Mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht der Kölner Schatzsucher über die Herausforderungen, aber auch die Gefahren der Rhein-Suche.
Zwischen Müll und SensationWas der „German Treasure Hunter“ wirklich im trockenen Rhein in Köln findet

Schatzsucher Carsten Konze am trockenen Rheinufer in Köln gegenüber der Bastei.
Copyright: Carsten Konze
Eine Silbermünze, blank geschrubbt vom Rheinwasser, liegt in der Handfläche von Carsten Konze und glänzt fast wie am Tag ihrer Prägung – 1902. Für den Kölner, der unter dem Namen „German Treasure Hunter“ auf YouTube unterwegs ist, ist es der Fund der vergangenen Tage. Doch bis er sie in der Hand hielt, lagen mehr als dreißig Stück Angelblei, Dosenlaschen und jede Menge Schrott dazwischen.
Es war nicht sein erster Einsatz dieser Art. Konze hatte bereits im Vorfeld mit seinem Metalldetektor am Rhein bei Niedrigwasser für Aufsehen gesorgt, als er dort mehrere ungewöhnliche Funde machte. Für einen Nachdreh zu diesem Einsatz hat er sich noch einmal mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ unterhalten – und erzählt, wie aufwendig die Suche tatsächlich ist und was ihm dabei sonst schon vor die Sonde gekommen ist.
„German Treasure Hunter“ über seinen Highlight-Fund im Rhein
Fünf bis sechs Tage war Konze für den ursprünglichen Einsatz am Rhein unterwegs, abgeschlossen ist er aber noch nicht. „Mit dem Niedrigwasser bin ich deswegen aber noch nicht fertig. Zwar steigt der Wasserpegel, aber es sind immer noch so viele Strandflächen nach wie vor frei, die sonst unter Wasser sind. Also es gibt noch viel zu tun“, sagt er. Erst am vergangenen Wochenende war er noch einmal zwei Tage am Ufer unterwegs, obwohl der Pegel inzwischen wieder gestiegen ist.
Sein Höhepunkt vom 23. August ist die Silbermünze. „Die Münze ist mein Highlight-Fund vom Sonntag. Die Silbermünze ist von 1902. Richtig toll. Die Münze ist auch noch super erhalten“, sagt der „German Treasure Hunter“. Ein Video zu den Rheinfunden soll an diesem Donnerstag auf seinem YouTube-Kanal erscheinen.

Diese historische Silbermünze hat Carsten Konze im trockenen Rhein gefunden.
Copyright: Carsten Konze
Nach eigener Aussage ist es nicht das erste Mal, dass Konze am Rhein auf ungewöhnliche Objekte stößt. In einem früheren Video zeigte er fünf weitere Fundstücke. Am meisten beeindruckt hat ihn dabei ein Ring, der nach vielen Jahren seinen Weg zurück zu seiner Besitzerin fand, sowie ein vergoldetes Freimaurer-Abzeichen, ein sogenanntes Bijou. Das Schmuckstück ging an die Loge „Ruprecht zu den fünf Rosen“ in Heidelberg. Auch aus dem Mittelalter soll es an einem Abschnitt im Rhein noch etwas zu finden geben, berichtet Konze.
Munition und Brückenreste: Die Suche an der Patton Bridge
Ein Ort, an dem Konze möglicherweise noch einmal aktiv werden will, ist die frühere Patton Bridge – eine Brücke, die es heute längst nicht mehr gibt und die kaum jemand auf dem Schirm habe, wie er sagt. Von ihr sollen noch immer Reste im Fluss liegen. „Von der Patton Bridge liegen da noch Eisenbolzen, Betonteile, also die Brücke ist gefühlt noch 30 Prozent da vorhanden, liegt eben nur im Rhein und ist nicht mehr zu sehen“, erklärt er.
Gerade an solchen historischen Stellen ist nach seiner Erfahrung besondere Vorsicht geboten. „Kann sein, dass ich da auch nochmal hingehe. Da muss man natürlich auch aufpassen, so mit Munition, da liegt durchaus auch noch ein bisschen mehr als sonst wo. Da ist im Video nur wenig von zu sehen, da muss man immer vorsichtig sein“, sagt der „German Treasure Hunter“ im Gespräch mit dieser Zeitung.
Marston Matt wohl doch nicht von der Patton Bridge in Köln
Für seine Recherche vor solchen Einsätzen nutzt er das Geoportal TIM-Online des Landes Nordrhein-Westfalen, auf dem historische Luftbilder und Karten einsehbar sind – auch alte Wege und Brücken, die heute nicht mehr existieren. Genau dort sei auch die Patton Bridge verzeichnet.
Ein zunächst als möglicher Brückenrest eingeordnetes Fundstück, eine sogenannte Marston Matt, hat sich bei genauerer Betrachtung inzwischen als deutlich jüngeres Objekt entpuppt und dürfte demnach nicht aus der Nachkriegszeit stammen.
„German Treasure Hunter“ über das größte Problem: Müll statt Schätze
Was die Arbeit am Rhein nach Konzes Worten vor allem erschwert, ist aber nicht die Munition, sondern der Müll. Allein an einem Suchtag habe er mehr als dreißig Stück Angelblei eingesammelt. „Die Schwierigkeit für Einsätze als Schatzsucher am Rhein ist vor allen anderen Dingen die Vermüllung! Angelblei zum Beispiel. Allein gestern war ich so siebeneinhalb Stunden mit der Suche am Rhein beschäftigt, da hatte ich dann bestimmt mehr als dreißig Stück Angelblei in der Tasche. Da springt der Metalldetektor immer wieder drauf an“, so Konze. Neben Angelblei findet er auch immer wieder Dosenlaschen und andere Abfälle im Ufersand.

Der „German Treasure Hunter“ hält ein altes Handy in der Hand.
Copyright: Carsten Konze
Immerhin hat die Vermüllung für Konze auch eine positive Seite: Den gefundenen Schrott entsorgt er in der Regel selbst. „Aber so tun wir Schatzsucher halt auch mal was Gutes, weil ich zum Beispiel den Schrott dann immer mitnehme und entsorge“, sagt er.
Wie gut ein Fundstück erhalten ist, hängt für ihn stark vom Material und den Lagerungsbedingungen ab. Objekte mit hohem Eisenanteil seien meist in schlechterem Zustand, während Edelmetalle sich unter Wasser besser halten – auch weil dort kein Sauerstoff an die Gegenstände komme. Die frisch gefundene Silbermünze sei dafür ein gutes Beispiel.
Zwischen hoher Erwartung und ernüchternder Realität
Wer glaubt, mit dem Metalldetektor gebe es im Handumdrehen Gold und Silber, den enttäuscht Konze. Gerade Einsteiger, die sich an Videos im Internet orientierten, unterschätzten häufig, wie viel Schrott tatsächlich zu finden sei – der werde in der Regel einfach nicht gezeigt. Neulinge erwarteten oft, nach zwei, drei Stunden Suche mit Gold und Silber wieder nach Hause zu gehen. So sei die Realität aber nicht, sagt Konze. Erst am Vortag habe er andere Suchende mit Metalldetektoren am Rheinufer getroffen, die genau mit dieser Erwartung unterwegs gewesen seien.
Auch seine eigenen Erwartungen hält er inzwischen bewusst niedrig, gerade wegen des Mülls. Häufig fänden sich vor allem Euro-Münzen, gelegentlich aber auch etwas Schöneres. Die Schatzsuche am Rhein sei, so Konze, ein hartes Stück Arbeit – zusätzlich erschwert durch die Strömung, die je nach Suchstelle mitbedacht werden müsse.
