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Bonner BeethovenfestErlösende Ruhe nach der Apokalypse

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Eröffnung der Beethovenhalle

Die wiedereröffnete Beethovenhalle in Bonn

Das Bonner Beethovenfest findet nach zehn Jahren erstmals wieder in der Beethovenhalle statt.

Nach zehnjähriger Unterbrechung findet das Beethovenfest Bonn nun wieder in der Beethovenhalle statt. Das Konzerthaus wurde neun Jahre lang generalsaniert. Jetzt ist es wieder zentrale Spielstätte der vierwöchigen Veranstaltung. Das Motto des Festivals lautet daher diesmal „Nach Hause/Daheim“.

Zur Eröffnung stellte der Chef der Staatskanzlei und Europaminister NRW, Nathanael Liminsky, klar: „Heimat und Weltoffenheit sind kein Widerspruch. Erst aus der Geborgenheit heraus können wir auch das Fremde wertschätzen und annehmen.“ Genau dafür stünden die weltumspannende Musik Beethovens und das dem Komponisten zu Ehren seit 1845 in Bonn veranstaltete Fest. Intendant Steven Walter unterstrich die Gastgeberrolle von Beethovenhalle und -fest. Denn nach einem georgischen Sprichwort gibt erst der Gast dem Haus die Seele. Saal und Festival wollen für alle Menschen offen sein. Unter dem Dach Beethovens kämen viele verschiedene musikalische Welten zusammen. 

Vier Wochen lang gibt es Konzerte an 25 Spielstätten

Vier Wochen lang gibt es Konzerte an 25 Spielstätten, auch Vorträge und Diskussionsrunden über Herkunft, Tradition, Vertreibung, Exil, Heimatverlust, Migration, Obdachlosigkeit und „Topophilie“, also die besondere Liebe zu einem Ort. Sehr persönlich äußerte sich Alice Hasters im Eröffnungsvortrag. Die aus Köln-Nippes stammende Journalistin wird wegen ihrer dunkleren Hautfarbe häufig nach Herkunft oder Wurzeln gefragt. Die Frage zielt für sie einseitig darauf ab, dass vor vielen Generationen einige ihrer Vorfahren aus Afrika als Sklaven nach Amerika verschleppt wurden. Das mache sie zu einem nicht lokalisierbaren „Nowhereas“. Als Heimat begreift Hasters dagegen lieber Sprache, Speisen und auch Musik, weil man damit zum „Everywhereas“ wird und überall zu Hause sein kann.

Den Konzertauftakt machte Beethovens Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“, mit der 1822 das neue Josefstädter Theater in Wien eröffnet wurde. Unter Chefdirigent Antonio Pappano spielte das London Symphony Orchestra die schnell wechselnden Charaktere pointiert und packend: Fanfare, Hymnus, Fuge, Tragik und Schlussjubel. In einem Triumph gipfelte auch das eigens für das Eröffnungskonzert in der erneuerten Beethovenhalle in Auftrag gegebene „a call to the heavens“ von Stefan Behrisch für 14 Trompeter und Orgel. Die bestens einstudierte Jazzklasse von Andy Harderer an der HfMT Köln spielte im Saal, um das Publikum herum verteilt, zur rhythmisch pulsierenden Klais-Orgel (George Warren) rasende Läufe, sich wechselseitig umrankende Kantilenen und Spitzentöne mit überwältigender Strahlkraft.

Anton Bruckners unvollendete 9. Symphonie gestalteten die Interpreten frei von Klangnebel mit starken Kontrastwirkungen, rund, voll, in allen Stimmen stets plastisch und durchsichtig. Dem leicht verwackelten Ländler-Seitenthema der Streicher folgte umso monumentaler das gewaltige Unisono-Hauptthema „rex tremendae“ der Blechbläser. Ebenso gegensätzlich gerieten im Scherzo die koboldartig huschenden Pizzikati und das zyklopenhaft stampfende Tutti. Im Adagio korrespondierte dem Nullpunkt der einsamen Soloflöte über tief liegenden Wagnertuben dann am Ende des zweiten Hauptteils der Aufschrei des gesamten Orchesters in einem dissonanten Siebentonklang.

Der Apokalypse folgte als göttlicher Gnadenakt die erlösende Ruhe der Hörner – und schließlich begeisterter Applaus.