An diesem Sonntag feiert das Kölner Museum Ludwig sein 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsfest. Ein Rückblick auf die Geschichte des Hauses.
50 Jahre Museum LudwigDer wichtigste Kölner Neubau seit dem Dom

Vor 50 Jahren gegründet, vor 40 Jahren eröffnet: das Kölner Museum Ludwig
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Die schönste Welle am Rhein
Lediglich zehn Sekunden hätten er und Godfrid Haberer für die Idee zum Museum Ludwig gebraucht, so Peter Busmann, einer der beiden Architekten des wichtigsten und prägendsten Kölner Neubaus seit dem Dom – und dann zehn Jahre für Planung und Bau des Ludwigs. Es war jeweils gut angelegte Zeit, zumal die Stadt unterhalb des Museums zunächst eine Mehrzweckhalle vorgesehen hatte. Erst die Architekten, beide passionierte Musiker, brachten den Gedanken einer Philharmonie ins Spiel. In ihrem Entwurf griffen Busmann und Haberer auf Bewährtes zurück: Sie schufen eine städtebauliche Verbindung zwischen Dom und Rhein, gaben der Philharmonie die Form eines antiken Amphitheaters und sie verliehen dem Museum eine markante Sägezahn-Silhouette aus Sheddächern, wie man sie sonst von Fabrikhallen kennt. Diese Bauform sorgt für gleichmäßigen Lichteinfall, eine Lieblingsidee von Busmann, für den das Licht der billigste und wichtigste Baustoff ist. Gleichzeitig gaben die Architekten ihren funktionalen Dächern einen kleinen kunstsinnigen Schubs, der das gesamte Gebäude, vom Rhein aus gesehen, beinahe wie eine Hokusai-Welle schäumen lässt – ein Museum ist schließlich keine Industrieanlage.

David Hockney 2012 im Museum Ludwig
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Stars und Blockbuster
Ein großes Museum lebt auch von Stars und langen Besucherschlangen vor dem Haus. Lange hatte man in Köln gedacht, der Rekord der Edward-Hopper-Ausstellung aus dem Jahr 2004/05 sei einer für die Ewigkeit (360.000 Besucher), doch dann kam in diesem Jahr Yayoi Kusama und zog 480.000 Menschen in ihren Bann. Und dafür musste sie nicht einmal nach Köln reisen. Andere Stars besuchten das Museum Ludwig gerne, schon um alte Freunde und eigene Werke wiederzusehen: Claes Oldenburg gab sich ebenso die Ehre wie David Hockney (unser Bild), der 2012 das Kölner Publikum mit auf dem iPad entworfenen Landschaftsbildern verblüffte. Bei der Pressekonferenz setzte sich der damals 75-Jährige in die erste Stuhlreihe, als könne er seinen eigenen Auftritt kaum erwarten. Mit karierter Schirmmütze, tiefblauem Mantel und schwarzem Regenschirm wirkte der farbverliebte Superstar der Nachkriegskunst wie das Ideal des englischen Gentlemans, der sich nach dem Spaziergang auf einer Bank ausruht.

Die Baustelle des Museum Ludwig in Köln
Copyright: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv
Neuschwanstein der Moderne
Im Grunde hat das Museum Ludwig gleich zwei Geburtsstunden: Am 5. Februar 1976 nahm der Schenkungsvertrag zwischen der Stadt und dem Ehepaar Peter und Irene Ludwig die entscheidende politische Hürde. Feierlich unterzeichnet wurde dieser jedoch erst knapp drei Wochen später, am 23. Februar. Der verabschiedete Handel lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Die Ludwigs bekamen ein eigenes, nach ihnen benanntes Museum (das sie sich allerdings zunächst mit dem Wallraf-Richartz-Museum teilen mussten) und die Stadt erhielt Peter Ludwigs Pop-Art-Sammlung – 1975 wurde deren Wert auf 45 Millionen Mark taxiert. Als das Gebäude am 6. September 1986 eröffnet wurde, fürchteten manche Kritiker immer noch, die Stadt habe ein schlechtes Geschäft gemacht. Das wirkt heute kurios, aber damals war der Großsammler Peter Ludwig noch keine legendäre, sondern eine umstrittene und auf unheimliche Weise besitzergreifende Figur. Wer sich mit ihm einließ, bekam viel, musste aber auch viel geben. Obwohl Peter Ludwig kein rheinischer Märchenkönig war, ist das Museum Ludwig sein Schloss Neuschwanstein.
Die Stifter als Ehepaar Nimmersatt
Die nackten Zahlen geben kaum eine Vorstellung von den Ausmaßen des Ludwig-Reichs: 14 000 Kunstwerke, ungefähr eines für jeden Ehetag, den Peter und Irene miteinander verbrachten, zwölf Museen, die ihren Namen tragen, und zwischen Peking, Havanna und St. Petersburg noch einmal so viele, die sich von ihnen reich beschenken ließen. In Köln knubbelt sich das Imperium (fünf städtische Museen waren mit den Ludwigs verbandelt), gesteuert wurde es von jenem mit Porzellan und Kunstwerken vollgestopften Haus in Aachen, das heute der Sitz der von Irene Ludwig gegründeten Stiftung ist. Ohne diese Stiftung wären die Kölner Museen buchstäblich ärmer: an Kunstwerken ohnehin, aber auch an kurzfristigeren Investitionen wie Ausstellungen und Neuerwerbungen. Am besten kannte Kasper König die vor 16 Jahren verstorbene Irene Ludwig – der ehemalige Ludwig-Direktor nannte sie gerne Queen Mum. Anfangs habe sie ihm, dem Schulabbrecher, arg misstraut, erinnerte sich König, aber schließlich habe er die Kölner Ehrenbürgerin erfolgreich mit seinen Kenntnissen über das Meißener Porzellan und Pinkel-Anekdoten aus der New Yorker Kunstszene bezirzt.

Kasper König (rechts) mit Yilmaz Dziewior
Copyright: Herbert Bucco
Die Direktoren
Auch ein Sammlermuseum lebt von seinen Direktoren, und das Museum Ludwig zog eine illustre Runde von ihnen an. Allerdings verlief der Anfang holprig: Karl Ruhrberg trat als Gründungsdirektor bereits vor der Eröffnung zurück und überließ es Siegfried Gohr, das Museum behutsam von seinen Namensgebern zu emanzipieren. 1991 übernahm Marc Scheps den Posten, doch erst unter Kasper König stieg das Ludwig zu einer der besten Adressen in der Museumswelt auf. König leitete das Haus von 2000 bis 2012 und beschenkte es mit seiner privaten Sammlung. Unser Bild zeigt ihn rechts mit Yilmaz Dziewior, der das Ludwig seit 2014 führt und auf einen ewigen Rekord an Dienstjahren zusteuert (sein Vertrag läuft bis 2032). Die wichtigere Bestmarke ist die Kusama-Schau, aber Dziewior prägte das Haus auch mit Ausstellungen zu Warhol, Haegue Yang und den „Fünf Freunden“.
Das Jubiläumsfest
Yayoi Kusamas Blumen sind zwar weitergezogen, aber ihre fröhliche Stimmung soll bleiben und im Idealfall auch das Jubiläumsfest erfüllen. Am 13. September beginnt dessen Programm um 11 Uhr mit einem Konzert des Musikensembles Les Arcanes Baroques, gefolgt von einem Klangworkshop, mehr Musik, Führungen durch die Sammlung und zur Architektur des Hauses und einer Tanzperformance. Hochoffiziell wird es um 14 Uhr, wenn Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und Ludwig-Direktor Yilmaz Dziewior in der Eingangshalle die Geburtstagstorte anschneiden. Wer will, darf natürlich von 10 bis 20 Uhr auch einfach nur umsonst Kunst schauen. Zur Erinnerung: Das Ludwig beherbergt die größte Sammlung amerikanischer Pop-Art außerhalb der USA, die weltweit drittgrößte Picasso-Sammlung – und darüber hinaus so manches mehr, was viel zu schade wäre, um achtlos daran vorbeizugehen.
