Remagen – Goldene Zeiten für Freunde der dreidimensionalen Kunst an der Rheinschiene: In der Bonner Bundeskunsthalle begegnen sich Joseph Beuys und Wilhelm Lehmbruck. Das Arp Museum in Rolandseck glänzt mit dem erstem Doppel von Auguste Rodin und Hans Arp in einem Museum. Außerdem zeigt ma Skulpturen vom Mittelalter bis zur Gegenwart aus der Sammlung Rau sowie die Bildhauerin Stella Hamberg. Und das Kölner Museum Kolumba präsentiert seine komplettierte Schau mit Skulptur, Malerei und Tanz.
Viele Parallelen
Im Arp Museum treffen zwei denkbar unterschiedliche Künstler aufeinander, die bei genauerer Analyse unglaublich viele Parallelen haben. Gewiss: Der eine arbeitet eher figurativ, der andere eher abstrakt; sie gehören unterschiedlichen Generationen an – als Rodin 1917 starb, war Arp 30 Jahre alt und hatte hauptsächlich Dada im Kopf. Doch Jahre zuvor ließ der junge Arp in Zeichnungen und Texten durchblicken, wie sehr ihn Rodin beschäftigte. Eine Eloge etwa, die so beginnt: „Seine Skulpturen sind Heimwehblumen, Blumen des Himmels und der Erde (...), sind schlafende Küsse auf Totenhänden, sind Quallen mit Lackknopfstiefelchen des Walzerjahrhunderts.“
Bis November
Die Ausstellung kann bis zum 14. November besucht werden (Di bis So 11-18 Uhr, Hans-Arp-Allee 1, Remagen). Infos unter www.arpmuseum.org. (t.k.)
In „Rodin/Arp“, einer Kooperation mit der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel, werden in erster Linie die bisweilen frappierenden Gemeinsamkeiten aufgezeigt: die Beschäftigung mit dem Torso und dem Fragment, die Assemblage von Fundstücken aus dem Atelier, die Faszination für das Unvollendete. Und ein Faible dafür, das eigentlich Unmögliche darzustellen: So haben sich beide durchaus erfolgreich damit beschäftigt, Schatten zu materialisieren.
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Leihgeberliste ist hochkarätig und reicht vom Guggenheim New York bis zu Moma und Metropolitan, vom Musée Rodin bis zum Centre Pompidou. So wie die Qualität der gezeigten Werke.
Rodin ist mit 33 Skulpturen und neun Zeichnungen vertreten, darunter Hauptwerke wie „Der Kuss“ (1882), „Die drei Schatten“ (vor 1886), „Der Denker“ (1981/82), ferner „Paolo und Francesca in den Wolken“ (1903/04). Einen solchen Überblick über das Werk gab es in der Region noch nicht.
Keine Nachahmer, sondern Erneuerer
Zu sehen ist der großartige Erneuerer der Skulptur, der seine Figuren vom Sockel holt, Augenblicke, Emotionen quasi einfriert, sich in die Gestaltungskräfte der Natur hineindenkt. „Kunst ist nicht Nachbildung, und nur Narren glauben, dass wir etwas erschaffen können. Was uns bleibt, ist Interpretation nach der Natur“, sagte er 1906. Arp dachte ganz ähnlich: „Wir wollen nicht die Natur nachahmen. Wir wollen nicht abbilden, wir wollen bilden.“
Von ihm sind 16 Reliefs, 32 Skulpturen und 14 Papierarbeiten in der Ausstellung. Etliches, das man noch nicht in Rolandseck gesehen hat. Früheste Werke sind die Reliefs „Eierbrett“ und „Amphore mit Nabel“, beide 1922. Die wie eine Pflanze emporwachsende Marmorarbeit „Wachstum“ (1938) steht in einem Kontext mit Rodins „Ehernem Zeitalter“ (1875/76), diesem Männerakt, der sich ebenfalls emporwindet. Und der mächtige „Schalenbaum“ (1960) begegnet der fantastischen Götterbotin „Iris“ von Rodin (1894/95), ein quasi schwebender weiblicher Torso. Arps „Schalenbaum“ hat sich emanzipiert, ist Sockel und Skulptur in einem. „Iris“ geht einfach einen Schritt weiter, sie bräuchte nicht einmal mehr einen Kontakt zur Erde. Eine verblüffende Beobachtung von vielen in dieser grandiosen Schau.

