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Weltmeisterschaft in MünchenKölner Biersommelier nimmt an WM teil

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Schauen nicht nur ins Glas: Seit Monaten bereitet sich Jörn Schneider (r.) mit anderen Sommeliers auf die WM vor.

Köln – Eine Stunde lang kochte Jörn Schneider Hopfen, Hefe, Malz und Wasser in einem 20 Liter fassenden Glühweintopf in seiner Ehrenfelder Wohnung. Danach lagerte er das Produkt sieben Tage lang in einem Gäreimer. „Man konnte es trinken. Hätte ich es benoten müssen, wäre eine Drei minus angemessen gewesen“, erinnert sich der 38-jährige Lehrer für Ernährungslehre und Chemie an sein erstes Bier als Hobbybrauer vor sechs Jahren.

Der Kölner ist einer von vier Biersommeliers aus dem Rheinland, die am 17. November zur Weltmeisterschaft nach München fahren und nun ihre Vorbereitung im „Craft-Corner“ gegenüber dem Gürzenich vorstellten. Die erste Weltmeisterschaft fand 2009 in Sonthofen in Bayern statt. Zum Wettbewerb in diesem Jahr reisen 60 Sommeliers aus verschiedenen Nationen an – darunter Brasilien und Korea.

Fans der Craft-Beer-Bewegung

Weitere Mitglieder des rheinischen Quartetts sind Stephan Hilbrandt (Bonn), Markus Fohr (Lahnstein) und Markus Weick (Brühl). Wie seine Mitbewerber ist Schneider Fan der kultigen Craft-Beer-Bewegung. Craft-Beer („Handwerksbier“) hat seine Wurzeln in den 1980er Jahren in den USA. Übergeordnetes Ziel der Craft-Beer-Brauer ist die Rückbesinnung auf kreatives Handwerk und geschmackliche Vielfalt. Die Bandbreite der Aromen ist beeindruckend: Von sauer bis honig-süß, rauchig wie Schinken oder trocken wie Champagner.

Ideenreichtum, Experimentierfreudigkeit und außergewöhnliche Geschmacksrichtungen der neuen Bierbewegung motivierten den Kölner vor zwei Jahren, sich zum Biersommelier ausbilden zu lassen. „Mit Craft-Beer kann man abseits der alten Wege eine neue Vielfalt schaffen“, sagt der Kölner. Bei seinen Craft-Bieren bevorzugt der diplomierte Sommelier fruchtige Geschmacksrichtungen wie Rhabarber- und Kürbisbier.

Aber auch Klassiker wie Kölsch und Alt stehen auf der seiner Brauliste. „Kölsch trinke ich gerne mit Freunden an der Theke, aber am besten schmeckt mir Alt. Das hat so eine malzige, leicht röstige Note“, gibt der kölsche Hobbybrauer zu. Seit Monaten bereitet sich das Quartett in der Craft-Corner auf die WM vor. Immer mittwochs werden in einer Blindverkostung sechs Biere dem entsprechenden Stil zugeordnet. Bei der WM müssen in drei Vorrunden unter anderem zehn Bierstile und Fehlaromen erkannt werden. Im Finale werden die Kandidaten aufgefordert, vor Jury und Publikum spontan ein ihnen unbekanntes Bier zu beschreiben.