Köln – „Heute ist es sehr, sehr ruhig“, sagt Tugba Sönmez. Die Stationsleiterin der Jet-Tankstelle in Niehl wundert das nicht. Schließlich gibt es am Donnerstag bei ihr keinen Diesel mehr. Ausverkauft. Der Grund: Der Kundenansturm des vergangenen Tages. Bis tief in die Nacht noch drängten sich Autofahrer am Mittwoch an den Zapfsäulen um vollzutanken bevor der Wegfall des Tankrabatt zum 1. September die ohnehin hohen Spritpreise in die Höhe schnellen ließ.
„Punkt 12 Uhr ging’s um die 30 Cent nach oben“, berichtet eine Mitarbeiterin einer anderen Tankstelle hinter vorgehaltener Hand. Wie viele andere bei Franchise-Unternehmen auf dem Tankstellenmarkt darf sie der Presse keine Auskunft geben. Aber es ist ohnehin kein Geheimnis, dass die Preise für E10, Super, Super Plus und Diesel sprunghaft über Nacht angestiegen sind. „Eine erste Stichprobe des ADAC Nordrhein um 7 Uhr in Köln, Düsseldorf und Essen hat gezeigt, dass die Preise am frühen Morgen an nahezu allen Tankstellen drastisch gestiegen sind. Vielerorts wurde die Steueranpassung zunächst in vollem Maße, also um 35 Cent pro Liter bei Benzin und 17 Cent bei Diesel, auf den Preis geschlagen. Diesel kostete an manchen Tankstellen bis zu 2,26 Euro und Super E10 bis zu 2,17 Euro“, teilt Thomas Müther, Sprecher des ADAC Nordrhein auf Nachfrage mit.
Berg- und Talfahrt der Preise im Tagesverlauf
Im Tagesverlauf begeben sich die Preise in Köln dann auf eine rasante Berg- und Talfahrt. Gegen Mittag kostet laut dem Internetportal www.benzinampel.de Super an der preisgünstigsten Tankstelle in Köln 2,00 Euro. Bei der teuersten muss man 2,16 Euro berappen. Bei Diesel liegt die Preisspanne zwischen 2,04 und 2,12 Euro. E 10 kostet zwischen 1,94 und 2,10 Euro.
Den untersetzten Herrn mit dem silbernen Skoda Kodiq kümmert das wenig: „Das ist ein Dienstwagen. Ich bin beruflich ständig unterwegs und tanke halt, wenn ich muss.“ Entspannt verschließt er den Tankdeckel. „Ich habe gerade so viele andere Baustellen, dass ich echt nicht dazu gekommen bin, gestern noch zu tanken“, erklärt eine Mittfünfzigerin im luftigen Sommerkleid. Sie ist in Eile.
Preisevergleich per App
Wer sparen will, dem rät der ADAC-Fachmann Thomas Müther, eine Vergleichsapp zu nutzen. „Das lohnt sich auf jeden Fall“, sagt er.
Apps zum Preisvergleich der einzelnen Tankstellen können in der Regel kostenlos auf Smartphones geladen werden.
Beliebt sind unter anderem: ADAC-Spritpreise, mehr-tanken oder clever-tanken. Die Nutzer sehen alle Preise in einem selbst gewählten Umkreis . (dha)
Doch diese Menschen sind Ausnahmen. „Auch ich habe gestern Abend noch das Auto meiner Eltern vollgetankt“, gibt Müther zu. Eigentlich eher zu spät. Denn vom „absoluten Tiefpreis in der Hochpreisphase“ hatten sich die Spritpreise in den vergangenen zwei Wochen schon wieder kontinuierlich nach oben bewegt. „Gestern tagsüber war der Betrieb an der Tankstelle noch okay. Aber am Abend war es so, als würde es was umsonst geben. Das war wirklich extrem“, sagt Stationsleiterin Sönmez. Für sie ist der Donnerstag ohne Diesel nicht angenehm. „Manche Kunden reagieren sauer. Und der Tanklaster kommt erst um 20 Uhr“, sagt sie.
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„Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen voraussichtlich eine Mischung aus hohen und auch mal niedrigeren Preisen sehen, mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Anbietern und Schwankungen im Tagesverlauf“, sagt Müther voraus. Er rät deshalb, in den „Niedrigpreis-Zeiten“ zwischen 18 und 19 Uhr und von 20 bis 22 Uhr zu tanken.
Eine Fortsetzung des Tankrabatts fordert der ADAC angesichts der Energiekrise nicht. Er fordert, dass die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer erhöht wird und die Mineralölkonzerne kontrolliert werden.


