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Nach TV-Eklat mit Kanzler MerzKinderärztin ruft zu Kundgebung in Köln auf – und attackiert Lauterbach

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Bea Merscher bei der Demonstration „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn“ Anfang September in Berlin. Die Kinderärztin ruft nun zu einer Kundgebung in Köln auf.

Bea Merscher bei der Demonstration „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn“ Anfang September in Berlin. Die Kinderärztin ruft nun zu einer Kundgebung in Köln auf.

Ein Wortgefecht mit Kanzler Merz sorgte im Sommer für viel Wirbel. Nun ruft die bekannte Kinderärztin Bea Merscher in Köln zum Protest auf.

Ein hitziger Schlagabtausch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verschaffte der Kinderärztin Dr. Bea Merscher viel Aufmerksamkeit – nun ruft die hauptsächlich in den sozialen Netzwerken populäre Medizinerin zu einer Kundgebung auf dem Kölner Heumarkt am 17. Oktober auf. Zwischen 13 und 16 Uhr will sich Merscher dort „für ein Gesundheitssystem, das Kinder und Familien nicht vergisst“, einsetzen, wie es in einer Ankündigung bei Instagram heißt. Auch die Teilnahme von Kindern ist demnach explizit erwünscht.

Kundgebung in Köln soll „Festivalcharakter“ haben

Die Kundgebung unter dem Titel „Punkt 12“ solle „Festivalcharakter“ haben, so die Kinderärztin. „Wir wollen zeigen, wie schön das Leben in Gesundheit und Frieden sein kann“, heißt es weiter. „Erzählt es der Kita-Gruppe, dem Elternchat, den Kollegen, der Nachbarin, der Oma – jede einzelne Person auf dem Platz zählt.“

Merscher hatte bereits Anfang September zu einer großen Demonstration in Berlin aufgerufen – mittlerweile setzt die Medizinerin ihren Protest gegen die von der Bundesregierung geplanten Gesundheitsreformen in anderen deutschen Städten unter dem Titel „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn“ fort.

Bea Merscher: „Gesundheit ist keine Verhandlungsmasse“

Gesundheit sei „keine Verhandlungsmasse“, betont Merscher. Um ihren Standpunkt zu untermauern, haben die Kinderärztin und ihre Mitstreiter 32 Forderungen an Bundesregierung und Länder formuliert, darunter die „Rücknahme des GKV-Spargesetzes“, die Entlastung von Alleinerziehenden, die Erhöhung des Elterngeldes und eine faire Vergütung „für alle, die versorgen“.

Gesundheit sei ein Grundrecht, so Merscher. Hausärzte und Fachärzte müssten gestärkt und die Pharmaindustrie in die Verantwortung genommen werden, heißt es weiter. Auch die telefonische Krankschreibung müsse erhalten bleiben. „Statt Kürzungen fordern wir ein Fördergesetz für unser Gesundheitssystem“, so die Ärztin.

Kinderärztin lieferte sich Schlagabtausch mit Kanzler Merz

Merscher, der allein bei Instagram mehr als 850.000 Accounts folgen, hatte ihre Bekanntheit in diesem Sommer noch einmal erheblich gesteigert. Ende August lieferte sie sich ein hitziges Wortgefecht mit Kanzler Merz. Die Ärztin aus Niedersachsen warf dem CDU-Politiker in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ vor, seinen Amtseid zu brechen und mit seinem Sparkurs „menschenverachtende und zerstörerische Gesetze“ zu erlassen.

Merz zeigte sich angesichts dieser Attacke ungehalten. Merschers Worte seien eine „persönliche Herabsetzung“ gewesen, die „zu weit“ gegangen sei, erklärte der Kanzler. Auch den Vorwurf, die Gesundheitsreform gehe eher auf Kosten der Versicherten als etwa der Pharmaindustrie, konterte der CDU‑Politiker. „Das ist ein Gefühl. Aber das entspricht nicht unserem Gesetz“, sagte der Kanzler. Merz ergänzte: „Also ich finde, Sie machen sich das ein bisschen leicht.“

Wirbel nach RTL-Sendung mit Kanzler Merz und Kinderärztin Merscher

Nach der RTL-Sendung legte Merscher dann noch einmal gegen Merz nach. Der Kanzler habe ihr bei einem Fototermin nach der Sendung vorgeworfen, dass ihre Aussagen in der Sendung „straffällig“ gewesen seien, berichtete die Ärztin gegenüber der „Bild“. Trotzdem habe sie dem Kanzler ein erneutes Treffen vorgeschlagen. Zur Reaktion von Merz darauf sagte sie dem Bericht zufolge: „Er lachte mich aus.“

RTL wollte diese Aussagen jedoch nicht bestätigen. Der Kölner Privatsender dementierte gegenüber „Bild“ die Aussagen der Medizinerin indirekt. Er könne nicht bestätigen, dass sich der Kanzler nach der Sendung herablassend gegenüber Frau Merscher geäußert hat, zitierte die Zeitung RTL-Chefredakteur Gerhard Kohlenbach.

Bea Merscher: „Ich bin aber keine Wut-Ärztin, ich bin besorgt“

Die Kinderärztin verteidigte nach dem TV-Eklat unterdessen ihre drastischen Worte. Wenn sie die so nicht gewählt hätte, wäre sie nicht aufgefallen, „das sehe ich ja in Social Media“, erklärte sie gegenüber dem Nachrichtenportal „t-online“. Ihr Plan sei aufgegangen, nämlich dass Leute sich mit dem Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben befassen.

Sie bleibe auch dabei, dass die Sparpläne „menschenverachtend“ und „zerstörerisch“ seien und Schaden für das Volk bringen würden, betonte Merscher, fügte jedoch hinzu: „Ich bin aber keine Wut-Ärztin, ich bin besorgt. Meine Worte waren polemisch, aber eine zutreffende Diagnose.“

Kinderärztin kritisiert Wortmeldung von Karl Lauterbach

Zuletzt kritisierte Merscher zudem mit deutlichen Worten auch eine Wortmeldung des Kölner SPD-Politikers Karl Lauterbach. Der frühere Bundesgesundheitsminister hatte sich zuvor auf der Plattform X kritisch zu Sparplänen im Gesundheitssystem geäußert.

„Die schwächste Lobby haben Patienten, Pflegekräfte, Psychotherapeuten und Frauen. Muss gespart werden, fängt man meistens dort an. So darf es nicht bleiben“, schrieb Lauterbach dort – und zog damit den Ärger Merschers auf sich.

Lauterbach habe selbst für die GKV-Reform gestimmt, betonte die Ärztin am Sonntag (11. Oktober) in einem Beitrag bei Instagram. Lauterbach solidarisiere sich „quasi mit den Opfern seiner Abstimmung“ und widerspreche damit seinem eigenen Abstimmungsverhalten, führte Merscher aus und sprach mit Blick auf die Worte des Kölner Politikers von „kognitiver Dissonanz“ und „Doppelmoral“.