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Carla KöllnerBitte nicht schubsen, habe Joghurt im Rucksack

3 min
Carla Köllner sitzt auf einem Stuhl.

Carla Köllner hat ihr erstes Big-Band-Album herausgebracht.

Die Posaunistin Carla Köllner spielt mit AnnenMayKantereit und Nina Chuba und legt jetzt ihr Big-Band-Debütalbum vor. 

Nach zehn Jahren Schreiben für Big Bands sei sie nun nicht mehr drumherum gekommen: Für Carla Köllner wurde es Zeit für ein komplettes, eigenes Big-Band-Album. Nun erschien das Debüt der Posaunistin, Komponistin, Arrangeurin und Bandleaderin unter dem Titel „not obsessed but kinda into it“ auf dem Kölner Label JazzJazz Records.

An der Schwelle von Tradition und Moderne entfesselt Carla Köllner ein farbenprächtiges Klangfeuerwerk. Komplexe Harmonien, dynamische Arrangements, treibende Riffs und brillant improvisierte Soli prägen die Big-Band-Textur, die mitunter mit energischen Pop- und Rock-Einflüssen gewürzt wird, immer aber von Carla Köllners eigenständiger Ausdrucks- und Gestaltungskunst zeugt.

Bereits die Titel der Stücke lassen ihre Freude am fabulierfreudigen Geschichtenerzählen erkennen. Da geht es darum, innere Ängste zu überwinden, indem man einen Drachen trainiert („How to train a dragon“), mal beharrlich („persistence“), mal verspielt („hüpfen“), mal hintergründig entspannt („Bitte nicht schubsen, habe Joghurt im Rucksack“), das Leben anzunehmen oder sich auch mal die Wahrheit sagen zu lassen („tell me who i am, i dare you“)– wenn sich das denn jemand traut. Am Ende zieht man dann bestens präpariert hinaus in die Welt („Okayyy, let’s go“), im Ohr ein wunderbares Flügelhorn-Solo von Lisa Buchholz.

Mit der WDR Big Band begeisterte Carla Köllner als Solistin

Man mag es bedauern, dass Carla Köllner auf dem Album nicht selbst Posaune spielt. Ihre Qualitäten als Instrumentalistin bewies sie bereits als Mitglied der Funkband Tilar, Protagonistin ihres Bachelorprojekts BBIKKE (einem Posaunenensemble mit sechs Posaunen), Mitglied von Luise Volkmanns Été Large sowie in den Konzert-Bands von Nina Chuba und AnnenMayKantereit. Mit der WDR Big Band begeisterte sie beim Konzertprojekt „Cologne Composers Corner“ als Solistin ihrer Komposition „minolla“, einer musikalischen Erzählung für Posaune, in der die markante Solostimme einen spannenden Diskurs mit dem großen Klangkörper führt. Auch auf „not obsessed but kinda into it“ nimmt „minolla“ einen besonderen Stellenwert ein, hier aber wird das Stück von Posaunist Günter Bollmann (vor-)getragen, der sich hinter seinen erklärten Vorbildern Carl Fontana, Frank Rosolino oder Bob Brookmeyer nicht zu verstecken braucht.

Die Orchestermitglieder sind überwiegend vertraute Weggefährtinnen und -gefährten der gebürtigen Essenerin, die ab 2013 Jazzposaune bei Ansgar Striepens an der Folkwang Universität der Künste studierte und zwischendrin ein Auslandsjahr am Conservatorium van Amsterdam bei Martijn Sohier, Bert Boeren sowie bei Erik und Bart van Lier absolvierte. Auch war sie Mitglied des vorzüglichen Jahrgangs 2016/17 des Bundesjazzorchesters sowie des renommierten Essen Jazz Orchesters, das erstmals 2021 ihre Werke zur Aufführung brachte.

Solchen Erfahrungsschatz bringt Carla Köllner nun in ihr Debütalbum ein, wobei sie Orchesterparts und Soli virtuos ineinanderfließen lässt. Fantasievoll verleiht sie den Ensemble-Sätzen Tiefe und Plastizität, wobei sie sich mit Vorliebe den sonoren Klängen des tiefen Blechs zuwendet. Zwar ist die Carla Köllner Big Band keine Power-Big-Band à la Rhythm Combination and Brass, dennoch zeugt sie von einer besonderen Kraft, Energie und, vor allem, einer Leidenschaft, die beispielhaft ist für ein solidarisches Miteinander, das längst nicht mehr selbstverständlich ist. Es ist nicht gerade wenig, was man über diese zeitgenössische Big Band sagen kann: dass sie eine tiefe, freie und menschliche Erfahrung vermittelt, zu der alle beitragen und an der alle teilhaben.


Carla Köllner Big Band: „not obsessed but kinda into it“. CD JazzJazz Records. Am 25. Juni spielt Carla Köllner mit Nina Chuba am Fühlinger See. Die Carla Köllner Big Band ist erst wieder am 2. Oktober 2026 in Essen zu erleben.