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Porträt der Gen-Z von 1978Nanni Morettis Kultfilm „Die Nichtstuer“ auf Arte

4 min
Streaming- und TV-Ausblick - Arte - «Die Nichtstuer»

Nanni Moretti (links) als Michele und Carola Stagnaro als Flaminia in einer Szene des Films «Die Nichtstuer». Der Film kann seit Montag in der Arte-Mediathek gestreamt werden.

Nanni Morettis Kultfilm „Die Nichtstuer“ über eine zaudernde Jugend ist heute noch aktuell und nun bei Arte zu sehen.

„Ich gehe hin. Nein, ich habe keine Lust. Ich gehe nicht. Nein.“ Dieser bekannte Monolog aus dem Film „Die Nichtstuer“ verdeutlicht prägnant die Unentschlossenheit der Charaktere, die Filmemacher Nanni Moretti porträtiert. Die zentrale Figur überdenkt am Telefon eine Einladung zu einer Feier, kann sich aber nicht zu einer Entscheidung durchringen. Das Werk gilt als beispielhaft für die Jugend Italiens in den 1970er-Jahren, die in einem Dilemma aus politischen Überzeugungen und inneren Zweifeln gefangen war und der eine klare Lebensperspektive fehlte.

Unter seinem Originaltitel „Ecce Bombo“ zeichnete Moretti im Jahr 1978 das Bild einer unentschlossenen und überlasteten Generation. Diese suchte im Anschluss an die sozialen Umwälzungen der späten 1960er-Jahre nach ihrer Rolle in der Gesellschaft. Beinahe ein halbes Jahrhundert nach seiner Veröffentlichung kann das Werk nun für einen Zeitraum von drei Monaten in der Mediathek von Arte abgerufen werden.

Moretti selbst in der Rolle des Protagonisten

Der Regisseur, erkennbar an mittellangen Haaren und einem Schnurrbart, verkörpert persönlich den Protagonisten Michele Apicella. Dieser ist ein junger Römer, welcher seine Abende ohne klares Ziel gemeinsam mit Freunden in einem Lokal verbringt. Ihre Gespräche drehen sich um politische Themen, zwischenmenschliche Beziehungen sowie die fundamentalen Lebensfragen, die sie später in Form von sogenannten Bewusstseinsgesprächen fortführen. Abgesehen davon ereignet sich jedoch wenig, da ihre Debatten in nicht enden wollenden und fruchtlosen Streitgesprächen münden.

„Wir sind ein bisschen gelangweilt, enttäuscht, ein bisschen müde. Wir haben unsere politische Aktivität eingestellt. Wir sind glücklich, weil wir diese Last nun los sind. Wir versuchen, Spaß zu haben. Ich bin ziemlich frustriert, auch weil es mir keinen Spaß macht. Wir müssen hier etwas unternehmen“, äußert Mirko, einer der Freunde von Michele, in dem Werk und fasst damit die Gemütslage der Gruppe präzise zusammen.

Fragmentarische Erzählstruktur als Stilmittel

Die narrative Struktur ist bruchstückhaft und locker aufgebaut. Das Werk setzt sich aus einer Vielzahl von kurzen Sequenzen zusammen, welche mehr Situationen als eine traditionelle Abfolge von Handlungen darstellen. Dem Regisseur war es anscheinend wichtig, Atmosphären anstelle von konkreten Geschehnissen zu vermitteln. Genau diese Herangehensweise verleiht dem Film seine besondere Anziehungskraft.

Diese eingefangenen Augenblicke regen häufig zum Schmunzeln an, weshalb das Werk vielfach dem Genre der Komödie zugeordnet wird. Moretti selbst beabsichtigte jedoch nie, den Film als eine traditionelle Komödie zu positionieren. Berichten zufolge war er seinerzeit erstaunt, als er die lachenden Reaktionen des Publikums während der Aufführungen bemerkte.

Zweiter Film markiert den Karrierestart

Das Werk war die zweite Langfilmproduktion von Moretti und markierte gleichzeitig seinen ersten bedeutenden Erfolg, der dem damals Mitte zwanzig Jahre alten Regisseur zum Durchbruch verhalf. Er präsentierte den Film bei den Filmfestspielen in Cannes. Laut Informationen von Arte entstand der Streifen mit einem kleinen Team und wurde auf 16-mm-Material gedreht.

Seine nachfolgende Karriere verschaffte ihm den Beinamen „Italiens Woody Allen“. Er wird als Innovator des italienischen Films gefeiert und zählt zu den renommiertesten Regisseuren Europas. Über mehrere Jahrzehnte hinweg war er ein etablierter Gast bei Filmfestivals und erhielt nahezu jede bedeutende europäische Auszeichnung der Filmbranche. Zu seinen renommiertesten Werken zählen „Goldene Träume“ (1981), „Die Messe ist aus“ (1986), „Liebes Tagebuch“ (1994), „Das Zimmer meines Sohnes“ (2001) und „Habemus Papam - Ein Papst büxt aus“ (2011).

Überraschende Aktualität des Films

Schon in „Die Nichtstuer“ wird der charakteristische Tonfall erkennbar, welcher das spätere Schaffen Morettis bestimmen sollte. Die introspektive Betrachtung der eigenen Person und des direkten Umfelds, die Verknüpfung von privaten Erlebnissen mit gesellschaftspolitischen Analysen sowie ein subtiler, häufig selbstironischer Humor sind Elemente, die sich in vielen seiner späteren Werke wiederfinden. Durch seine Darstellung der Befindlichkeit junger Menschen, die von Selbstreflexion, Verunsicherung und Entscheidungsschwäche gekennzeichnet ist, erscheint der Film auch heute noch überraschend zeitgemäß. Viele junge Menschen von heute dürften sich in den Figuren Michele und seinen Freunden sowie deren Sorgen und Überlegungen wiederfinden. Gleichzeitig reflektiert das Werk jedoch auch die besonderen Erlebnisse der italienischen Jugend in den 1970er-Jahren und somit die Epoche seiner Entstehung. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.