Professor Boerne aus dem Münsteraner „Tatort“? Umso mehr muss man jetzt an seinem Darsteller verzweifeln. Jan Josef Liefers raunt unter dem Hashtag #allesdichtmachen verstörend wirres Zeug über ein angebliches Zwangsregime der Politik und manipulierende Medien in die Kamera.
Wer hat ihm nur diesen bösartigen Text souffliert? Wie war es möglich, dass Liefers und rund 50 andere Schauspielstars sich für dieses ganze Querdenkergefasel im Wutbürgertremolo hergegeben haben? Die Aktion ist ein einziges Desaster. Sie erneuert das Zerrbild einer abgehobenen Elitenkultur. In den Intensivstationen wird um jedes Leben gekämpft, aus dem Elfenbeinturm dringt dazu abgehobenes Geschwafel.
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Der fatale Eindruck von verwöhnten Stars ohne Empathie und Respekt wird haften bleiben. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass Heike Makatsch und andere ihre Beiträge nach dem Entrüstungssturm im Netz gleich wieder zurückgenommen haben. Fehlt ihnen am Ende auch noch der Mut, zu ihrer Meinung zu stehen?
Ja, Kulturmacher sollen kritisch sein, aber bitte nicht zynisch. Sie dürfen den Finger in die Wunde legen, aber nicht mitten in einer Pandemie ironische Spielchen mit der Verwundbarkeit der Menschen treiben. Liefers und Co haben mit ihrem Auftritt der ganzen Kulturszene einen Bärendienst erwiesen. Wer nimmt deren Anliegen, den Wunsch nach Öffnung und Neustart jetzt noch ernst? Die angeblich so diktatorische Politik reagiert nebenbei bemerkt so, wie es nach diesen Videos nicht sein dürfte: souverän, mit einem Gesprächsangebot. Und Jan Josef Liefers? Von dem haben wir erst einmal genug. Von Professor Boerne auch.

