Das Acht Brücken-Festival endet mit einem Erfolg und einem Eklat. Mit der Art und Weise der Moderation waren viele nicht zufrieden.
Enno Poppe vs. Martin Zingsheim„Aufhören!“-Ruf vom Komponisten beim Konzert des WDR sorgt für Debatte

Porträtkomponist Enno Poppe
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„Aufhören!“ tönte es während des Konzertes des WDR Sinfonieorchester aus dem Publikum – allerdings war das keine Aufforderung an die Musikerinnen und Musiker, sondern an den Moderator des Abends, den Kabarettisten Martin Zingsheim. Der Zwischenrufer war der Komponist Enno Poppe, der über die Art und Weise, wie hier über die gespielte Musik gesprochen wurde, sehr erzürnt war.
„Und damit war ich nicht alleine“, erzählt er im Gespräch mit der Kölnischen Rundschau. „Zum Beispiel habe ich mit mindestens 15 Orchestermusikern gesprochen, die alle gesagt haben, sie sitzen auf der Bühne und schämen sich, dass da jemand vorne steht, der einen solchen Unfug erzählt.“
Ins Lächerliche gezogen?
„Humor ist toll und ich mag Humor“, es sei aber die Art und Weise, wie ein Moderator sich über die Sache, die dort vorgestellt wird, lustig und auf deren Kosten Witze mache. So erwähnt Poppe die Passagen über Clara Iannotta, wo gesagt worden sei „wie lustig diese Titel von den Stücken sind, wie lustig das ist, dass dort andere Spieltechniken verwendet werden. Das ist aber nicht lustig, sondern interessant, das ist ein Forschungsfeld“, so die Meinung Poppes, der in diesem Jahr Porträtkomponist des Festivals war. „Ich kann mir eigentlich keinen anderen Bereich vorstellen, wo sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz ein Moderator hinstellt, erst mal sagt, das ist ja alles albern und lächerlich, dass hier geforscht wird. Und anschließend soll dann der Forscher über seine Forschung sprechen. Das ist komplett daneben, das ist respektlos gegenüber den Künstlern!“
Poppe macht dabei klar, dass es ihm nicht um seine persönliche Eitelkeit gehe. „Ich habe ein dickes Fell.“ Sondern etwa auch „um die Orchestermusiker, die wirklich unglaublich tolle Arbeit leisten, die dann auf eine solche Weise einfach der Lächerlichkeit preisgegeben werden“.
Seine Kritik richtet Poppe dabei nicht direkt an Zingsheim, sondern an den WDR, der meint im Rahmen eines Festivals wie „Acht Brücken“, das sich explizit der Neuen Musik widmet, ein Konzert auf diese Weise moderieren zu lassen. Er wisse nicht, wo das herkomme.
Jahrzehntelang war die Neue Musik ein Aushängeschild des Senders, angefangen bei Stockhausen und dem Elektronischen Studio, Reihen wie „Musik der Zeit“ oder „diesem tollen Orchester und jetzt wissen die eigentlich gar nicht, was sie damit anfangen sollen. Sie verstehen auf jeden Fall den Wert nicht, und das macht mich stutzig!“
Doch von diesem Erlebnis am letzten Abend, lässt sich Poppe die Freude darüber, dass so viele seiner Werke im Rahmen des Festivals aufgeführt wurden, nicht nehmen. „Das war eine wirklich absolut großartige Erfahrung. Es hat einen unheimlichen Spaß gemacht. Ich finde es toll, dass die Philharmonie so wagemutig ist und ihre Türen öffnet, dass sie diese Verbindung zu den verschiedensten Milieus hat.“
Eines der schönsten Erlebnisse sei ein unerwartetes gewesen: „In der Generalprobe letzten Montag mit dem Ensemble Kollektiv hat mir das Festival 100 Grundschulkinder geschickt. Und wir hatten so viel Spaß! Die hatten so viele Fragen, dass wir irgendwann gar nicht mehr spielen konnten oder wollten. Sie waren so neugierig. Und da muss man gar nichts erklären, sondern diese Sechsjährigen finden es per se super, dass man da irgendwie schräge Dinge auf Instrumenten macht.“ (EB)

