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Wohnungen im LadenlokalNeuer Wohnraum statt Leerstand

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Von 1913 ist das Haus, in dem im Erdgeschoss eine neue Wohnung entstanden ist. (Foto: Meisenberg)

Köln – Waschen, Schneiden, Legen – das war über Jahrzehnte Alltag im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses am Kirchweg  17 in Junkersdorf. Ende des Monats nun zieht ein junges Paar ein. Dass ihre neue Wohnung einst ein Friseursalon war, ist nicht mal mehr zu erahnen. „Ein Ladenlokal in dieser Größe und in dieser Lage – das hatte keine Chance mehr“, hatte der Eigentümer Wilhelm Schilling nach Auszug des Figaros festgestellt. Der gemeinsame Aufruf der Stadt und des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins „Leerstand vermeiden – Wohnraum schaffen“ stieß bei ihm auf offene Ohren.

„Es gibt in Köln viele leer stehende Büros und Ladenlokale, die nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen und sich daher schlecht vermieten lassen“, berichtet Thomas Tewes, Geschäftsführer von Haus und Grund. Die Eigentümer seien nicht selten in höherem Alter und scheuten den Aufwand eines Umbaus, obwohl der meist geringer sei als befürchtet. Daher hätten der Verein und die Stadt Mitte 2012 die gemeinsame Initiative gestartet, mit der sie Eigentümer zum Umbau ermutigen wollen, wie Tewes verdeutlicht.

Seinen Mitgliedern bietet Haus und Grund die Möglichkeit, sich kostenlos von einem Architekten einen Vorentwurf der möglichen Wohnung erstellen zu lassen. Die detaillierte Planung habe er dann selbst bezahlt, erklärt Schilling. „Und die Stadt hat Wort gehalten: Binnen 24 Stunden wurde die Erlaubnis zur Umwidmung und eine Baugenehmigung erteilt“, berichtet der 70-Jährige. Bis auf die tragenden Wände sei beim Umbau der Gewerbefläche kaum ein Stein auf dem anderen geblieben, das Erdgeschoss wurde quasi saniert. „Es wurden viele Haare gewaschen, die Feuchtigkeit ist in die Wände und den Boden gekrochen“, sagt Schilling.

Beim anschließenden Ausbau habe er nicht gespart: „Ich habe die Wohnung so hergerichtet, wie sie mir auch selber gut gefallen würde.“ Einen mittleren fünfstelligen Betrag habe das gekostet. Dafür ist nun (mit Ausnahme des Stucks unter der hohen Zimmerdecke) alles neu – vom Boden über die Fenster, Türen und Heizung bis hin zum barrierearmen Bad. Die neue Drei-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von rund 90 Quadratmetern zu marktüblichen Preisen an den Mann zu bringen, sei ein Leichtes gewesen – „ich hätte sie 30, 40 Mal vermieten können“, sagt Schilling. Ein junges Paar erhielt den Zuschlag. „Die sind ganz glücklich, und ich bin ein bisschen stolz.“

Die Initiative sei nur einer von vielen Bausteinen, mit denen die Stadt die Schaffung zusätzlichen Wohnraums fördere, wie Stefan Ferber, der Leiter des Amtes für Wohnungswesen, erklärt. „Aber jeder Ansatz ist willkommen.“ Diesen unterstütze die Stadt, indem sie bürokratische Hürden so niedrig wie möglich gestalte und notwendige Anträge so schnell wie möglich bearbeite. Der Haus- und Grundbesitzerverein hat Schillings Umbau als Pilotprojekt auch noch mit 3000 Euro gefördert. „Ich würde das sofort wieder machen“, unterstreicht der Bauherr.