Köln – Die 55 Kölner Friedhöfe sollen in Zukunft mehr von der Öffentlichkeit genutzt werden. Wie das aussehen kann, will ein Arbeitskreis herausfinden. Bis zum Jahresende soll ein Zukunftskonzept erstellt sein. Dabei sind vor allem die Kölner selbst gefragt. Sie sind aufgerufen, Ideen und Vorschläge einzubringen und zu diskutieren. Von Mittwoch, 12. Juni, bis 10. Juli findet ein Online-Dialog statt. Zudem gibt es vom 24. bis 30. Juni zahlreiche Kulturveranstaltungen, Vorträge und Führungen während der so genannten Friedhofswoche. Die Woche findet auf Melaten sowie dem Süd-, Nord-, Ost- und Westfriedhof statt.
Vom Rolly-Brings-Konzert auf Melaten über eine Bienenwerkstatt auf dem Südfriedhof bis hin zu einem Harfenkonzert oder einem Vortrag über Nahtoderfahrungen in der Trauerhalle des Nordfriedhofs reicht das Angebot. „Bei der Friedhofswoche gibt es viele Möglichkeiten, sich auszutauschen und zu diskutieren“, sagt Daniela Hoffmann vom städtischen Referat für Öffentlichkeitsbeteiligung.
Dass es Diskussionsbedarf gibt, haben Hoffmann und Dieter Schöffmann, der die städtische Suche nach einem Meinungsbild als Mitglied der Freiwilligen Agentur unterstützt, schon gemerkt. Anfang Mai haben sie ersten Umfragen auf Friedhöfen gemacht. Angehörige, Anlieger, Senioren, Kinder- und Jugendliche, Kulturschaffende und Umwelt- und Naturschützer wurden befragt.
Mitsprechen
Nötig wird die erweiterte Ausrichtung der Friedhöfe auch durch den Trend zur Urnenbestattung und zu alternativen Bestattungsformen wie Friedwäldern. Für 65 Prozent der verstorbenen Kölner wurde 2018 eine Einäscherung gewählt. Nur 35 Prozent wurden in einem Sarg beerdigt. Die Nutzungsdauer der Grabstätten wird kaum noch verlängert. Der Online-Dialog startet am 12. Juni.
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„Dabei gab es schon 266 konkrete Vorschläge“, sagt Manfred Kaune, Leiter des Amts für Landschaftspflege und Grünflächen. Als Strecke für Walking-Gruppen, als Ort für Yoga, Thai Chi oder Meditation, als Schutzraum für Pflanzen und Tiere oder einfach als Begegnungsraum können sich einige Kölner ihre Friedhöfe vorstellen. „Auch die Trauerhallen, die ab Mittag immer leerstehen, bieten viele Nutzungsmöglichkeiten“, sagt Kaune.
Gleichzeitig macht der Amtsleiter deutlich, dass die Würde der Friedhöfe respektiert und bewahrt bleiben soll. „Eventisierung und Bebauung kommen auf keinen Fall in Frage.“ Dennoch: In Zeiten, in denen allein die Grünflächenpflege der 485 Hektar Friedhofsfläche den städtischen Haushalt mit drei Millionen Euro belastet und Gebührenerhöhungen ausgeschlossen werden sollen, gelte es, neue Konzepte zu suchen. „Für viele ist das noch ein Tabu. Andere Länder gehen viel natürlicher mit dem Thema Tod um.“
