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Vergessen und verrottetWas mit den vielen Schrotträdern in Köln passiert

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Zwei platte Reifen und ein gebrochener Rahmen sind ein guter Hinweis darauf, dass das Fahrrad lange nicht genutzt wurde. 

Köln – Ein paar kurze Blicke und keine drei Sekunden reichen, dann wissen Johannes Lobenstein und seine Kollegin Katharina Berg Bescheid. „Das ist Schrott. Das holt keiner mehr ab“, sagt der Mitarbeiter des Ordnungsdienstes. Den Reifen des weißen Holland-Rads am Spielplatz der Ehrenfelder Glasstraße ist die Luft entwichen, ein Pedal fehlt und einen Sattel gibt es ebenfalls nicht mehr. Die verrostete Kette, lose Schrauben und Wildwuchs in den Speichen dokumentieren die jüngste Geschichte des Zweirads. Ganz offensichtlich ist es seit Monaten, vielleicht seit Jahren, nicht mehr über die Straßen gerollt. Die beiden Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) übernehmen und werfen die Überreste auf die Ladefläche ihres Transporters.

Elf Dienstgruppen sind in Köln im Einsatz

Schrotträder zu identifizieren und ihre Entsorgung durch die AWB zu veranlassen – das ist eine der vielen Aufgaben des Ordnungsdienstes. Die Dienstgruppe von Johannes Lobenstein umfasst für den Bezirk Ehrenfeld 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zehn weitere Dienstgruppen teilen sich den Rest der Stadt auf. Etwa alle vier Wochen zieht das Team gemeinsam mit den AWB auf der Suche nach Schrotträdern durch die Straßen.

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Johannes Lobenstein und Katharina Berg vom Ordnungsdienst identifizieren die Schrotträder.

Die Erkenntnis der vergangenen Jahre: Mit dem Trend zum Zweirad, steigt auch die Zahl der Schrotträder. 2017 ermittelte der Ordnungsdienst noch 3810 Schrotträder, 2021 waren es 6535 – ein Plus von über 40 Prozent. In der Innenstadt sind es am meisten, gefolgt von Lindenthal und Ehrenfeld. „Es ist wichtig, dass die Schrotträder aus dem öffentlichen Straßenland entfernt werden. Denn auch für Fahrräder haben wir ein Stellplatzproblem“, sagt Lobenstein. Dazu kommt: Schrotträder tragen nicht gerade zu einem attraktiven Stadtbild bei. „Viele Menschen sind uns dankbar, dass wir die Räder entfernen“, erzählt Katharina Berg. „Etwa, wenn wir dadurch Stellplätze für Anwohner oder Flächen vor Gastronomien oder anderen Läden wieder freiräumen.“

Fahrrad-Expertise ist hier von Vorteil

Lobenstein ist sowas wie der Zweirad-Experte beim Ordnungsdienst. Nach seinem Fachabitur, einer Ausbildung zum Fahrradmonteur und einer Weiterbildung zum Fahrrad-Mechaniker, arbeitete er vier Jahre in der Werkstatt. Später wechselte er in den Verkauf einen Fahrradgeschäfts und war dort neun Jahre lang von Fahrrädern und E-Bikes umgeben. „Dann habe ich etwas Neues gesucht und den Quereinstieg bei der Stadt gemacht“, erzählt Lobenstein. Im Ordnungsdienst kann er seine Fahrrad-Expertise nun wieder einbringen. „Aufgrund meiner Vorgeschichte fällt mir die Bewertung relativ leicht, ob ein Fahrrad Schrott ist oder nicht.“

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Die AWB nehmen die Schrotträder am Ende mit.

Direkt mitnehmen, können der Ordnungsdienst und die AWB die Räder allerdings nicht. Zumindest nicht immer. Wenn bei einem Fahrrad etwa nur die Kette und der Rahmen verrostet ist und die Pedale defekt sind, dann gibt es noch Hoffnung. Das Objekt bekommt dann einen gelben Aufkleber. Hängt dieser bei einer Nachkontrolle nach vier Wochen immer noch, und die Mängel wurden nicht behoben, nimmt die AWB das Rad mit. Wenn mindestens fünf Eigenschaften erfüllt sind – defektes oder fehlendes Rad, Rahmen, Sattel oder Lenker – bekommt das Rad einen blauen Aufkleber. Der bedeutet: Das Rad kann sofort weg.

Räder melden

Nicht nur die Mitarbeiter des Ordnungsdienst identifizieren Schrotträder – auch die Kölner Bürgerinnen und Bürger können dabei helfen.

Wem ein Schrottrad auffällt, kann es über die städtische App „Sag’s uns“ melden. Dabei kann der Standort mit weiteren Details gemeldet werden. Zusätzlich empfiehlt das Ordnungsamt, Bilder mitzuschicken, die bei Suche des genauen Standorts helfen und einen Eindruck vom Zustand vermitteln. (sim)

Für ein gelbes Herrenfahrrad auf der Körnerstraße ist die Frist bereits abgelaufen. Die Reifen sind noch immer platt, so wie Lobenstein es sich vor vier Wochen notiert hat. Für jedes bereits gesichtete Rad hat er einen sogenannten Lebenslauf dabei, auf dem alle Merkmal verzeichnet sind. Vor allem der verwitterte Gesamteindruck lässt darauf schließen: Dieses Fahrrad wird nicht mehr gebraucht. Der AWB-Kollege zückt seine Flex, die Funken sprühen. nach wenigen Sekunden ist das Bügelschloss entfernt.

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Die AWB-Mitarbeiter fahren die eingesammelten Schrotträder im Anschluss zum Wertstoffhof der AWB auf der Niehler Straße. Vier weitere Wochen lagern die Fahrräder dort noch. In dieser Zeit kann der Besitzer sich sein Gefährt mit entsprechendem Besitz-Nachweis theoretisch noch abholen. In der Praxis passiert das äußerst selten. Nach vier Wochen werden die Fahrräder entweder verschrottet oder aufbereitet. So entstehen wieder fahrtüchtige Zweiräder, die dann etwa an Hilfsbedürftige gehen.