Einige NS-Verfolgte leben einsam mit traumatischen Erfahrungen. Projekte des Bundesverbands Information und Beratung für NS-Verfolgte in Köln wirken dem entgegen.
Vereinsamung von NS-VerfolgtenEhrenamtler in Köln und NRW bieten jüdischen Senioren Gesellschaft

Bei Formaten wie „Warmes Zuhause“ oder Begegnungscafés können NS‑Verfolgte über Erlebtes sprechen.
Copyright: Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.
Nach traumatischen Erlebnissen helfen oft Gespräche. Doch viele ältere Menschen sind einsam. Gesprächspartner fehlen. Dieses Problem betrifft einige Überlebende, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Mit Projekten wie „Warmes Zuhause“, dem ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitdienst oder den Begegnungscafés wirkt der Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte, der an der Genovevastraße in Mülheim seinen Sitz hat, dem entgegen.
Projekt „Warmes Zuhause“– Ein Ort für Austausch und Geborgenheit
Bei einem Treffen erklärt Ehrenamtlerin Hannah Vlasiuk dieser Redaktion, was es mit den Projekten auf sich hat. „Warmes Zuhause“ sei ein Konzept, das aus Israel stammt, erzählt sie. „Grundsätzlich ist es dafür gedacht, dass Holocaust-Überlebende in einem Safe Space zusammenkommen, in dem sie sich austauschen, eine schöne Zeit haben“, so Vlasiuk. Die Treffen finden immer bei einer beteiligten Privatperson Zuhause statt.
Der Einsamkeit der NS-Verfolgten könne so entgegengewirkt werden und die Senioren könnten Erlebtes gemeinsam verarbeiten, schreibt der Verband auf seiner Website. Vor allem jüdische Kontingentflüchtlinge würden an den Treffen teilnehmen, so Vlasiuk. Sie kamen mehrheitlich in den 90ern nach dem Zerfall der Sowjetunion nach Deutschland, so auch nach Köln. Das Kontingentsflüchtlingsgesetz ermöglichte ihnen eine vereinfachte Zuwanderung.

Das Treffen „Warmes Zuhause“
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Neben Köln fanden die Treffen von „Warmes Zuhause“ auch an weiteren Standorten statt. Dazu zählten Essen, Düsseldorf, Ratingen, Dortmund und Münster. Jetzt werden die Anträge zur Finanzierung des Projekts bei der zuständigen Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) nicht mehr genehmigt. Die Stiftung habe sich dieses Jahr dazu entschieden, andere Projekte zu finanzieren, sagt Vlasiuk. Die Treffen können nun nicht mehr im vollen Umfang stattfinden. Man bemühe sich in jedem Falle um eine Anschlussfinanzierung im kommenden Jahr.
Die Ehrenamtliche Faina Khazanova ist bei beiden Projekten besonders engagiert. Am Wochenende wurde sie mit dem Miteinander-Preis für Demokratie und Vielfalt der Stadt Köln ausgezeichnet. „Durch ihre einfühlsame Art sowie ihre fließenden Deutsch- und Russischkenntnisse überwindet sie sprachliche und soziale Barrieren und stärkt nachhaltig Gemeinschaft und Teilhabe“, heißt es in der Begründung der Stadt Köln. Auch Vlasiuk beschreibt Khazanova als sehr hilfsbereite, pflichtbewusste und aktive Person. Eines der Treffen „Warmes Zuhause“ fand regelmäßig bei Khazanova daheim statt. Gleichzeitig kümmert sie sich als Besuchs- und Begleitperson um die NS‑Verfolgten. Aufgrund des aktuell wieder aufflammenden Antisemitismus hat sie allerdings Angst, in die Öffentlichkeit zu treten.
Das Treffen „Warmes Zuhause“ organisierte Khazanova einmal pro Monat. Viele der involvierten Senioren kannten sich schon vorher über Ecken und bildeten ein Netzwerk. Bei der Ehrenamtlichen zu Hause wurde gekocht, die Menschen brachten Speisen, oft auch traditionell osteuropäische. Vlasiuk war bei ein paar Begegnungen dabei. „Natürlich wurde dort mehr über die Vergangenheit gesprochen, im Alter lebt man von Erinnerungen“, erzählt sie. Außerdem hätten sie viel gelacht. Es herrsche dieser trockene Humor, den sie liebt, so Vlasiuk.
Eine Stütze für den Alltag
Auch der ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienst soll der Einsamkeit älterer NS‑Verfolgter entgegenwirken und einen Austausch über Erlebtes ermöglichen. Es gehe vor allem um Personen, die nicht mobil sind und denen es schwerfalle, alleine Veranstaltungen zu besuchen, schildert Vlasiuk. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Senioren durch Telefonate, Besuche oder gemeinsame Spaziergänge. „Das Projekt versteht sich dabei nicht als reine soziale Dienstleistung, sondern als solidarischer Begegnungsraum auf Augenhöhe“, schreibt der Verband auf seiner Website.

Spaziergänge sind Teil des Besuch-und Begleitdiensts
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Beim Begleitdienst kümmern sich zwölf Freiwillige um zwei bis drei NS‑Verfolgte. Dadurch können 24 bis 36 Überlebende aus Köln und Umgebung betreut werden. Auch wenn die finanzielle Förderung wegfalle, laufe das Projekt zum großen Teil weiter, sagt Frau Vlasiuk. Viele Freiwillige könnten ihre betreute Person einfach nicht im Stich lassen, so die Ehrenamtliche. Somit verzichten einige lieber auf die Aufwandsentschädigung.
Cafés als Ort der Begegnung
Die „Begegnungscafés“ sind ein weiteres Projekt des Bundesverbands Information und Beratung für NS‑Verfolgte. Zweimal im Monat kommen dort 40 bis 50 Überlebende der NS-Zeit zum Austausch zusammen, erläutert Vlasiuk. An bestimmten Tagen im Jahr wird die Öffentlichkeit zu den Treffen eingeladen. Aus den Begegnungscafés werden dann sogenannte „Erzählcafés“. Interessierte oder Schulklassen können etwas über die Verfolgungsschicksale der Menschen während des Nationalsozialismus erfahren. So werde an der Prävention von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit mitgewirkt, schreibt der Verband auf seiner Website. Dieses Projekt wird weiterhin finanziert und im vollen Umfang durchgeführt, äußert sich Vlasiuk.