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Besuch bei Leo XIV.Eine kuriose Geschichte von Bob Dylan und drei Päpsten

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Dieses Foto, das am 4. November 2026 von „The Vatican Media“ aufgenommen und zur Verfügung gestellt wurde, zeigt Papst Leo XIV. bei einem Treffen mit dem US-amerikanischen Sänger Bob Dylan im Vatikan.

Bob Dylan, als Sith-Lord verkleidet, trifft Papst Leo XIV. im Vatikan

Das Netz lacht über Dylans Outfit. Dabei ist die Audienz im Vatikan weder die erste noch die kurioseste Begegnung zwischen Sänger und Pontifex.

Um die ganze Welt sei er gereist, knatterte Bob Dylan 1997 in seiner Ballade „Tryin’ to Get to Heaven“: „Jetzt versuche ich, in den Himmel zu kommen, bevor sie die Tür schließen.“ Noch im selben Jahr spielte Dylan vor 300.000 Gläubigen ein kurzes Set auf der Piazza Maggiore in Bologna im Rahmen des Eucharistischen Kongresses der katholischen Kirche.

Johannes Paul II. lauschte im Publikum, während der Folkbarde seinen Klassiker „Knockin’ on Heaven’s Door“ zum Besten gab, später gab er in seiner Predigt die dogmatisch korrekte Entgegnung auf Dylans Frage aus seinem frühen Hit „Blowin’ in the Wind“: „How many roads must a man walk down/Before you call him a man?“

Papst Leo XIV. empfängt den Musiker Bob Dylan am 4. November 2026 im Vatikan.

Papst Leo XIV. empfängt den Musiker Bob Dylan am 4. November 2026 im Vatikan.

Nicht im Wind wehe die Antwort, so der Papst, sondern im Atem des Heiligen Geistes. „Es gibt nur einen Weg für den Menschen, und das ist der Weg Jesu Christi.“  Sein Berater und Amtsnachfolger Joseph Kardinal Ratzinger hatte damals vergeblich davor gewarnt, den US-Star einzuladen. Dem konservativen Theologen galt der Sohn jüdischer Eltern – trotz oder gerade wegen dessen Phase als wiedergeborener Christ – als falscher Prophet und Rockmusik ganz generell als Werk Satans.

Da drohten sich die Himmelstüren schnell zu schließen. Dylan setzte seine Reise um die Welt einfach noch ein wenig weiter fort. Bis heute, im biblischen Alter von 85 Jahren, trottet er unermüdlich um den Globus, singt urbi wie orbi, lässt auf seiner 1988 begonnenen „Never-Ending Tour“ keine Stadthalle oder Arena – wie zuletzt vor einem Jahr in Köln – unbespielt. Der Himmel kann warten.

04.11.2026, Vatikan, Vatikanstadt: Papst Leo XIV. (r) und der Sänger und Nobelpreisträger Bob Dylan (l) unterhalten sich bei einem Treffen im Vatikan. Foto: Vatican Media/LaPresse/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

04.11.2026, Vatikan, Vatikanstadt: Papst Leo XIV. (r) und der Sänger und Nobelpreisträger Bob Dylan (l) unterhalten sich bei einem Treffen im Vatikan.

Das Seelenheil freilich nicht. In dieser Woche hat Dylan, zwischen zwei Tourstopps in Mailand und Rom, seinen Landsmann Leo XIV. im Vatikan besucht. Man traf sich zu einem kurzen Gespräch, tauschte Geschenke aus. Der Pontifex aus Michigan überreichte einen Rosenkranz, der Literaturnobelpreisträger aus Minnesota hatte ein Exemplar seiner Autobiografie im Gepäck.

Zwei Bobs aus dem Mittleren Westen. Worüber sie gesprochen haben, weiß Gott allein, für etliche Schlagzeilen und belustigte Vergleiche sorgte indes Dylans komplett schwarzes Outfit, das immerhin hübsch mit dem weißen Gewand des Papstes kontrastierte. Über einer Baseballkappe trug der Musiker eine Kapuze, dazu Lederhandschuhe und einen Regenschirm, den er während der Audienz nicht aus der Hand nahm. Als fürchte er, ihm könne im Apostolischen Palast jederzeit der Himmel auf den Kopf fallen.

Warum zieht sich Dylan wie ein Sith-Lord aus „Star Wars“ an?, fragten die einen. Ob er Leo zur Dunklen Seite der Macht verführen wolle? Andere hatten eher den Eindruck, Dylan habe sich als Timothée Chalamet verkleidet. Der Schauspieler hatte den jungen Dylan im Biopic „A Complete Unknown“ verkörpert.

Leo ließ sich von seinem seltsamen Gast nicht aus der Ruhe bringen. Erst im Juli hatte er im Vorwort eines Buches aus dessen nahezu unbekanntem Antikriegsgedicht „Go Away You Bomb“ zitiert – und sich damit als echten Dylanologen geoutet. Der näselnde Himmelsstürmer muss sich keine Sorgen machen: Dieser Petrus-Vertreter hält ihm die Pforten auf.