Mehr physische, weniger verbale Übergriffe: Themis sieht eine Zunahme der Gewalt in der Kulturbranche und ein raueres Klima.
Wende bei BelästigungsfällenThemis meldet mehr körperliche als verbale Übergriffe

Bei Themis können sich Menschen aus der Kulturbranche melden, wenn sie sexuelle Belästigung oder Gewalt erfahren haben. (Symbolbild)
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Die Anlaufstelle Themis, die sich an Opfer von Gewalt und Belästigung im Kulturbetrieb wendet, verzeichnet bei Erstkontakten vermehrt Meldungen über physische Attacken. Laut der Organisation fanden im Jahr 2025 über 600 Konsultationen statt, von denen 105 Erstgespräche waren.
Ins Leben gerufen wurde die Beratungsstelle 2018 in Berlin als Reaktion auf die MeToo-Debatte. Personen aus der Film-, Fernseh-, Theater-, Orchester- und Musikszene, die sexuelle Gewalt oder Belästigung erlebt haben, können sich dorthin wenden. Themis stellt unentgeltlich psychologische und juristische Unterstützung bereit. Die Finanzierung der Einrichtung erfolgt durch diverse Branchenvereinigungen, Rundfunkanstalten und Verbände.
Physische vs. verbale Belästigung: Eine Trendwende
Bemerkenswert ist den Daten von Themis zufolge die Verschiebung in der Relation zwischen verbalen, non-verbalen sowie digitalen und physischen Formen sexueller Übergriffe gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2025 sind bei den Erstberatungen 68 Vorfälle von physischer Belästigung oder Vergewaltigung dokumentiert worden, während es 37 Meldungen verbaler Art gab.
Zum Vergleich: Für das Jahr 2024 verzeichnete man bei knapp 130 Erstgesprächen noch 68 Meldungen aufgrund verbaler Übergriffe und 61 Anzeigen wegen physischer Belästigung oder Vergewaltigung. Schon im ersten Quartal 2026 nahmen 20 Personen wegen tätlicher Angriffe Kontakt mit der Beratungsstelle auf.
Themis-Analyse: „Gesamtgesellschaftliches Klima hat sich verschärft“
Gegenüber der „Zeit“ äußerte sich die Themis-Präsidentin Martina Zöllner wie folgt: „Das Verhältnis von körperlichen zu nicht körperlichen Übergriffen hat sich verändert. Das mag ein Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sein.“

Martina Zöllner ist seit 2025 Präsidentin der Themis Vertrauensstelle. (Archivbild)
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Maren Lansink, die geschäftsführende Vorständin von Themis, führte in der „Zeit“ verschiedene Ursachen für diese Zunahme an. Eine Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas sei zu beobachten. Sie konstatierte: „Frauenfeindlichkeit ist online wie offline enthemmter geworden, und das schlägt auch im Arbeitsalltag durch“.
Darüber hinaus blieben die branchenspezifischen Gegebenheiten, wie starke Abhängigkeitsverhältnisse und eine große physische Nähe an Sets, „unverändert ein Nährboden für Übergriffe“. Laut Lansink würden sich insbesondere jüngere Geschädigte heutzutage eher getrauen, physische Attacken klar als solche zu identifizieren. (dpa/red)
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