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Armin Müller-StahlMalen gegen das Vergessen

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Werke des Schauspielers und Künstlers Armin Mueller-Stahl in der Ausstellung „Night on earth New York“

Werke des Schauspielers und Künstlers Armin Mueller-Stahl in der Ausstellung "Night on earth New York" 

Das Museum Schloss Moyland zeigt, wie vielschichtig das künstlerische Werk des Schauspielers ist. 

Wer an ihn denkt, denkt an Baudezernent von Bohm, der den Reizen von Rainer Werner Fassbinders „Lola“ erlag. An den Exil-Dresdner und Ex-Clown Helmut Grokenberger, der in Jim Jarmuschs „Night on Earth“ genauso grauenvoll Taxi fuhr, wie er Englisch sprach. Vielleicht auch an den zweitältesten Sohn einer Kaufmannsdynastie aus Lübeck, der zum Großschriftsteller wurde und dessen Familie Heinrich Breloer 2001 im TV-Dreiteiler „Die Manns“ porträtierte. Aber wer denkt bei Armin Mueller-Stahl an bildende Kunst?

Dabei waren das Malen und Zeichnen und das Schauspielen für ihn von Anfang an eng miteinander verbunden. Wie eng, zeigt bis 20. September das Museum Schloss Moyland in der Ausstellung „Armin Mueller-Stahl – Nacht und Tag auf der Erde“. Auf knapp 1000 Quadratmetern sind 120 Gemälde, Zeichnungen, Lithografien, Siebdrucke und Radierungen zu sehen, ergänzt durch Filmausschnitte und Archivalien wie Zeitschriften, Fotografien oder Plakate in der Vorburg des Schlosses.

Die Schau, die in Kooperation mit der Kunsthalle Emden und der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim zum 95. Geburtstag von Mueller-Stahl konzipiert wurde, will eine Künstlerpersönlichkeit und deren vielseitiges Wirken würdigen. Nicht nur als Schauspieler und Maler, sondern auch als Musiker und als Mensch, der im Blick hat, was um ihn herum in der Welt passiert, und dazu meinungsfreudig Stellung bezieht.

Porträts auf Bierdeckeln

Was sich aus einem Leben speist, das 1930 im ostpreußischen Tilsit begann, via Westberlin in die DDR führte, von da aus in die Bundesrepublik Deutschland und in die Vereinigten Staaten von Amerika, und am Ende wieder zurück in die Bundesrepublik. Um das in Relation zu dem setzen zu können, was auf Wänden in Petrol, Violett oder Azurblau, auf einer Kinoleinwand und in Vitrinen zu sehen ist, ist der Zeitstrahl mit markanten Ereignissen unabdingbar. Ebenso wie Video-Interviews und Doku-Ausschnitte, in denen man Armin Mueller-Stahl dabei zusehen und zuhören kann, wie er von sich erzählt. Ohne Sätze wie „Ich war 14, als der Krieg zu Ende war. In meinem Kopf war ich ein Kind. Dumm“ begreift man nicht, wie er zu einem Künstler wurde, der von sich sagt: „Ich male gegen das Vergessen, wegen dem, was in der Welt geschieht.“

Am Anfang skizzierte er in Theaterkantinen Kollegen und Kolleginnen auf Bierdeckeln. Der Verbleib des Frühwerks auf Pappe? Ungewiss. Er hat die Porträts alle verschenkt. Besser ist es um die Drehbuchseiten bestellt, die er recycelte, bevor Nachhaltigkeit in aller Munde war. Sobald „der Tag abgedreht war“, nutzte er sie, um seine Stimmung festzuhalten. Ein Schicksal, das während der Produktion von „Avalon“ (1990) auch einer Bibel zuteil wurde.

Schon da tritt der expressive Stil Mueller-Stahls zutage. Im Wechselspiel von Bild und Schrift, mit ungemein dynamischen, farbigen Figuren, die übers Papier zu tanzen scheinen, und der Fähigkeit, mit knappen schwarzen Strichen den „Charakterkern“ eines Menschen herauszumeißeln.

Politisch selten Grund zur Freude

Mit der zwischen 2023 und 2025 entstandenen Serie „Selbst in…“ hat er seine Gefühle und Rollen noch einmal durchlebt. Der Kommentar unter „Selbst in Lola“ greift die visualisierte Überstülpung erst positiv auf, um dann dem als extrem fordernd bekannten Regisseur eine Abfuhr zu erteilen: „die Arbeit mit Faßbinder ein Vergnügen er wollte mich in seine Familie holen. Wollte ich nicht“.

Was die Politik angeht, hat Armin Mueller-Stahl selten Grund zur Freude. Viel häufiger sieht er Anlass für Kritik, Empörung oder Spott. Gespenstische neue Aktualität hat das Gemälde „Donald T.“, gewonnen, das den US-Präsidenten in seiner ersten Amtsperiode zeigt. Wie durch den Schredder gejagt, kaum erkennbar durch den gelben Schopf und die Farben der Nationalflagge. Sarkastische Unterzeile: „Dieser Mann stammt aus der Nullserie der Menschheit – so kaputt, dass es sich nicht lohnt, ihn zu reparieren.“

Das Themenspektrum umfasst die Beschäftigung mit Goethes „Urfaust“, eine Hommage an Filme, die Mueller-Stahl viel bedeuteten, wie Marcel Carnés „Die Kinder des Olymp“ (1945) und eine Serie mit Porträts derer, die sein Leben prägten: „Jüdische Freunde und Wegbegleiter“. Wozu er nicht nur Helene Weigel, Billy Wilder und andere zählt, die er persönlich kannte. Fanny Hensel, Franz Kafka und Grete Weil gehören ebenso dazu.

2006 verabschiedete sich Armin Mueller-Stahl offiziell aus dem Filmgeschäft. „Malen kommt aus dem Bauch, das ist eine Gefühlssache, das genieße ich sehr. Denn der Kopf hat sich das Leben lang über Gebühr anstrengen müssen – die ganzen Rollen, die vielen Texte…“, lautet das Fazit des 95-Jährigen. Noch heute malt er jeden Tag.


„Armin Mueller-Stahl – Nacht und Tag auf der Erde“, bis 20. September, Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 9 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre frei. Katalog: 136 S., 28 Euro. Weitere Infos finden Sie hier.