Abo

Hitzeschutz in KölnWarum die Stadt jetzt rund 30 Kitas mit Klimaanlagen ausstatten will

3 min
Klimageräte stehen auf einem Dach.

Klimageräte stehen auf einem Dach.

In Kindertagesstätten will die Stadt Köln nun verstärkt Klimaanlagen einbauen – Schulen gehen dagegen leer aus.

Nach der wochenlangen Hitzewelle vor den Sommerferien will die Stadt Köln rasch für bessere Bedingungen in Kindertagesstätten sorgen. Oberbürgermeister Torsten Burmester (63, SPD) hatte gegenüber unserer Redaktion betont: „In den Räumlichkeiten von Kitas müssen auch bei starker Hitze Temperaturen herrschen, bei denen sich dort Kinder und Mitarbeitende aufhalten können. Entsprechend arbeitet die Verwaltung mit Hochdruck daran, die am stärksten belasteten Standorte noch in diesem Jahr mit Klimaanlagen auszustatten.“

Maßgebliches Kriterium dafür, welche Kölner Kitas zuerst Klimaanlagen erhalten sollen, ist nach Angaben einer Stadtsprecherin die zuvor dokumentierte Hitzebelastung in den jeweiligen Kitas und in den jeweiligen Räumen. „In den Jahren 2024 sowie 2025 wurden dafür in allen städtischen Kindertageseinrichtungen die Temperaturen in den Gruppenräumen, Mehrzweckräumen sowie Büros und auch Küchen gemessen.“

Voraussichtlich werde es bei rund 30 der 210 städtischen Kindertagesstätten nicht möglich sein, den steigenden Temperaturen mit passiven Wärmeschutzmaßnahmen wie Dämmung, außenliegender Beschattung und Ähnlichem zu begegnen. „In diesen Einrichtungen werden die Möglichkeiten einer Klimatisierung geprüft“, erklärte die Sprecherin. „Aktuell wird eine Priorisierungsliste der am stärksten betroffenen Kitas erstellt. Es wurden die Kitas ausgewählt, in denen die höchsten Temperaturen im Zeitraum der Temperaturdokumentation gemessen wurden.“ In der Regel würden in den Kitas sowohl Kleinkinder unter drei Jahren als auch Ü3-Kinder betreut.

Ausnahme von Energieleitlinien soll Kita-Kinder schützen

Wie berichtet, lehnt die Stadt Köln aus Klimaschutzgründen den Einbau von Klimaanlagen in Schulen sogar bei Neubauten ab. Der Grund dafür sind die 2021 von Grünen und CDU beschlossenen Energieleitlinien der Stadt. Nach Angaben der Stadt sollen klassische Klimaanlagen in städtischen Gebäuden möglichst nicht zum Einsatz kommen, weil sie CO2-Emissionen und Kosten für Anschaffung und Betrieb verursachen, die Stromnetze belasten und Wärme an das Umfeld des Gebäudes abgeben. Hintergrund der restriktiven Vorgaben ist der im Juli 2019 vom Stadtrat ausgerufene Klimanotstand.

Dass die Stadt für Kitas nun Ausnahmen machen will, geht auf eine Entscheidung des Rates aus dem Jahr 2021 zurück. Bei der Verabschiedung der Energieleitlinien, die seitdem verbindlich bei allen städtischen Neubau- und Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden müssen, hatten die Ratsgremien seinerzeit beschlossen, Kitakinder als vulnerable Gruppe besonders zu schützen. Die damalige Chefin der Gebäudewirtschaft, Petra Rinnenburger, hatte dazu laut Protokoll erklärt, „die Kühlung von Kitas gehe auf einen Antrag der Kollegen aus diesem Bereich zurück, da eine Unzumutbarkeit für die Kinder ausgemacht worden sei“.

Kleinkinder vertragen hohe Temperaturen schlechter

Auf Nachfrage erläutert die Stadtsprecherin: „Kleinkinder vertragen hohe Temperaturen grundsätzlich schlechter, weil ihr Körper die Temperatur noch nicht so gut regulieren kann. Sie schwitzen weniger effektiv und geben dadurch überschüssige Wärme langsamer ab.“ Außerdem sei ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht größer, wodurch sie schneller Wärme aufnehmen. Darüber hinaus könnten Kleinkinder „ihren Flüssigkeitsbedarf oft noch nicht selbst erkennen oder mitteilen und sind deshalb anfälliger für Austrocknung. Kinder und insbesondere Kleinkinder gehören daher zur vulnerablen Gruppe.“

Eine flächendeckende Ausstattung aller städtischen Kitas sei jedoch nicht beabsichtigt, betonte die Stadtsprecherin. Die Innentemperaturen in den Einrichtungen würden von vielen Faktoren abhängen, wie Gebäudesubstanz, Ausrichtung des Gebäudes, Baumbeschattung der Gebäude und mehr. „Passiver Wärmeschutz ist aktiver Kühlung vorzuziehen.“ Beispielhaft sei die Kita Dellbrücker Mauspfad, die als Passivhaus errichtet wurde. „Hier ist auch perspektivisch keine Klimatisierung erforderlich.“

Ob es tatsächlich gelingen wird, noch in diesem Jahr Klimaeinlagen in den am schlimmsten von Hitze betroffenen Kitas einzubauen, ist jedoch unklar. Denn möglicherweise können einige Projekte nicht direkt vergeben werden, sondern müssen erst ausgeschrieben werden. Außerdem befinden sich rund drei Viertel der Gebäude, in denen die Stadt Kitas betreibt, nicht im städtischen Eigentum. Daher müsse man erst die Genehmigungen der Eigentümer einholen und könne Einbauten nur nach Zustimmung und in enger Abstimmung mit den Vermietern vornehmen.