Köln – Zehn Menschen rettete die Feuerwehr gestern Vormittag aus einem brennenden Mehrfamilienhaus an der Merowingerstraße in der Südstadt. Vier von ihnen, darunter ein älteres Ehepaar, erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden vom Rettungsdienst in verschiedene Krankenhäuser gebracht.
Als die Einsatzkräfte gegen 11 Uhr am Brandort eintrafen, standen bereits sieben Bewohnerinnen und Bewohner an den Fenstern. Über die Drehleiter brachte die Feuerwehr die Mieter in Sicherheit.
Ein 22-jähriger Bewohner aus dem vierten Stock hatte sich unterdessen durch eine waghalsige Rettungsaktion selbst in Sicherheit gebracht. Er war über das Dach zum Nachbarhaus geklettert. Geweckt durch den Warnton eines Rauchmelders, hatte er Rauch im Flur der eigenen Wohnung bemerkt. Als er daraufhin die Tür zum Treppenhaus öffnete, kam ihm bereits dicker Qualm entgegen.
Anstatt sich am Fenster bemerkbar zu machen, eilte er durch das verrauchte Treppenhaus einen Absatz nach oben auf das Dach des Hinterhauses. Auf Socken kletterte der junge Mann über die Dachpfannen zum Nachbarhaus. Dort schlug er eine Fensterscheibe ein und drang in die Wohnung ein. Über Notruf meldete er sich aus der Nachbarwohnung bei der Feuerwehr.
Die Polizei ermittelte in Eile den eigentlichen Wohnungsmieter, der die Tür aufschloss. Der Mieter zeigte nicht nur Verständnis für die kurzzeitige „Wohnungsbesetzung“, er lieh seinem Nachbar auch noch ein Paar Schuhe aus.
Während des dreieinhalbstündigen Einsatzes, an dem insgesamt 58 Rettungskräfte verschiedener Wachen beteiligt waren, wagte sich die Feuerwehr mit Atemschutzgeräten auch über das Treppenhaus ins Innere des Gebäudes. Mit Fluchthauben, die vor giftigen Brandgasen schützen, brachte sie drei weitere Mieter ins Freie. Ein Notarzt untersuchte die Geretteten.
Ausgebrochen war das Feuer in einer Wohnung im Hinterhaus. Die Flammen schlugen aus der Wohnungstür im ersten Stock und verrauchten das gesamte Treppenhaus. Die Hitzeentwicklung war so stark, dass Putz von den Wänden abfiel und alle Fenster zu Bruch gingen. Die Feuerwehr konnte dennoch ein Übergreifen auf die darüber liegende Wohnung verhindern. Alle zehn Wohnungen sind derzeit nicht bewohnbar. Die Wohnungsversorgungsbetriebe kümmern sich um Ersatzwohnungen für vier Bewohner. Die Polizei ermittelt die Brandursache.
Einsatzleiter Philipp Hessemer warnte davor, dass schon zwei Atemzüge im Brandrauch tödlich sein können. „Ist der Treppenraum verqualmt, gehen Sie zum nächsten Fenster an der Straßenseite und machen sich bemerkbar.“