Caroline Wahl über ihren neuen Roman, wie die Arbeit an einer Hochstaplerin sie dreister machte und den Umgang mit Kritik.
Schreiben machte sie dreisterCaroline Wahl über ihren neuen Roman und einen Shitstorm

Caroline Wahls neuer Roman erscheint am 28. August. (Archivbild)
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Die Bestseller-Schriftstellerin Caroline Wahl ließ sich bei der Arbeit an ihrem neuen Roman von ihrer Protagonistin, einer jungen Betrügerin, inspirieren. „Ich wurde selbst parallel auch dreister“, erklärte Wahl in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das Hineinversetzen in die Rolle der kühnen Hauptfigur, sich „reinzutasten“, habe sich auch auf ihr persönliches Leben ausgewirkt.
Am 28. August wird ihr neues Werk mit dem Titel „1999 Meter über dem Meer“ veröffentlicht. Die Handlung konzentriert sich auf Samara, eine junge Akademikerin, die nach ihrem Studium in Berlin unglücklich ist und spontan in die Bergwelt flieht. Die ehemals vorbildliche und angepasste Schülerin fängt in St. Moritz an zu täuschen, zu betrügen und letztlich fremde Identitäten anzunehmen. „Das ist eine Hochstaplerinnen-Geschichte“, konstatierte die 30-jährige Schriftstellerin.
Literarische Vorbilder für den Roman
Als Inspirationsquellen dienten Wahl unter anderem „Die Blechtrommel“ von Günter Grass sowie Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Die Schriftstellerin erläuterte dazu: „Ich fand es extrem spannend, dass da so Figuren sind, die einfach sagen: Jetzt reicht's! Und ohne schlechtes Gewissen alle anlügen und so durchkommen“.
Ein weiteres zentrales Thema des Werkes sei das Streben nach Freiheit. Wahl erklärte: „Dieser Freiheitsdrang ist schon etwas, das mich mit meinem Beruf beschäftigt, weil ich eben selbstständig bin und eigentlich so eine maximale Freiheit habe, die eben auch Angst macht“.
Deutschlandweite Lesereise geplant
Ihr viertes Werk stellt Wahl im Rahmen einer Lesereise vor. Der Auftakt findet am Erscheinungstag in Berlin statt. Am 5. September folgt eine Veranstaltung in Kiel, dem Wohnort der Schriftstellerin. Bis Ende November wird sie anschließend durch die Bundesrepublik touren. Der Ticketverkauf hat schon begonnen.
Begegnungen mit ihrem Publikum beschrieb Wahl als „überwältigend“. Es sei besonders, wenn Menschen nach den Veranstaltungen zum Signieren kommen und berichten, welche Bedeutung die Figuren für sie haben. „Da muss ich mich manchmal fast kneifen“, gestand sie. „Und deswegen freue ich mich sehr.“
Obwohl Lesereisen anstrengend seien, würde sie diese immer wieder unternehmen. „Weil es für mich irgendwie auch dazugehört“, hob Wahl hervor. Das Schreiben sei eine nach innen gekehrte Tätigkeit: „Ich bin sehr viel alleine und ich genieße es dann total, auch auf der Bühne zu sein.“ Zudem lerne sie auf diesen Reisen Deutschland, die Bevölkerung und die Städte kennen.
Umgang mit Kritik und Shitstorms
Im Gegensatz zu früheren Werken wird Wahl ihr neues Buch nicht persönlich als Hörbuch einsprechen. Die Audioversion ihres Romans „Die Assistentin“ habe eine „sehr polarisierend“ wirkende Resonanz erfahren. „Ich habe genug zu tun, dann überlasse ich das jetzt einer Sprecherin, wenn das Menschen so erzürnt.“
Die Werke von Wahl belegten über Monate hinweg Spitzenplätze auf den Bestsellerlisten. Im Anschluss an die Publikation ihres letzten Romans sah sie sich jedoch auch mit Spott und scharfer Kritik in sozialen Netzwerken konfrontiert. Über die Anfeindungen äußerte Wahl: „Am Anfang war er doof und tat weh“. Zuerst sei ihr unklar gewesen, wie sie darauf reagieren sollte.
In der Retrospektive sei sie für diese Erfahrung allerdings „total dankbar“: „Ich bin noch freier und fühle mich noch selbstsicherer, weil ich mir denke, man kann eh nicht kontrollieren, was passiert, weil aus dem Nichts sowas entstehen kann.“ Sie ergänzte: „Und weil ich eh jetzt die meisten in dieser Branche nicht mehr ernst nehme.“ Diese Formulierung sei möglicherweise etwas scharf, gestand sie ein. „Aber diese Dynamiken im Netz sind so unberechenbar, dass man eh machen kann, was man will.“ Es sei von Bedeutung, „seinen moralischen Kompass irgendwie anzuschalten und ein guter Mensch zu sein“. (dpa/red)
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