Warnung vor KalkbergAnwohner klagen wegen starker Staubbelastung

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kölner kalkberg

Der Kalkberg in Köln.

Köln – Dürre. Große Hitze und nur wenig Regen haben den Boden austrocknen lassen. Wie auf den Feldern, so auch auf dem Kalkberg. In den vergangenen Wochen hat es mächtig gestaubt bei den Arbeiten auf der Altlastenhalde. Zwar hat sich dank etwas Niederschlag die Lage zurzeit etwas entspannt. Doch die nächsten regenfreien und heißen Tage sind schon wieder angekündigt. Eine Prognose, die die Anwohner des Kalkbergs beunruhigt. Öffnen sie ihre Fenster, setzt sich der Staub auf den Möbeln ab. Ein Staub, vor dem Gutachter gewarnt haben. Nun hat eine Anwohnerin bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Gesundheitsgefährdung erstattet.

Alles, was über und zu viel war, hat die Leitung der ehemaligen Chemiefabrik Kalk in ihre Halde schütten lassen. Heute hat sich das zu einem Berg aus mehr oder minder abgebundenen Kalkschlämmen, Altölen und anderen Altlasten aufgehäuft. Der Boden ist durchzogen davon. Der Gutachter Professor Dr. Lutz Heinrich Benner, der den Kalkberg im Auftrag der Stadt analysiert hatte, warnte vor diesem Erdreich.

Werde es vom Wind in die benachbarte Wohnbebauung geweht, gelangten so die Schadstoffe zu den Menschen. So ist es sinngemäß in seinen Gutachten nachzulesen. Ein Arbeiter, der die Sanierung des Kalkberges von Anfang an begleitet hat, sagt dazu: „Deshalb wurde es unter Benner auch vermieden, in den Berg einzuschneiden. Das war oberstes Gebot. Wir haben immer nur Erde draufgeschmissen.“

Doch die Stadt überwarf sich mit Benner. Andere sind nun für die Sanierung der vollkommen falsch angelegten Halde zuständig. Und nun wird mächtig Erdreich auf der Halde bewegt. Es staubt. Die Stadt sagt: „Eine Befeuchtung der Oberflächen wird arbeitsspezifisch und anlassbezogen durchgeführt. Die örtliche Bauüberwachung koordiniert diese Maßnahmen. Vor dem Hintergrund der langanhaltenden Trockenheit werden wir diese Staubbekämpfungsmaßnahmen intensivieren“, so ein Sprecher. Zudem würden der Bodenabtrag und die Verwehungen regelmäßig von Experten untersucht. Bisher seien keine Grenzwerte überschritten worden.

An der fachgerechten Befeuchtung hat Boris Sieverts von der Interessengemeinschaft (IG) Kalkberg Zweifel. „Im Grunde staubt es schon seit Jahren, seit im Kahlschlag alle Bäume und Sträucher am Berg entfernt wurden.“

Bewässerung sei immer von der Stadt angekündigt worden. „Doch das war eine Lachnummer“, so Sieverts. Meistens habe es gar keine Befeuchtung gegeben.

Als die Anwohner das eingefordert hatten, habe es zumindest eine Befeuchtung direkt an der Stelle gegeben, an der mit Baggern gearbeitet wurde. Weiterhin ist unklar, wie es mit dem Kalkberg nach einer Sanierung weiter gehen soll. Die Rettungshubschrauberstation auf der Kuppe ist zu 85 Prozent fertiggestellt. Stadtdirektor Stephan Keller lässt Alternativstandorte überprüfen. „Das Verfahren läuft und ist noch nicht abgeschlossen“, sagt er auf Nachfrage der Rundschau.

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