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Scharfe Kritik an der StadtVerstörendes Gewaltvideo kursiert unter Jugendlichen in Königswinter

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Viele Jugendliche in Königswinter sollen das Video der Gewalttat gesehen haben. (Symbolbild)

Viele Jugendliche in Königswinter sollen das Video der Gewalttat gesehen haben. (Symbolbild)

Etwa 13 junge Leute sollen an der Tat beteiligt gewesen sein. Das Opfer soll getreten, geschlagen und aufs Übelste gedemütigt worden sein.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in Bonn ermitteln gegen mehrere Jugendliche, die in Königswinter an einem brutalen Überfall auf einen 14-Jährigen beteiligt gewesen sein sollen. Es gehe unter anderem um den Verdacht der gefährlichen Körperverletzung, bestätigte Sebastian Buß, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft in Bonn, auf Anfrage dieser Zeitung.

Von der Tat gibt es ein Video, auf dem zu sehen sein soll, wie das Opfer getreten und geschlagen und aufs Übelste gedemütigt wird. Etwa 13 junge Leute sollen an der Tat beteiligt oder zumindest dabei gewesen sein. Simon Batta, Jugendcoach aus Königswinter, vermutet, dass das Video inzwischen derart oft geteilt wurde, dass 60 bis 80 Prozent aller Jugendlichen im Siebengebirge es kennen.

Königswinters Bürgermeisterin Heike Jüngling weist Kritik zurück

Für das 14-jährige Opfer ist das eine unvorstellbare, gerade zu dramatische und nicht endende psychische Belastung. Simon Batta hat den Fall vor Kurzem über die sozialen Medien öffentlich gemacht. Er verband das mit scharfer Kritik an der Stadt Königswinter und an Bürgermeisterin Heike Jüngling, der er unter anderem auf Facebook Tatenlosigkeit vorwirft. Sie habe sich tagelang nicht um den Fall gekümmert.

Ein Vorwurf, den die Bürgermeisterin zurückweist. Sie nehme den Fall sehr ernst und stehe im engen Austausch mit dem Vater des Opfers, mit der Schule, mit der Polizei und dem Jugendamt. Jüngling auf 'Anfrage: „Wir haben uns nahezu täglich gekümmert.“

Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung

Nach Angaben von Sebastian Buß ermittelt die Polizei seit Ende Januar, unmittelbar nach Eingang der Anzeige durch den Vater des Opfers. Seit Mitte Februar sei die Staatsanwaltschaft in den Fall eingebunden. Buß bestätigte ansonsten wegen des noch laufenden Verfahrens lediglich Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Sie richten sich gegen mehrere Jugendliche sowie einen Heranwachsenden. Der Ältere soll der Haupttäter sein. Er kommt nach Angaben von Heike Jüngling jedoch nicht aus Königswinter, sondern aus Hessen. Möglicherweise übernimmt die Staatsanwaltschaft an seinem Wohnort in diesem einen Fall die weiteren Ermittlungen, während die Bonner Behörde für die Jugendlichen aus Königswinter zuständig bleibt.

Zur Vorgeschichte berichtet Simon Batta, dass der 14-Jährige seine Freundin zu einem Kuss gezwungen haben soll. Daraus sei in den folgenden Wochen zunächst in seiner Schule und später in den sozialen Medien die falsche Geschichte entstanden, er habe das Mädchen vergewaltigt. Dann habe eine Gruppe von etwa 13 Personen den Jungen in eine Falle gelockt. Auf dem Video soll zu sehen sein, wie der 14-Jährige geschlagen, getreten und gedemütigt wird.

Simon Batta, der Mitte Dezember 2025 in der Aula des Schulzentrums Oberpleis zum zweiten Mal einen Präventionstag organisierte und dessen Verein Simon-Batta-Jugendcoaching als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt ist, vertritt die Auffassung, dass die Stadt Königswinter mit dem Fall offensiv an die Öffentlichkeit hätte gehen müssen.

Eine Gruppe von Menschen wird fotografiert.

Jugendcoach Simon Batta beim Präventionstag im Dezember 2025 im Schulzentrum Oberpleis.

Die Bürgermeisterin hätte ein Statement abgeben, die Schulen hätten im Sinne der Prävention Aufklärungsarbeit leisten, beispielsweise Elternbriefe veröffentlichen und das Thema mit den Schülerinnen und Schülern aufarbeiten müssen. Da sei nichts passiert.

Bürgermeisterin Heike Jüngling hat beim medialen Umgang mit der Tat allerdings ausdrücklich „eine andere Auffassung“. Als Minderjähriger gelte für den 14-Jährigen ein besonderer Schutz. Die Stadt habe den Fall auch deshalb bewusst nicht öffentlich gemacht, um eine Retraumatisierung des Jungen zu verhindern. Sie habe den Fokus auf die Familie und die Schule gelegt.

Nach Angaben von Simon Batta gibt es noch vier weitere Opfer

„Wir kümmern uns absolut“, sagt die Bürgermeisterin, die zudem auf in Königswinter schon bestehende Kinderschutzaktionen und Kinderschutzvereinbarungen oder die Arbeit der städtischen Jugendpflege verweist. Nach Angaben Simon Battas ist es nicht nur der eine Vorfall. Es habe inzwischen vier weitere Opfer in Königswinter gegeben. Er spricht von einer Gruppierung oder Gang von Jugendlichen, die sich bundesweit vernetzten, der aber auch Königswinterer Jugendliche angehörten, die gewaltbereit seien.

Heike Jüngling betont jedoch, dass es in Königswinter „kein flächendeckendes Gewaltproblem“ gebe. Die Bürgermeisterin warnt davor, Ängste zu schüren.