützten Verkehrsteilnehmenden ausgerichtet werden. Ein „sicheres und durchgängiges Radwegenetz“ sei unabdingbar, dazu Geschwindigkeitsbeschränkungen und mehr Kontrollen.
Der ADFC NRW rief Anfang März den Arbeitskreis Radverkehrssicherheit ins Leben, der Empfehlungen für mehr Sicherheit von Radfahrenden entwickeln soll.
Drei tote Radfahrende 2025 in Köln
Auch in Köln stieg die Zahl der verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer im vergangenen Jahr um 3 Prozent. 2117 Radfahrende hatten 2025 in Köln einen Unfall. Sie sind damit in absoluten Zahlen die am stärksten betroffene Gruppe der sogenannten ungeschützten Verkehrsteilnehmer. 182 Radfahrende wurden schwer verletzt, drei sogar getötet.
Angesichts dieser Zahlen erhebt Christoph Schmidt, Vorsitzender des AFC Köln, ebenfalls dringende Forderungen nach mehr Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer. „Wenn wir die Unfälle nicht nur zählen, sondern verhindern wollen, braucht es bessere Infrastruktur, und das nicht nur an ausgewählten Stellen der Innenstadt“, so Schmidt zum „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Köln hatte ein umfassendes Konzept bereits 2016 beschlossen, welches einen Ring aus Radwegen um die Innenstadt vorsieht. Allerdings war man im Sommer 2025 noch nicht über eine Machbarkeitsstudie hinausgekommen. Dabei steigt die Zahl der Radfahrenden in Köln von Jahr zu Jahr – was vermutlich auch zur erhöhten Unfallzahl beiträgt. 2025 hatte die Zahl der Radlerinnen und Radler auf den Ringen in der Innenstadt erstmals die der Autofahrenden überholt.
ADFC Köln fordert Kontrolle der Schrittgeschwindigkeit für Lkw beim Abbiegen
Der ADFC Köln betont vor allem die sichere Umgestaltung von Kreuzungen, da hier viele Radfahrende verunglücken. Es müssten noch mehr freilaufende Rechtsabbieger rückgebaut werden. Auch eine veraltete Radverkehrsinfrastruktur wie an der Luxemburger Straße sei unfallträchtig. Hier sind Radfahrende immer noch zwischen den Autos unterwegs, selbst wenn jetzt hier Tempo 30 eingeführt wurde.
Christoph Schmidt fordert auch ein konsequenteres Einschreiten der Polizei bei Fehlverhalten – egal ob von Auto- oder Radfahrenden. Falschparken auf Radwegen und -streifen müsse geahndet werden, weil Radfahrerinnen und Radfahrer so zum Ausweichen auf die Fahrbahn gezwungen werden. Genauso müsste das „Geisterradeln“ auf Rad- und Gehwegen unterbunden werden.
Ein wichtiger Punkt für Schmidt: die Gefahr, die von Lkw ausgeht. Der ADFC-Chef fordert die verstärkte Kontrolle der vorgeschriebenen „Schrittgeschwindigkeit beim Lkw-Abbiegen“. „Mit homöopathisch eingesetzten Aktionstagen kommen wir da nicht weiter“, so Schmidt, der damit auf die in Köln von der Polizei regelmäßig durchgeführte Kampagne zur Sensibilisierung beim Lkw-Abbiegen zielt. Mit der Haltung „Toter Winkel, kann man halt nichts sehen“ tue man das Thema ab, kritisiert Schmidt.
Die Kritik: Statt der Verkehrserziehung der schwächsten Verkehrsteilnehmenden, die verstärkte Wachsamkeit zum Schutz von Leib und Leben walten lassen sollen, müsste der Ball zum Lkw-Verkehr und zu Speditionen gespielt werden. Es sollten endlich Abbiegeassistenzsysteme für Lkw vorgeschrieben werden, zudem müsste es mehr Kontrollen geben. Die EU-Spiegelrichtlinie solle systematischer umgesetzt werden, fordert der ADFC schon seit Jahren.
