Die fünfte und finale Staffel der Erfolgsserie ist am 10. September erschienen. Wir haben mit einer Szenenbild-Absolventin der Ifs Köln gesprochen, die bei der Setrequisite war.
Karnevalsszenen am EigelsteinWie eine Kölnerin am Set von „Babylon Berlin“ den Überblick behielt

Zoe Krappen ist Szenenbild-Absolventin der ifs Köln und war bei den NRW-Drehs von „Babylon Berlin“ als Setrequisiteurin tätig.
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Auf der Laderampe eines Dreieinhalbtonners am Eigelstein steht Zoe Krappen und muss Schirmchen, Fächer, Hüte und andere Requisiten an die Komparsen ausgeben. Sie weiß genau, was den Lkw verlässt, hat den Überblick, und muss dafür sorgen, dass am Ende des Tages alles wieder am selben Platz landet. „Da braucht man ein gutes System, denn natürlich bleibt auch gerne mal irgendwo etwas liegen“, sagt die Film-Absolventin mit Schwerpunkt Szenenbild der Internationalen Filmschule Köln (ifs) bei einem Treffen im Studio auf dem Carlswerk-Gelände in Mülheim.
Krappen erzählt von der Arbeit als Setrequisiten-Assistentin im vergangenen Jahr bei den NRW-Drehblöcken der gerade gestarteten finalen Staffel von „Babylon Berlin“. Sie war mit dafür verantwortlich, dass Hunderte Komparsen ihre Requisiten zur richtigen Zeit bei sich hatten und dass die Gegenstände in den verschiedenen Bildern konsequent verwendet wurden.
„Am Eigelstein haben wir Karnevalsszenen gedreht. Wir haben auch Szenen am Krefelder Bahnhof gedreht und im Schloss Drachenburg in Königswinter. Es ist total spannend, diese Orte plötzlich so verwandelt wahrzunehmen.“ Dass am Abend die Sammlung nicht gleich wieder vollständig ist, passiere schnell. „Ein paar Mal sind Sachen beim Kostüm gelandet, aber die sind alle wieder zurückgekommen“, sagt die 24-Jährige.
Babylon Berlin: Besonderer Nachtdreh im Schloss Drachenburg in Königswinter

Im April 2025 fanden am Eigelstein einige der NRW-Dreharbeiten der aktuellen und finalen Staffel von „Babylon Berlin“ statt.
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Ordnung halten, Listen führen, und Fotos, sehr viele Fotos machen, damit man später abgleichen kann: Was manche als abschreckend empfinden könnten, fällt Zoe Krappen nicht schwer. „Was ich an Setrequisite so sehr liebe, ist, dass es auch einen emotionalen oder eher psychologischen Aspekt hat, und man jeden Schauspieler neu kennen und verstehen lernen muss. Man ist am Set, wenn sie in ihrer Rolle sind, mit am nächsten dran.“
Es gebe jene, die sich nicht mit Requisiten beschäftigen, das Glas zum spätmöglichsten Zeitpunkt in die Hand gedrückt haben und direkt wieder loswerden wollen, sobald sie es nicht mehr benötigen. Dann gebe es auch diejenigen, die sagen: ‚Ich bin ein Mensch, und ich schaffe das, ein Glas in der Hand zu halten.‘ „Die wollen nicht so überbetreut werden.“

Am Eigelstein wurden Karnevalsszenen für „Babylon Berlin“ gedreht.
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Man lerne die Schauspieler gut kennen, Berührungsängste oder Ehrfurcht vor den schillernden Namen weichen dann schnell. Sie musste schon einmal Smartphones der Darsteller in der Hosentasche aufbewahren, weil die nicht wussten, wohin damit. Schauspieler Lars Eidinger zum Beispiel sei ihr als höflicher und zurückhaltender Mensch aufgefallen, der bescheiden auftritt, erzählt Krappen.
Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr der Dreh im Schloss Drachenburg in Königswinter. Dieses dient in der Serie als luxuriöser Landsitz der fiktiven Industriefamilie Nyssen. „Die Architektur ist imposant, besonders wenn alles für einen Dreh gedresst ist. Und Nachtdrehs haben sowieso immer eine ganz besondere Atmosphäre.“
Babylon Berlin: Szenenbild von ifs-Professor
Setrequisite ist für Zoe Krappen, die für das Studium an der Ifs vom Niederrhein hergezogen ist, erst der Einstieg in die Filmwelt. „Szenenbild ist die Head-of-Position im Art Departement. Das ist das, wo ich hinmöchte“, so Krappen. Derzeit arbeitet sie als Szenenbild-Assistenz in einem anderen Projekt. „Das ist noch einmal ein Schritt weiter auf dem Weg zum Szenenbild. Aber es gibt natürlich viele Wege, dorthin zu kommen.“ Dort sei sie auch mehr in der Planung involviert. Und es sei auch mehr Kreativität gefragt. Aber sich von unten hochzuarbeiten, entspricht nicht nur dem üblichen Karriereverlauf, sondern „ich möchte tatsächlich einmal jeden Job im Art Department machen, bevor ich eigenständig ein Szenenbild entwerfe, weil es hilft, das große Ganze zu verstehen.“

Szenenbild-Absolventin der ifs Köln Zoe Krappen steht auf einem LKW-Lader, wo sie am Set von „Babylon Berlin“ Requisiten ausgegeben hat.
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Dass Krappen nach Abschluss des Bachelors direkt den Job bekommen hat, verdankt sie unter anderem dem Netzwerk der Hochschule. Uli Hanisch, Professor an der Ifs, und ein renommierter Szenenbildner, gestaltete die aufwendige und detailreiche Ausstattung von „Babylon Berlin“. Auch bei der Netflix-Serie „Das Damengambit“ verantwortete er das Szenenbild. Zahlreiche weitere Alumni der Ifs sind an „Babylon Berlin“ beteiligt.
Krappen war bisher aber vor allem bei Kinofilmen tätig. An „Tribute von Panem“ und vergangenen Sommer als Requisitenassistenz im neuen Volker-Schlöndorff-Film „Die Heimsuchung“, unter anderem mit Lars Eidinger in der Hauptrolle (Kinostart im Oktober).
Unsicherheit versus reizvolle Abwechslung in der Filmbranche
Sich von Projekt zu Projekt hangeln, von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag, heute manchmal nicht wissen, ob man nächste Woche wieder einen Job hat und vor allem ständig umherreisen: Das kann auch Unsicherheit auslösen. Oder ist aber gerade der Reiz, zumal Serien und Filme nicht aussterben werden.
„Auf dem Papier ist es wahrscheinlich nicht die attraktivste Branche, weil es lange Tage sind und wenig Jobsicherheit herrscht. Das ist etwas, was man wirklich von Herzen machen und lieben muss. Ich verstehe, wenn es Ängste gibt. Aber es lohnt sich, dranzubleiben, und die Sorgen wachsen sich raus“, sagt Krappen über die Filmbranche. „Ich wüsste nicht, was ich lieber machen würde.“
Babylon Berlin, seit 10. September in der ARD-Mediathek oder im Fernsehen: Am 19. September werden die Folgen eins bis vier ausgestrahlt, am 25. September Folge vier bis acht.
Zur Ifs Köln:
Die Internationale Filmschule Köln (ifs) wurde im Jahr 2000 auf Initiative der Landesregierung und der Film- und Medienstiftung NRW als gemeinnützige GmbH gegründet. Sie bietet praxisnahe Aus- und Weiterbildungen für Medienschaffende an, darunter akkreditierte Bachelor- und Masterstudiengänge in Kooperation mit der TH Köln. Der Vollzeit-Bachelor Film dauert sieben Semester und hat sieben Schwerpunkte: Drehbuch, Editing Bild & Ton, Kamera, Kreativ Produzieren, Regie, Szenenbild sowie VFX & Animation.
Pro Schwerpunkt lernen acht bis zwölf Personen (insgesamt rund 220 Studierende). Der erste Standort der ifs war in der St. Apernstraße. Ende 2000 ging es dann bereits in die Werderstraße im Belgischen Viertel und 2015 schließlich in die Schanzenstraße. Studienstart der Bachelor- und Masterprogramme ist alle zwei Jahre im September. Nächster Start ist 2027. Die Studiengebühren belaufen sich auf 1750 Euro pro Semester. (gam)
