Die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe sorgen mit einem speziellen System dafür, dass es wenig riecht.
Steb erklärenWarum es in Köln selbst bei Trockenheit und Hitze nur selten nach Kanal stinkt

Gully an der Aachener Straße: In Köln riecht es nur gelegentlich aus den Abwasser-Kanälen.
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Gerade im Sommer ist es in früheren Jahren auch in Köln gelegentlich zu unangenehmer Geruchsbildung gekommen: Wenn es über längere Zeit nicht geregnet hatte, stank es immer mal wieder aus dem Kanalnetz. Denn durch das fehlende Regenwasser bewegt sich in der Kölner Schwemmkanalisation nicht viel, die Fäkalstoffe brauchen länger, um zum Klärwerk zu gelangen. Auch in den sozialen Medien melden sich aktuell Kölnerinnen und Kölner, die auf das Problem hinweisen und „müffelnde“ Veedel oder Straßenzüge nennen.
Ein größeres Geruchsproblem scheint aber trotz der besonderen Wetterlage nicht zu bestehen. Denn seit einigen Jahren gibt es weniger Beschwerden über Gestank aus Gullys, bestätigen die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe (Steb). Schritt für Schritt wurde das System verbessert, um üblen Gerüchen entgegenzuwirken. Vom 1. Januar bis zum 28. Juli 2026 gab es im gesamten Stadtgebiet 35 Meldungen wegen Geruchsbelästigung, so Steb-Sprecherin Birgit Konopatzki. In den letzten Wochen dieses Zeitraums regnete es so gut wie gar nicht in Köln. Im Juli war es sogar so trocken wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Im selben Zeitraum des Vorjahres (2025) lagen 31 Meldungen vor, im Jahr 2024 waren es 38 Meldungen. „Die Zahlen bewegen sich somit auf einem dauerhaft niedrigen Niveau“, so die Steb. Hinzu komme, dass es sich nur bei einem Teil der Beschwerden tatsächlich um Kanalgeruch gehandelt habe. Durch „gezielte operative Maßnahmen“ wie beispielsweise eine Kanalreinigung konnte dies schnell beseitigt werden.
So entsteht der Geruch im Kölner Kanal
Frisches Abwasser stinkt zunächst einmal nicht. Wenn es genug Sauerstoff bekommt, riecht man es unter normalen Umständen auf der Straße nicht, der Geruch ist nur in Ausnahmesituationen wahrnehmbar.
Geruch entsteht dann, wenn sich organisches Material im Kanal ablagert. Bei länger andauernden trockenen und heißen Perioden kommen mehrere Effekte zusammen. Bei wenig Wasser im Kanal ist die Fließgeschwindigkeit geringer, die Ablagerungen verstärken sich. Zudem zersetzt sich bei hohen Temperaturen dieses Material schneller als bei Kälte. Dabei entsteht Schwefelwasserstoff (H2S), der Hauptverursacher für den „faule Eier“-Geruch. Durch die Hitze verdunstet zudem das Wasser in den Geruchsverschlüssen der Straßenabläufe schneller, wodurch Kanalluft nach oben steigen kann.
Normalerweise würde es in Köln also derzeit massiv und flächendeckend stinken, da es seit Wochen nicht nennenswert geregnet hat. Denn rund 94 Prozent des Netzes sind eine Mischkanalisation, das heißt, Schmutz- und Regenwasser werden hier gemeinsam abgeleitet. Fehlt das Regenwasser, macht sich dies bemerkbar.
Das Kölner Kanalnetz erstreckt sich laut Steb über rund 2.400 Kilometer. Das Abwasser wird in den Kläranlagen Rodenkirchen, Weiden, Langel, Wahn und Stammheim gereinigt. In der Hauptanlage in Stammheim werden 84 % des gesamten städtischen Abwassers gereinigt. Die Abfälle aus Raderthal oder Porz benötigen bis zu einem halben Tag, um durch die Kanalisation dorthin zu gelangen.
Köln Mess- und Dosiersystem der Steb funktioniert
Seit mehr als zehn Jahren setzen die Steb auf ein automatisiertes System zur Messung von Schwefelwasserstoff (H2S). An strategischen Knotenpunkten und Druckleitungen messen Sonden rund um die Uhr automatisch die H2S-Konzentration in der Kanalluft sowie die Durchflussmengen und Abwassertemperaturen. Werden bestimmte Schwellenwerte erreicht, schalten sich Dosieranlagen laut Steb-Sprecherin Konopatzki automatisch zu.
Diese speisen einen umweltverträglichen Hilfsstoff in das Abwasser ein (Nutriox-Verfahren). In Köln handelt es sich um eine Calciumnitratlösung. Das Nitrat entzieht den anaeroben (sauerstofflosen) Bakterien die Lebensgrundlage, die ansonsten Sulfide und H₂S produzieren. So wird die Geruchsentstehung direkt im Abwasser gestoppt. Das System werde zudem „kontinuierlich optimiert“, beispielsweise bei der Sensortechnik, so die Steb. Besonders in Rodenkirchen und im linksrheinischen Netz habe sich diese Methode bewährt.
Das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) erklärt: Wichtig bei diesem Verfahren ist eine genaue Messung und Dosierung des Calciumnitrats – nicht nach dem Motto „viel hilft viel“. Eine Überdosierung kann den Nitratgehalt im Wasser erhöhen. Dieses müsste dann in den Kläranlagen wieder entfernt werden. Außerdem dürften die Kanäle keine baulichen Schäden aufweisen und es müsse ein ausreichend großer Abstand der Dosierstelle zum Zulauf zur Kläranlage gegeben sein.
Die Steb räumen ein: Sollten sich Kölnerinnen und Kölner trotz dieser Maßnahmen doch einmal über Gestank beschweren, so würden die betroffenen Abschnitte durchgespült, ausgetrocknete Geruchsverschlüsse aufgefüllt oder Biofilter unter den Kanaldeckeln ausgetauscht. So könne man in der Regel schnell Abhilfe schaffen.
