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Zum ersten Mal bei den Schull- un VeedelszöchHöhenberger Schülerin wundert sich: „Was ist Schunkeln?“

4 min
Viele Kinder in einem Klassenzimmer basteln.

Vorbereitungen für die Schull- und Veedelszöch an der Katharina-Henoth-Gesamtschule. 

Zum ersten Mal ist die Katharina-Henoth-Gesamtschule bei den Schull- un Veedelszöch dabei. Karneval ist absolutes Neuland für manchen dort.

„Was ist Schunkeln?“, fragt ein Mädchen ratlos. Lehrerin Sarah Wiedemann erklärt. Nicht nur das, sondern alles, was die rund 100 Schülerinnen und Schüler, die Sonntag mitgehen, wissen müssen. Und das ist eine Menge. „Oberste Regel: Niemand verlässt die Zugstrecke alleine!“, sagt die Lehrerin streng. Gutes Schuhwerk und warme Kleidung sind wichtig. Bei allen Fragen wenden sie sich an die Ordner, die sie an einem orangen oder roten Käppi erkennen, Nachschub für Kamelle gibt es gegen bunte Bändchen ...

„Und was mache ich mit den übriggebliebenen Kamellen?“, will ein Junge wissen. „Du wirst nichts übrig haben“, ist sich Sarah Wiedemann sicher. Die Lehrerin kann keine Frage erschüttern. Sie ist eine kölsche Jecke von Geburt an. Und genau deshalb war es ihr so wichtig, den Karneval an die Gesamtschule in Höhenberg zu bringen.

Eine junge Frau mit blonden langen Haaren.

Lehrerin Sarah Wiedemann bei den Vorbereitungen für die Schull- und Veedelszöch an der Katharina-Henoth-Gesamtschule.

„Viele Schülerinnen und Schüler hier haben überhaupt keine Vorstellung vom Karneval. Bisher ist der an ihnen vorbeigegangen. Karneval ist für die Eltern ein Fremdwort“, hat die Lehrerin für Sozialwissenschaft und Deutsch festgestellt. Und in diesem Jahr erstmals für die Sechstklässler eine Brauchtums-AG mit dem Schwerpunkt Karneval gegründet. Die wichtigsten kölschen Karnevalslieder haben die Kinder dort gelernt und sie waren bei den Roten Funken auf der Pänzsitzung. „Das ist auch eine Form der Integration“, sagt Wiedemann. Und mehr als das.

Schule in einem der ärmsten Viertel

Die Katharina-Henoth-Gesamtschule ist eine Schule im Brennpunkt. Der Sozialindex, der feststellt, dass besonders viele benachteiligte Kinder auf eine Schule gehen, hat hier mit 9 die höchste Stufe. Über 40 Prozent der Kinder leben in Höhenberg in einer Familie, die Sozialleistungen bezieht. Das Viertel gehört zu den ärmsten in Köln. Über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Wiedemanns Gesamtschule haben einen Migrationshintergrund. „Bei den meisten ist die Muttersprache nicht Deutsch“, sagt Wiedemann, „Die Kinder hier bewegen sich selten aus dem Viertel heraus und erst recht nicht auf die andere Rheinseite.“

Zehra, Atakan, Axel und Lukas, alle in Stufe 13, bestätigen das. „Party am Wochenende? Das machen eher die Kinder von der anderen Rheinseite“, sagt Lukas. Die Jungs gehen als Helfer mit im Zug. „Für mich ist der Zug eine Erfahrung, die ich sammeln kann. Ich freue mich sehr darauf“, sagt Axel. Er zeigt gerade seinem Mitschüler, wie der einen roten Filzpunkt auf den blauen Regenmantel nähen kann. „Ich wollte mal Spaß haben. Ich habe sonst immer zugeguckt“, sagt die 13-jährige Ela, die ein Kopftuch trägt. Sie ist schon fertig mit ihrem Clownskostüm. „Ich habe sechs Punkte drauf genäht. Sieht ein bisschen ballaballa aus“, lacht Ela.

Sponsoren haben unterstützt

„Ich habe es hinbekommen, dass alle kostenlos mitmachen können. Die Kinder könnten sich das nicht leisten. Das ist sicherlich anders als in einer gutsituierten Schule in der Innenstadt“, freut sich Sarah Wiedemann. Wurfmaterial und Kostüme wurden über Sponsoren finanziert. Zwei Elternteile sind am Sonntag dabei. Das ist noch nicht viel. Deshalb unterstützt die Familie der Lehrerin nach Kräften und ist dabei, wenn die Klassenclowngruppe mit der Zugnummer 23 ihren ersten Einsatz bei den Schull- und Veedelszöch hat. 

Das Motto dabei ist durchaus ernst. „Mir wulle nit länger nur Klasseclowns sin, in en eijene Aula jehure mir hin“, fordern die Schülerinnen und Schüler aus Höhenberg. „Es führt bei uns zu riesigen Komplikationen, dass wir keine Aula haben“, sagt Wiedemann. So müssten die Abiturienten extra einen Raum anmieten, um eine schönere Zeugnisausgabe zu haben. Die Kinder feiern also nicht nur, sie fordern auch selbstbewusst etwas ein - drüben auf der anderen Rheinseite und live in der Fernsehübertragung.

Aber erst einmal haben sie auch ordentlich Respekt vor dem Unbekannten am Sonntag. „Ich bin eigentlich noch nie so weit gelaufen“, sinniert Ela. Und Wagenengel Lukas überlegt: „Ich merke schon, dass ich Verantwortung habe. Aber es wird schon gutgehen.“ Sarah Wiedemann ist da vollkommen zuversichtlich. „Wir werden alle identisch aussehen. Es wird ganz wunderschön“, erklärt sie den Schülerinnen und Schülern. Jetzt müssen sie nur noch früh aufstehen am Sonntag. „Wir treffen uns hier um 8, werden frühstücken, uns schminken und dann mit dem Bus in die Innenstadt gebracht“, weist Wiedemann an. Und nach Sonntag werden wohl wesentlich mehr Kinder wissen, was Schunkeln ist - und ihre Eltern auch. Das hofft die kölsche Lehrerin: „Ich glaube, die Eltern werden sich den Zug angucken wollen.“