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Bronzefiguren aus Parks entwendetWie Metalldiebe mit Kunstwerken, Kabeln und Co. das schnelle Geld machen

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Die Bronzeplastik „Panther“ von Fritz Behn wurde vergangene Woche aus dem Südpark in Köln-Marienburg gestohlen.

Die Bronzeplastik „Panther“ von Fritz Behn wurde vergangene Woche aus dem Südpark in Köln-Marienburg gestohlen.

Metalldiebstahl ist auch im Rheinland ein großes Problem. Die Täter richten enorme Schäden an, werden aber nur selten gefasst.

Sie stehlen Kunstwerke aus Parks, verwüsten Gräber auf Friedhöfen, brechen in Baustellen und Firmengelände ein und legen Bahnstrecken lahm: Seit Jahren sorgen Metalldiebe bundesweit für enorme Schäden. Ob Kupfer, Bronze, Messing, Aluminium, Edelstahl, Blei oder Zink: Alles, was sich zu Geld machen lässt, wird geklaut. Auch wenn es „niet- und nagelfest“ ist. Denn die Täter verfügen über professionelle Werkzeuge, sie nutzen Bolzenschneider, Trennschleifer, Hydraulikscheren und mehr. Angesichts der stark gestiegenen Metallpreise ist das „Geschäft“ der Diebe lukrativer als je zuvor. Nach Branchenangaben bringt ein Kilogramm Kupfer auf dem Schrottplatz rund acht Euro, Bronze fünf bis sechs Euro. Die Schäden, die Metalldiebe anrichten, gehen jedes Jahr in die Millionen.

Jüngstes Beispiel ist der spektakuläre Diebstahl der Bronzeplastik „Panther“ von Fritz Behn aus dem Südpark in Köln-Marienburg in der vergangenen Woche. Wie berichtet, trennten Unbekannte das mehr als 150 Kilogramm schwere Kunstwerk von seinem Sockel und transportierten es unbemerkt ab. Hinweise auf die Täter habe man nicht, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Ob der „Panther“ durch einen Nachguss ersetzt werden kann, lässt die Stadt derzeit prüfen. Wie das angesichts der Haushaltskrise finanziert werden soll, ist eine ganz andere Frage.

Vor wenigen Tagen verschwand auch die Bronzefigur „Zwei Störche“ von Philipp Hardt aus dem Rheinpark in Deutz. Von ihr fehlt ebenfalls jede Spur. Die Diebe hatten die dünnen Storchenbeine kurzerhand abgeflext. Es handelt sich um einen Nachguss, der mit Hilfe privater Spender angefertigt worden war. Die originalen Störche von 1956 waren bereits 2016 aus der Grünanlage entwendet worden.

Gestohlene Bronzekunstwerke bleiben meist unauffindbar

Sie sei „außerordentlich betroffen von den dreisten und skrupellosen Diebstählen“, sagte die Leiterin des Kölner Grünflächenamts, Melanie Ihlenfeld, unserer Redaktion. Es handele sich „um wunderschöne Plastiken, die den Ort zu etwas Besonderem machten“ und allen Bürgern zugänglich sein sollten. „Umso schlimmer, dass sie wahrscheinlich nur aufgrund des Materialwertes gestohlen wurden. Hier bereichern sich wenige an öffentlichem Eigentum.“

Die Bronzeskulptur „Egypt/Ägypten“ des schottischen Künstlers Eduardo Paolozzi wurde im Mai 2025 aus dem Park am Duisburger Lehmbruck-Museum gestohlen.Lehmbruck-Museum/dpa

Die Bronzeskulptur „Egypt/Ägypten“ des schottischen Künstlers Eduardo Paolozzi wurde im Mai 2025 aus dem Park am Duisburger Lehmbruck-Museum gestohlen.

Noch aufsehenerregender war ein Diebstahl, der sich im April 2025 in Duisburg ereignete. Aus dem Immanuel-Kant-Park am Lehmbruck-Museum wurde die 500 Kilogramm schwere Skulptur „Egypt/Ägypten“ des schottischen Künstlers Eduardo Paolozzi entwendet. Die Bronze, die eine überlebensgroße, geöffnete Hand darstellt, war eigens für das Museum angefertigt worden. Auch dieses Kunstwerk im Wert von mehr als 100.000 Euro ist bis heute verschollen.

Weitere Fälle: Vergangenes Wochenende wird in Siegburg die Bronzeplastik „Hänsel und Gretel“ von Karlheinz Goedtke gestohlen. Im Februar 2024 verschwinden aus dem Deutzer Rheinpark Zierelemente eines Brunnens aus den 1950er-Jahren. Im Oktober 2023 werden in Köln-Mülheim die bronzenen Tierfiguren des Märchenbrunnens im Stadtgarten entwendet. Sie bleiben unauffindbar, sollen nun durch Steinfiguren ersetzt werden. 2017 gelingt es Dieben, die 2,11 Meter große Bronzefigur „Schreitender“ von Richard Scheibe aus dem Rheinpark abzutransportieren.

Bahnreisende leiden unter häufigem Kabelklau

So schmerzhaft der Verlust an Kunstschätzen und Kulturgütern ist: Metalldiebstahl hat mitunter noch ganz andere Auswirkungen. Nach dem Einsturz eines Mehrfamilienhauses in Görlitz am 18. Mai gehen die Ermittler inzwischen dem Verdacht nach, dass Metalldiebe auf der Suche nach Verwertbarem die folgenschwere Explosion ausgelöst haben könnten. In den Trümmern kamen zwei Frauen (25, 26) und ein Mann (48) ums Leben.

Unter der Rücksichtslosigkeit, mit der die Kriminellen vorgehen, müssen vor allem Bahnreisende häufig leiden. Immer wieder wird der Zugverkehr massiv gestört, weil Diebe an Gleisen Kupferkabel mitgehen lassen. Betroffen ist zurzeit etwa die Strecke der Stadtbahnlinie 66 zwischen Siegburg und Sankt Augustin. Wegen einer Baumaßnahme lag sie einige Wochen brach. Metalldiebe haben hier so große Schaden verursacht, dass die Strecke nicht wie geplant am 12. Juni wieder in Betrieb gehen konnte. Die Schäden zu beheben, dauert bis Ende Juni, bis dahin müssen weiterhin Ersatzbusse fahren.

Die Deutsche Bahn, die zum Schutz ihrer Gleisanlagen bereits Drohnen und Wärmebildkameras einsetzt, kämpft noch mit einem ganz anderen Problem: Neben Kabeldieben machen sich verstärkt Saboteure an Bahnanlagen zu schaffen. Sie durchtrennen Leitungen oder zünden sie an. Ende Juli 2025 steht der Zugverkehr zwischen Düsseldorf und Duisburg nach einem Feuer in einem Kabelkanal einen ganzen Tag lang still.

Auch Schnellladesäulen für Elektroautos mit fest verbauten Kabeln werden immer häufiger Ziel von Metalldieben. An mehr als 70 von 90 Anlagen in Köln wurden die schweren Kupferkabel bereits abgeschnitten. Voriges Jahr gingen bei der Kölner Polizei dazu 66 Anzeigen ein, 2024 gab es lediglich vier Fälle. In Düsseldorf machen sich im April Kabeldiebe über 16 Ladesäulen her. Das ist nicht nur ärgerlich für E-Autofahrer, denen Lademöglichkeiten fehlen. Es ist auch ein enormer Schaden für die Betreiber. Weil die Anlagen vor Wiederinbetriebnahme aufwendig geeicht werden müssen, verschlingen die Reparaturkosten tausende Euro.

Aufklärungsquote ist bei Metalldiebstahl verschwindend gering

Wie dreist manche Diebe vorgehen, zeigt sich am 26. Mai in Euskirchen. Laut Polizei nutzen sie einen fahrbaren Kran, um von einem Firmengelände eine 500 Kilogramm schwere Kabeltrommel mit Kupferkabeln zu stehlen. Andere schleichen sich nachts auf Friedhöfe, um Grableuchten und Grabschmuck aus Bronze zu erbeuten, verwüsten dabei Gräber und lassen traumatisierte Angehörige zurück. Nur selten werden die Täter erwischt. Am 7. März gehen der Polizei im Kreis Viersen an einem Grenzübergang in die Niederlande zwei Tatverdächtige (16, 23) ins Netz. In ihrem Wagen mit Mettmanner Kennzeichen finden sich Urnen und Grabbeigaben aus Kupfer. Sie stammen vom Waldfriedhof in Monheim, wo 151 Gräber geplündert wurden.

Nach Angaben eines Polizeisprechers werden in Köln und Leverkusen seit 2020 im Schnitt rund 100 Metalldiebstähle pro Jahr angezeigt. Die Aufklärungsquote ist verschwindend gering. 2025 und 2024 sei jeweils ein Tatverdächtiger ermittelt worden, im Jahr 2023 waren es fünf. „Häufig agieren überregionale Täter im Bereich des Kupferdiebstahls“, so der Sprecher. Das Diebesgut werde in der Regel „bei in- oder ausländischen Schrotthändlern versetzt“. Überwiegend handele es sich um „leicht absetzbare oder einschmelzbare Gegenstände“.

Offenbar fällt es Kriminellen immer noch leicht, gestohlenes Metall auf Schrottplätzen zu Geld zu machen. Ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) betont auf Anfrage: „Die seriöse Recyclingwirtschaft hat ein erhebliches Eigeninteresse daran, gestohlene Ware aus den Stoffströmen herauszuhalten.“ Private Anlieferer müssten sich in der Praxis regelmäßig ausweisen. „Besonders kritisch sind Anlieferungen, die nicht plausibel sind – etwa Kabel, Bahntechnik, Gullydeckel, Grabplatten, Bronzefiguren oder Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum.“ Barzahlung sei auf Schrottplätzen „nicht pauschal ausgeschlossen“, viele Betriebe würden aber aus Gründen der Nachvollziehbarkeit zunehmend auf Überweisung setzen.