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Vier Monate in KraftAlkoholverbot am Kölner Hauptbahnhof – was sich wirklich verändert hat

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Seit vier Monaten gilt ein Alkoholverbot im Kölner Hauptbahnhof.

Seit vier Monaten gilt ein Alkoholverbot im Kölner Hauptbahnhof.

Weniger Müll, mehr Sicherheitsgefühl: Beschäftigte und Bahnhofsmission ziehen vier Monate nach Einführung des Alkoholverbots ein vorsichtig positives Fazit. Doch es gibt ein neues Problem.

Auf dem Breslauer Platz ist alles wie immer: Direkt vor dem Nordausgang des Kölner Hauptbahnhofs, hat sich am Mittwochnachmittag eine kleine Gruppe um eine Bluetoothbox versammelt. Einer der Männer wankt zum Beat eines Schlagersongs, ein anderer zieht sich das T-Shirt über den Kopf, daneben schläft ein Mann seinen Rausch aus. Der Platz gilt seit Jahren als Treffpunkt der Starktrinkerszene.

Nur wenige Meter weiter, im Kölner Hauptbahnhof, soll das seit vier Monaten ganz anders aussehen: Seit dem 1. April gilt im gesamten Kölner Hauptbahnhof ein Alkoholkonsumverbot – auf Bahnsteigen, in den Passagen, an den Zuwegungen. Es war eines der ersten großflächigen Verbote dieser Art bundesweit. Nun zieht die Deutsche Bahn nach: Bis zum 15. Oktober 2026 soll das Verbot schrittweise an allen 5400 Bahnhöfen in Deutschland eingeführt werden.

Neues Problem: Kontakt zu Betroffenen bricht ab

Doch was hat sich in der Zwischenzeit in Köln getan? Was hat sich seit dem Alkoholverbot im Hauptbahnhof verändert?

Auf den ersten Blick zumindest schon einiges: Bei einem Rundgang im Feierabendwusel am Mittwochabend ist von Bier- und Schnapsflaschen in der Bahnhofshalle nichts zu sehen. Stattdessen patrouilliert eine Vielzahl von Sicherheitskräften durch die Halle.

Im Hauptbahnhof gilt jetzt ein Alkoholverbot. Die DB Sicherheit soll es umsetzen.

Die DB-Sicherheit soll das Alkoholverbot umsetzen. (Achivbild)

Unter Reisenden ist das Verbot vielen allerdings noch immer kaum bekannt. Joscha van Gassen aus Grevenbroich war mit Freunden im FC-Fanshop, von der neuen Regel hatten die drei nichts mitbekommen – auf dem Weg zum Gleis öffnen sie sich ein Bier. „Ich finde das eigentlich schwachsinnig. Wenn ich hier am Gleis stehe, mein Feierabendbierchen trinke und die Flasche später entsorge, tut das ja keinem weh“, sagt der 27-Jährige. Auf die Begründung der Bahn angesprochen, die damit Sauberkeit und Sicherheit im Bahnhof verbessern will, zeigt er dann doch Verständnis: „Das kann ich schon verstehen.“ Ob er sich künftig daran halten werde? Van Gassen zuckt mit den Schultern: „Wenn es durchgesetzt wird, werde ich mich schon dran halten.“

Andere Reisende reagieren gelassener, äußern aber Zweifel, dass ein Alkoholverbot allein die Probleme am Hauptbahnhof löst. Zwei junge Frauen auf dem Weg zu einem Festival sagen: „Ist okay, wenn es was bringt. Aber Alkohol ist in Köln nun wirklich nicht das Hauptproblem.“ Sie spielen vor allem auf die Probleme in der offenen Drogenszene mit Crack und Heroin an.

Unter den Beschäftigten kommt das Verbot größtenteils gut an: Afsaneh Kamali arbeitet seit fünf Jahren in einem Blumenladen im Hauptbahnhof: „Durch das Alkoholverbot ist hier vieles besser geworden. Vorher stand hier immer wieder alles vollgestellt mit Flaschen, es war sehr dreckig. Auch wurden wir immer wieder angepöbelt.“ Geklaut werde zwar immer noch, aber die Sauberkeit habe sich deutlich verbessert. „Ich fühle mich auf jeden Fall sicherer.“ Ähnlich beobachtet es ein Kioskbetreiber im Bahnhof: Auffällig seien vor allem die neuen Durchsagen. Ansonsten gebe es vor der Tür weiterhin regelmäßig Zwischenfälle – doch wenn kontrolliert werde, sei es merklich ruhiger.

Christoph Gerwin, Ehrenamtlicher bei der Bahnhofsmission in Köln

Christoph Gerwin ist Ehrenamtlicher bei der Bahnhofsmission in Köln.

Die Bahnhofsmission bewertet die Entwicklung differenziert: Vor allem an Wochenenden habe sich die Lage etwas entspannt, sagte Ehrenamtler Christoph Gerwin der Katholischen Nachrichten-Agentur. Früher hätten etwa Junggesellenabschiede ihre Alkoholvorräte am Bahnhof aufgefüllt und direkt konsumiert. „Die waren nicht unbedingt aggressiv. Aber das bringt unglaublich viel Unruhe“, so Gerwin. Gerade ältere Menschen, die die Bahnhofsmission begleite, bekämen dadurch oft Angst.

Die Bahnhofsmission sieht neben der Entspannung aber auch ein neues Problem entstehen. Weil ihre Teams bei Rundgängen seltener auf obdachlose und alkoholkranke Menschen träfen, werde es schwerer, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. „Nur weil die Menschen nicht mehr so sichtbar sind, ist das Problem ja nicht weg“, sagt Sozialarbeiter Thorsten Krojnewski. Früher sei es leichter gewesen, diese Menschen zu erreichen. Er fordert ergänzend zum Alkoholverbot politische Maßnahmen.

Wie viele Platzverweise oder Hausverbote das Alkoholverbot in Köln bislang nach sich gezogen hat, lässt sich nicht beziffern: Nach Angaben der Deutschen Bahn werden entsprechende Zahlen speziell zu Alkoholverstößen nicht erhoben.

Insgesamt habe man aber „sehr positive Erfahrungen“ mit Alkoholkonsumverboten gesammelt, so ein Bahnsprecher auf Anfrage. Die Modellprojekte hätten gezeigt, dass deutlich weniger Müll anfalle und das Verbot dazu beitrage, Gewaltkriminalität, Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss zu verringern. Dadurch verbessere sich auch das Sicherheitsgefühl der Reisenden.