Jetzt an seinem 75. Geburtstag, drogenfrei, mit einem netten Mann an der Seite und sogar Kindern, scheint es für Elton John wirklich rund zu laufen, klingt sein Leben so harmonisch wie all die Lieder, die ihn berühmt gemacht haben: von „Daniel“ bis „Blue eyes“, von „Crocodile Rock“ bis „I’m still standing“, von „Rocket man“ bis „Candle in the wind“ – gute, wenn auch melancholisch getränkte Laune, so weit das Ohr reicht.
Sein Leben war lange bestimmt von Selbstzweifeln
Dass all diese perfekten Popsongs von jemandem geschrieben wurden, der so gar nicht mit sich im Reinen war, ist allerspätestens seit dem Film über sein Leben bekannt: Selbstzweifel aufgrund der eigenen Optik und seiner Sexualität, in Schach gehalten durch Rauschmittel verschiedenster Art, kaschiert durch die sicher mit Abstand albernsten Kostüme, die man sich an einem eigentlich schüchternen Jungen am Klavier vorstellen kann.
Natürlich, es waren die 70er Jahre: David Bowie wechselte Outfits und Identitäten quasi täglich. Marc Bolan machte Kajal und Lidschatten herrensalonfähig. Und Freddie Mercury turnte so flamboyant vor seinen hard-rockenden Queen-Kollegen herum, dass man nicht so recht versteht, wie ihn irgendjemand für heterosexuell halten konnte.
Bahnbrechende und exzellente Musik in wilden Zeiten
Und mittendrin also Elton John – in Federn, Pailletten, riesigen Brillen, immer eher verkleidet als mit der Ausstaffierung eine Aussage tätigend. Dennoch: In diesen wilden Jahren machte er exzellente, ja auch bahnbrechende Musik und das vor allem auch auf Albumlänge. „Goodbye Yellow Brick Road“ etwa verkaufte sich zehn MIllionen mal und landet auf vielen Kritiker-Bestenlisten. In den 80ern lief es kommerziell noch gut, irgendwann allerdings landete Elton John an dem Punkt, wo neue Platten zwar mit Wohlwollen aufgenommen wurden, aber der Nachhall ausblieb.
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Andererseits ist damit in guter Gesellschaft vieler Kolleginnen und Kollegen, deren Konzerte im Wesentlichen mit dem Frühwerk bestritten werden. Aber warum nicht, wenn den Songs eine so zeitloser Eleganz innewohnt wie denen von Elton John und seinem Haus- und Hoftexter Bernie Taupin. Mit den Konzerten hat es eh bald ein Ende: Elton ist derzeit auf seiner ausgedehnten Abschiedstournee.

