Warum ein Film zum Kultfilm werde und ein anderer nicht, fragt Isabelle Giordano und liefert eine Art Antwort, indem sie den Film "Der Swimmingpool" (1968) zur Diskussion stellt. Das Drehbuch - Mitautor ist Jean Claude Carrière - sei "fein geschliffen wie ein reiner Diamant", die Musik habe "ein Genie" komponiert, Michel Legrand. Und dann die Location: Eine Villa mit Pool am Rand von Ramatuelle an der Côte d'Azur. Ferner: Ein Topstar wie Alain Delon, der den Regisseur Jacques Deray überredete, Romy Schneider, die einige Flops hinter sich hatte, ins Team zu nehmen. Schließlich ist Jane Birkin in ihrer ersten Filmrolle dabei.
Der Rest sind Spannung, Grausamkeit, Leidenschaft rund um den Pool, wahrhaft betörende Bilder, die in den verstrichenen nunmehr bald 50 Jahren nichts von ihrer Verführungskraft eingebüßt haben. Romy und Alain sind fünf Jahre nach dem Scheitern ihrer Beziehung wieder mit Leib und Seele dabei.
63 Filme in 29 Jahren
63 Filme hat Romy Schneider (1938-1982), einer der wenigen Weltstars, die das deutsche Kino hervorgebracht hat, in 29 Jahren gedreht. Sie hat mit den besten Regisseuren ihrer Zeit gearbeitet, hat Krisen und Karriereknicke erlebt, Skandale und unsägliche Anfeindungen überstanden und hat ein unglaubliches Spektrum aufzuweisen: Vom deutschen Liebling, der süßen jungen Kaiserin Sissi, die sie als junger Star verkörperte, bis zur Mörderin in "Trio infernal", vom Vergewaltigungsopfer in "Das alte Gewehr" bis zur Femme Fatale in "Das Mädchen und der Kommissar" und der dämonischen Schönheit in "Nachtblende".
Zwischen dem piepsigen Stimmchen des noch keine 15 Jahre alten Jungstars in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" und der psychologisch meisterhaften, ergreifenden Darstellung der Figur Chantal Martinaud in "Das Verhör" mit dem großartigen Lino Ventura und dem unglaublich intensiven Spiel in "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" liegen keine drei Jahrzehnte.
Die französische Filmjournalistin Isabelle Giordano stellt sämtliche Filme Romy Schneiders zusammen mit den schönsten Filmstills in ihrer Chronik "Romy Schneider - Film für Film" vor. Es ist nicht "das hundertste Buch über Romy Schneider", sondern die erste Filmbiografie überhaupt, eine sehr konzentrierte und faktenreiche Recherche, die die Arbeit am Set, die Biografie und die Magie des Kinos übereinanderbringt.
In den 1970ern dreht Schneider die wichtigsten Filme ihrer Karriere: "Die Dinge des Lebens", "Das Mädchen und der Kommissar", "César und Rosalie", "Mado" und "Eine einfache Geschichte". "Sie ist von einer Schönheit, die sie sich selbst geschaffen hat. Eine Mischung aus giftigem Charme und tugendhafter Reinheit", jubelt Regisseur Sautet, "Sie ist leicht wie ein Allegro von Mozart und zugleich körperlich und sinnlich." Giordano referiert die Faszination, die Romy Schneider damals auslöste, blickt aber in erster Linie auf den immer wieder hadernden, unsicheren Menschen, auf die Schauspielerin, für die jeder Film eine existenzielle Herausforderung ist.
Romy Schneiders Leben geriet aus den Fugen
In "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" (1981) ist "Rominette", wie Regisseur Jacques Ruffio sie zärtlich nennt, so am Ende, dass die Produktionsfirma anregt, sie durch Hanna Schygulla zu ersetzen. Ruffio lehnt das ab, will, dass Romy ihr Projekt in Berlin realisieren darf. Und sie versucht sich - am Rande der totalen Erschöpfung - durchzukämpfen, durch den Film und durch ihr aus den Fugen geratenes Leben - der Sohn David ist tragisch verunglückt, die Ehe mit Daniel Biasini gescheitert, ihr Ex-Mann Harry Meyer hat sich umgebracht, sie selbst hat mit der Abhängigkeit von Alkohol und Tabletten zu kämpfen.
Und dann ist da noch der Frust mit dem Image, das sie immer noch in Deutschland hat: "Ich hasse dieses Sissi-Image", verrät sie der Illustrierten "Stern". "Was habe ich den Leuten gegeben außer Sissi, immer Sissi? Ich bin schon lange nicht mehr Sissi, und außerdem war ich es nie. Ich bin eine unglückliche Frau von zweiundvierzig Jahren, und ich heiße Romy Schneider."
Das Interview löst einen Skandal aus. Am 14. April 1982 läuft die "Spaziergängerin von Sans-Souci" in Frankreich an. Der Film sei für sie, "mehr als ein Film. Viel mehr", schrieb sie. Einige Wochen nach der Premiere stirbt Romy Schneider am 29. Mai 1982.
Isabelle Giordano: Romy Schneider - Film für Film. Schirmer/Mosel, 256 S., 296 Abb., 49,90 Euro

