Seit zehn Tagen verkauft Früh den Halve Hahn mit Brot statt Röggelchen - und macht eine überraschende Entdeckung.
Aufregung um den Halve HahnWie beliebt ist der Kölner Klassiker im Brauhaus wirklich?

Ein klassisches Brauhausgericht: Der Halve Hahn im Gaffel am Dom. Ein klassischer Halve Hahn besteht aus einem Roggenbrötchen (Röggelchen), einer dicken Scheibe mittelaltem Gouda, Butter, Senf und häufig Zwiebeln sowie einer Gewürzgurke.
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Dass die Früh-Brauerei in ihren Brauhäusern den Halve Hahn seit 26. Oktober mit Brot statt Röggelchen serviert, hat in den vergangenen Tagen in Köln zu lebhaften Diskussionen geführt. Wenn es um das kölsche Grundgesetz und die dazugehörige Brauhauskultur geht, versteht der Kölner keinen Spaß. Doch wie viel Tradition steckt im Alltag tatsächlich noch auf den Tellern? Ist der Halve Hahn ein Dauerbrenner oder eher ein nostalgisches Auslaufmodell? Und hat die jüngste Debatte gar für einen Bestell-Boom gesorgt?
Von „Top 10“ bis „nur 4 Stück am Tag“
Die Rückmeldungen aus den Kölner Brauhäusern zeigen ein vielseitiges Bild: Während die emotionale Bindung der Kölner an das Röggelchen riesig ist, gehen die Bestellzahlen je nach Brauhaus deutlich auseinander. Bei Früh begründet man die Umstellung auf das Brauhausbrot auch mit einem schleichenden Nachfragerückgang in den vergangenen Jahren. „Der Halve Hahn gehört seit jeher zu unseren Traditionen, wurde im Vergleich zu anderen Speisen aber eher selten bestellt“, erklärt Sprecherin Sophie Longerich. Im Früh-Traditionslokal „Em Golde Kappes“ in Nippes seien zuletzt durchschnittlich gerade einmal vier Halve Hahn pro Tag über die Theke gegangen. Die große emotionale Debatte habe sich in den tatsächlichen Absatzzahlen schlicht nicht widergespiegelt.
Völlig konträr ist die Lage am Rudolfplatz. Reissdorf am Hahnentor bezeichnet den Halven Hahn als absoluten Renner: „Er ist eines der Top-10-Produkte auf unserer Karte“, sagt Gastgeber Martin Schlüter. Und das keineswegs nur bei älteren Stammgästen: Der Klassiker sei „absolut generationsübergreifend“ beliebt. Ein Verzicht auf das Röggelchen käme für Schlüter niemals infrage: „Die Röggelchen gibt es bei uns auch als Beilage zu anderen Gerichten. Das dürften wir niemals ändern! Als wir vor ein paar Jahren den Preis um 20 Cent anheben mussten, gab es mehr Empörung als bei einer Kölsch-Preiserhöhung“, betont er.
Preisvergleich
Dabei ist der Halve-Hahn-Preis bei Reissdorf am Hahnentor mit 6,80 Euro pro Portion noch vergleichsweise günstig. Die meisten Kölner Brauhäuser nehmen 7,90 Euro, darunter Gaffel am Dom, das Sion-Brauhaus, die Brauerei zur Malzmühle und Früh am Dom. Bei Peters Brauhaus und bei Gilden im Zims kostet das Kölner Traditionsgericht stolze 8,50 Euro, am günstigsten kommt man in der Schreckenskammer weg (6,50 Euro).

Das Brauhaus Früh „Em Golde Kappes“ in Nippes. Hier wurde ein Leser auf die Änderung aufmerksam.
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Doch wie hat sich die Debatte der letzten Tage konkret auf die Kölner Brauhäuser ausgewirkt? Im Brauhaus Sion in der Altstadt spürt man kaum Veränderungen im Bestellverhalten. Geschäftsführer René Sion berichtet von lediglich zwei Anrufen und zwei Gästen im Restaurant, die nachgefragt hätten, ob der Halve Hahn weiterhin traditionell serviert werde. „Eine Tendenz, dass er häufiger bestellt wird, zeigt unsere Auswertung bislang nicht.“
Auch in der Brauerei zur Malzmühle am Heumarkt bleibt die Lage ruhig. Der Halve Hahn erfreue sich „seit jeher großer Beliebtheit“, so Geschäftsführerin Melanie Schwartz. „Ein außergewöhnlicher Anstieg der Bestellungen war in den vergangenen Tagen allerdings nicht festzustellen.“
Trotz Röggelchen-Ersatz: Früh verkauft mehr Halve Hahn
Ausgerechnet im Hause Früh führte der Wirbel um die Röggelchen zu einem unerwarteten Effekt. „Interessanterweise beobachten wir seit der Umstellung auf unser neues Brauhausbrot aktuell eine gestiegene Nachfrage nach dem Halven Hahn“, erklärt Longerich. Viele Gäste seien neugierig geworden und wollten das neue Brot selbst probieren. Zu der Umstellung sagte sie: „Natürlich wissen wir, dass Geschmäcker verschieden sind und wir mit einer solchen Veränderung nicht jeden begeistern können.“
Fest steht: Der Halve Hahn ist weit mehr als nur eine Mahlzeit – er ist ein Kölner Kulturgut. Auch wenn er nicht in jedem Brauhaus zu den absoluten Verkaufs-Schlagern gehört, ist die emotionale Bindung der Kölner an die Kombination aus Gouda, Senf und Röggelchen unerschütterlich. Während Früh mit seinem neuen Brauhausbrot auf Ablehnung wie auf Neugier stößt, halten Häuser wie Sion, Malzmühle und Reissdorf an der Tradition fest.
Was in der Diskussion bisher kaum beachtet wurde und manchen Kölner überraschen könnte: Ausgerechnet in Düsseldorf sind Variationen des Halven Hahns ebenfalls ein beliebtes Brauhaus-Gericht. Sie werden dort gerne mit Röggelchen zum Altbier serviert. Im Brauhaus Schumacher kostet der „Halwe Hahn – Bauernhandkäse eingelegt in Schumacher Alt neben Kümmel, Röggelchen und Butter“ laut Speisekarte 7,60 Euro, während für ein „halbes Röggelchen mit pikantem Goudakäse“ 3,80 Euro verlangt werden. In der Hausbrauerei „Zum Schlüssel“ kostet ein Gouda-Röggelchen 5,90 Euro.
