Köln – Der türkische Journalist Can Dündar und der ägyptische Karikaturist Mohamed Anwar zeichnen in der Graphic Novel „Erdogan“ die Geschichte des türkischen Präsidenten nach und zeigen in effektvollen Schwarz-Weiß-Bildern seinen Weg zur Macht. „Er hat die Demokratie benutzt, um sie zu zerstören“, so die Botschaft Dündars. Der ehemalige Chefredakteur der renommierten Zeitung „Cumhuriyet“ wurde ins Exil gedrängt und in Abwesenheit zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Erdogan mag keine Comics, darum
Warum ein Comic-Buch? „Weil Erdogan Cartoons nicht ausstehen kann. Vor allem solche nicht, die ihn satirisch aufs Korn nehmen“, sagt Dündar im lit.Cologne-Gespräch mit Cosmia Gill im WDR-Funkhaus. Der türkische Ministerpräsident sei ein Mann ohne jeglichen Humor.
Mit Akribie spüren Dündar und Anwar seiner Leidenschaft und Wut in Kindheit und Jugend nach, dokumentieren die Taktiken, mit denen er als Islamist in liberalen Kreisen Unterstützung für seinen Aufstieg fand und ergründen die Ursachen für die Entwicklung der Türkei von einem säkularen Land in einen autoritären islamistischen Staat.
„Wir haben über drei Jahre an diesem Buch gearbeitet. Am Anfang stand eine einjährige Recherche, in den zwei folgenden Jahren wechselten sich Texten und Zeichnen ab“, erzählt Anwar, der nach dem Scheitern des Arabischen Frühlings ebenfalls Zuflucht in Deutschland fand.
Erdogans Ziel ist die absolute Macht
Das Buch macht auch Erdogans beachtliches politisches Talent deutlich. Seine Idee, aus den Moscheen herauszugehen und die Türken dort zu mobilisieren, wo sie an den sozialen Verhältnissen leiden, führt zum Erfolg. Das Ziel ist die absolute Macht. Begünstigt wird sein Aufstieg durch die Zerstrittenheit der Opposition. Dündar: „Jetzt haben die oppositionellen Parteien aber endlich begriffen, dass sie nur geeint gegen Erdogan bestehen können. Von daher bin ich recht zuversichtlich, dass er im nächsten Jahr abgewählt wird und ins Exil nach Katar geht, wo er sein Vermögen hortet.“
Die Arbeit an der Graphic Novel sei für ihn eine harte und schmerzhafte Herausforderung gewesen. „Ich habe mich mit einer Person beschäftigt, die mein Leben und mein Land zerstört hat“, erklärt Dündar. Doch es sei ihm als Journalist sehr wichtig, objektiv zu bleiben und zu zeigen, mit welcher Skrupellosigkeit, Härte und Disziplin Erdogan schon früh seine Karrierepläne verfolgt habe.
Das könnte Sie auch interessieren:
„Erdogan war nie ein Demokrat. Er ist als Islamist aufgewachsen, er glaubt an diese Ideologie.“ Und er habe es immer gut verstanden, im Westen moderat aufzutreten, sich als gemäßigter Muslim darzustellen und dabei seine wahren Ziele zu verschleiern. Demokratie sei für ihn nur ein Weg, seine Ziele zu erreichen.
Dündar und Anwar erzählen aber auch von Erdogans harter Kindheit und seinem brutalen Vater. Die Angst, Mitleid oder Verständnis für den Politiker zu wecken, müsse er in Kauf nehmen. „Als Journalist muss ich auch diese Aspekte abbilden.“



