Beim Jahresempfang der Universität zu Köln standen Ehrungen, aktuelle Entwicklungen und bildungspolitische Impulse im Mittelpunkt.
Von Bach bis BildungspolitikJahresempfang der Universität zu Köln

Karin Prien (v. l.), Joybrato Mukherjee und seine Frau, Bürgermeisterin Derya Karadag
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Zum Semesterstart ist der Hörsaal immer voll. So auch am vergangenen Donnerstag, beim diesjährigen Jahresempfang. Der Empfang ist regelmäßiger Anlass, um die Entwicklungen der Universität zu Köln vorzustellen. Zudem werden verschiedene Ehrungen vorgenommen und Preise zu verleihen. Zu Besuch war diesmal auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU).
Mit den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach eröffnete das Neue Rheinische Streichtrio den Abend. Das Werk führt abschließend im „Quodlibet“, lateinisch für „wie es beliebt“, unterschiedliche Melodien zusammen. Damit passte die Musikauswahl zum universitären Alltag, in dem verschiedene Disziplinen aufeinandertreffen und interagieren. Das Thema für den Abend war gesetzt.
Joybrato Mukherjee: Universität muss wandelbar sein
Die Kölner Bürgermeisterin Derya Karadag (Grüne) erinnerte sich in ihrem Grußwort an ihre Zeit an der Universität zu Köln: „Im Wintersemester 2004/2005 saß ich genau hier, in der Aula 1 unter so vielen Studierenden, und war gespannt, was diese Zeit bringt.“ Als Alumna sei sie mit der Universität zu Köln persönlich verbunden, spüre aber auch, wie wichtig die Institution für Köln sei: „Die Universität ist das Herzstück unserer Gemeinschaft.“ Mit rund 45.000 Studierenden präge die Universität die Stadtgesellschaft und zeige, dass Wissenschaft eine große Bedeutung in Köln habe und ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Stadt sei. Durch Initiativen wie die Kölner Kinderuniversität bleibe diese Wissenschaft aber nicht für sich im Elfenbeinturm mitten im Grüngürtel, sondern verbinde sich aktiv mit der Stadt, so Karadag. Sie habe an der Universität zu Köln schnell ihren Platz gefunden und den „Kosmos Uni“ sehr wertgeschätzt: „Die große Universität zu Köln: Sie ist manchmal ein ganz kleines Dorf.“
Rektor Joybrato Mukherjee betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der Universität für den gesellschaftlichen Diskurs, aber auch die Wichtigkeit, als Universität anpassungsfähig und wandelbar zu sein: „Unsere Universität war in den vergangenen zwölf Monaten erfolgreich unterwegs, weil wir die Bereitschaft haben, uns zu wandeln und zu erneuern.“ Beispiel für diesen Erfolg sei etwa die Zahl der Erstsemester-Studierenden im vergangenen Wintersemester. Diese lagen 15 Prozent höher als im Jahr davor. Außerdem könne die Universität zu Köln inzwischen einen Professorinnen-Anteil von 33 Prozent vorweisen. Trotzdem werde weiterhin auf paritätische Aufteilung zwischen Dozentinnen und Dozenten hingearbeitet, so Mukherjee, wofür er vom Publikum neben Applaus auch Jubel erntete.
Karin Prien fordert ganzheitliche Bildungspolitik
Den Festvortrag des Abends übernahm Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die stellvertretende Parteivorsitzende der CDU habe „Klammer auf – leider – Klammer zu in Bonn studiert“, so Mukherjee bei seiner Ankündigung der Rednerin.
In ihrem Beitrag analysierte Prien am Beispiel Kanada, wie sich Schulbildung in Deutschland wandeln muss. Als europaweit größte Ausbildungsuniversität für Lehrkräfte habe die Universität zu Köln hierbei eine große Verantwortung. Prien plädierte für eine evidenzbasierte, ganzheitliche Bildungspolitik, die Kinder und Jugendliche während ihrer gesamten Bildungsbiografie passgenau unterstützt und auch deren Umfeld einbindet.
Im Anschluss an die Festrede verlieh Stefan Grohé, Dekan der philosophischen Fakultät, das Schmittmann-Wahlen-Stipendium. Das zweijährige Promotionsstipendium vergibt die Universität zusammen mit der Benedikt und Helene Schmittmann-Wahlen-Stiftung. Die diesjährige Stipendiatin Anja Menger promoviert zur Medizin- und Geschlechtergeschichte und zeichnet sich durch ihr außerordentliches Engagement aus, zum Beispiel in feministischen, antirassistischen und demokratiebildenden Initiativen.
In zwei Wochen wird über den Antrag der Universität entschieden, wieder Exzellenzuniversität zu werden. 2019 verlor die Universität zu Köln den Status, der aussagt, dass eine deutsche Hochschule von Bund und Ländern aufgrund exzellenter Forschung, Wettbewerbsfähigkeit und Profilbildung zusätzliche Fördermittel erhält.
