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„Also rund ist Mist“Tonhalle-Intendant über die Akustik-Probleme der Kuppel

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Tonhalle Düsseldorf

Eine Kuppel wölbt sich über den runden Saal der Tonhalle Düsseldorf.

Vom Planetarium zum Konzertsaal: Die Tonhalle Düsseldorf feiert 100 Jahre mit einem Werk, das in Köln einen Skandal auslöste.

Einst als Planetarium mit schwieriger Akustik eröffnet, feiert die Tonhalle Düsseldorf ihr 100. Jubiläum. Auf dem Programm steht auch ein Werk, das in Köln einen Skandal auslöste.

Ein außergewöhnlicher Veranstaltungsort ist die Tonhalle in Düsseldorf, deren Ursprünge 100 Jahre zurückliegen, als sie noch ein Planetarium war. Die Eröffnung des Gebäudes erfolgte am 8. Mai 1926, jedoch stellte der Klang unter der gewölbten Decke für Musiker lange eine Schwierigkeit dar. „Ich dachte immer, ich bin nackt und keiner spielt mit“, schildert Intendant Michael Becker sein damaliges Erleben als Student im Orchester nach der Eröffnung als Tonhalle im Jahr 1978. „Das war ein ganz komischer Zustand, man hörte die anderen kaum und nur sich selber.“

Tonhalle Düsseldorf

Michael Becker, Intendant der Tonhalle Düsseldorf, steht im Saal des Konzerthauses.

Der heutige Konzertsaal bildete ursprünglich den Mittelpunkt einer gewaltigen Ausstellung mit dem Titel „Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ (Gesolei). Laut Einschätzung von Historikern war die Veranstaltung mit 7,5 Millionen Besuchern auf einem Areal von 400.000 Quadratmetern die umfangreichste der Weimarer Republik.

Bestandteil einer Großausstellung in der Weimarer Zeit

Acht Jahre nach dem Abschluss des Ersten Weltkrieges sowie der Spanischen Grippe sollte die Ausstellung eine Atmosphäre des Aufbruchs schaffen. Die damalige Botschaft lautete: „Wir sind wieder wer“, wie der Historiker und Projektleiter Matthias Krischel erläutert. Anstelle eines reinen Fachkongresses wurden weite Teile der Bevölkerung erreicht. Vergnügungsbereiche, Vorträge und sportliche Darbietungen zogen neben wissenschaftlichen Fortschritten die Besucher an.

Zu den Höhepunkten gehörten der erste Autoscooter in Europa sowie eines der frühesten Wellenbäder in Deutschland. Das Planetarium erwies sich ebenfalls als Besuchermagnet, für den laut Krischel mehr als 400.000 Eintrittskarten abgesetzt wurden. Konzipiert war es für 3.000 Sitz- und 1.000 Stehplätze. Im Rahmen der großen Ausstellung wurden zudem das heutige NRW-Forum, der Kunstpalast und die Rheinterrasse errichtet.

Die Umwandlung des Planetariums zum Konzertsaal

Das originale Konzerthaus der Stadt erlitt im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden und wurde danach abgerissen. Daraufhin erfolgte der Umbau des Planetariums, das zeitweise als Mehrzweckhalle fungierte, zum neuen Konzertsaal. Die runde Kuppelform erwies sich jedoch als akustische Schwierigkeit. „Also rund ist Mist“, erläutert Becker. Harte Schallreflexionen seien durch zusätzliche Holzpaneele verursacht worden.

Gelöst wurde dieses Problem erst 2006 durch ein Stahlgitternetz. Dieses leitet den Schall über die Kuppel und sorgt auf diese Weise für einen ausgewogenen Klang im Saal. Becker sagt dazu: „Dann ist hier 2006 ein ganz großartiger Saal eröffnet worden“.

Festprogramm mit Verbindung nach Köln

Anlässlich des Jubiläums spielt Musik aus dem Jahr 1926 bei jedem Konzert eine zentrale Rolle. Um das Festwochenende herum ist die Aufführung von Béla Bartóks Ballettmusik „Der wunderbare Mandarin“ vorgesehen. Vor 100 Jahren hatte das Werk bei seiner Uraufführung in Köln einen Skandal ausgelöst. Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer untersagte nach der Premiere weitere Vorstellungen, weil die Handlung, die sich um Prostitution und Gewalt drehte, für Empörung sorgte.

Die Konzerte, die Gustav Mahlers erste Symphonie und Bartóks Ballettmusik beinhalten, sind für den 8. Mai (20.00 Uhr), 10. Mai (11.00 Uhr) sowie den 11. Mai (20.00 Uhr) angesetzt. Am 8. Mai (19.00 Uhr) ist zudem ein Gespräch mit Andreas Scholl, einem Historiker für Planetarien, geplant.

Architektonische Erinnerungen an das Planetarium

In architektonischer Hinsicht erinnert noch einiges an die ursprüngliche Funktion. An Stahlträgern, die zur Mitte hin konvergieren, ist der Konzertsaal aufgehängt. Darunter, an der Stelle der heutigen kreisförmigen Sitzanordnung, befand sich einst der Projektor des Planetariums. Im Saal können Lampen blaues Licht und einen Sternenhimmel erzeugen. Das Grüne Gewölbe, das heute als Gastronomiebereich dient, fungierte früher als Eingang.

Derzeit hat das Bauwerk allerdings mit Wasserproblemen zu tun. Die Terrasse auf der Rheinseite ist eingerüstet, weil Rohre des Entwässerungssystems brüchig wurden. „Das ist alles in die Substanz reingelaufen“, sagt Becker. Feuchte Wände sind die Konsequenz. Auch die Bodenplatte ist offenbar nicht gänzlich dicht. Von den Sanierungsmaßnahmen an Fenstern und Fugen ist der Konzertsaal selbst nicht berührt.

Tonhalle Düsseldorf

Es gibt Bauarbeiten an der Gebäudeseite zum Rhein.

Für das Haus mit seinen fast 400 Mitarbeitern und einem jährlichen Etat von circa 10 Millionen Euro zielt der Intendant auf ein breites Publikum ab. Zur Tonhalle gehören drei Kinder- und Jugendorchester. „Wir sind kein Musentempel, sondern wir sind eigentlich ein sehr offenes und durchaus selbstbewusstes fröhliches Haus“, äußert sich Becker. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.